Du bist kein gutes Vorbild, sagen sie. Du lebst deinen Kindern einen verstaubtes und falsches Familienmodell vor. Ich bleibe bei meinem Kind zu Hause. Darf ich mich dann noch Feministin nennen?

Familienarbeit ist genauso wichtig wie Erwerbsarbeit! In der Theorie vielleicht, aber das, was ich hier jeden Tag leiste, wird bei weitem nicht so wertgeschätzt wie jeder andere Job. Leider. Ich erfülle mir einen Traum und bleibe bei meiner Familie zu Hause. Solange es so für uns funktioniert, ist es doch toll, oder? Leider darf man das nicht laut sagen, wenn man nicht als dummes Hausmütterchen abgestempelt werden will. Man wird richtig klein geredet. Hinter vorgehaltener Hand getuschelt. Über die Mütter, die sich bewusst für die Familienarbeit entscheiden. Sie werden vielleicht sogar für bequem gehalten. Zugunsten der Hausarbeit und Erziehung erhebliche finanzielle Nachteile und Risiken in Kauf nehmen? Da kann doch nur eine blöde Entscheidung sein oder? Falsch. Unsere Entscheidung ist bewusst gefallen, und die Risiken sind uns auch bewusst. Und dafür – für diesen Mut – hätte ich gern ein bisschen mehr Respekt.

Dieser Feminismus. Was will er eigentlich? – Gleichberechtigung? Mehr Rechte für die Frau? Mehr Entscheidungsfreiheit? Aber dann auch bitte nur so, wie es sich für alle richtig anfühlt, oder?

Wenn ich mich mal umschaue, dann sind die meisten Frauen in meinem Umfeld, um die 30 Jahre alt, gut ausgebildet, weltoffen, selbstbewusste und insbesondere eines: emanzipiert. Es sind Frauen, die ganz selbstverständlich in gleichberechtigten Partnerschaften leben. Frauen, die ihre Entscheidungen auf Grundlage dessen treffen, was sie selbst, für richtig halten. Frauen, die sich ihrer Stärken und Schwächen bewusst sind. Die ihrer Fähigkeiten und ihre ganz eigenen Möglichkeiten, in unserer heutigen, doch so modernen Gesellschaft sehr wohl bewusst sind. Voller Selbstvertrauen, in das was sie sind und was sie sein wollen. Frauen, die ihren Alltag organisieren und die ihr Leben selbst in der Hand haben. Ihnen geht es gut. Sie haben es gut – ja – bis zu dem Zeitpunkt bis sie Mütter werden. Bis sie sich dafür entscheiden zu Hause zu bleiben. Ihre Kinder die ersten Jahre selbst betreuen. Und sich auch danach noch dafür entscheiden, möglichst viel für sie da zu sein. Sich ohne großes Zögern, dem Wunsch von eigenen Kindern hin gegeben, ihr berufliches Weiterkommen dafür für einige Jahre auf einen der hinteren Prioritätenplätze verschoben. Denn der Partner verdient den Großteil des gemeinsamen Haushaltseinkommens allein. Sie sind glücklich. Und zufrieden. Doch sind sie auch raus. Hinunter katapultiert vom Podest der Emanzipation.

Feminista goes Wifey

Ist die Frage nach den tiefen Bedürfnissen von Mutter und Kind also so etwas wie Verrat an der feministischen Idee? Wird von einer emanzipierten Frau nicht erwartet, dass sie zunächst einmal ehrgeizig sein soll, was ihre Ausbildung und ihr berufliches Fortkommen betrifft. Dann, wenn sie ihren ersten gut bezahlten Job ergattert hat, sollte der Kinderwunsch erstmal hinten anstehen. Und entscheidet sie sich dafür diesen Wunsch aus diversen Gründen noch zu verschieben, schlägt ihr dafür auch sehr viel Verständnis entgegen. Ein Kind bedeute ja schließlich Einschränkungen, in jeglicher Hinsicht.

Auch ich hab mit mein Leben schön gestaltet und bin beruflich „weit“ gekommen. Wer hätte das gedacht. Nach einer wilden Teenagerphase und einem doch recht holprigen Studienweg, habe ich meinen Bachelor absolviert und ein Volontariat beschritten, hier und da als freie Journalistin gearbeitet, und am Ende einen Fashionstore gemanagte. Meine Ambitionen hoch, meine Freizeit gering. Workaholic? War ich. Liebte es. Arbeitet mit Leib und Seele. Für einen Job, der mir Spaß machte und bei dem ich mich zukünftig auch in hören Ligen spielen sah. Doch der für mich größte Schritt in meinem Leben stand mir dann im Herbst 2015 bevor. Ich erwarte mein erstes Kind. Und ich wusste, ich würde dafür meinen Job an den Nagel hängen.

Couple Goals

Wer sagt, dass ich meinem Job, gar meinen Bedürfnissen nicht nachkomme? Ich bin studierte Medienmanagerin. Gelernte Redakteurin. Ich betreibe einen Blog, der mir viel Freude und Spaß bereitet und nun: bin ich hauptberuflich: Mutter. Ich achte auf mich und trage dennoch die Verantwortung für meine Familie. Ich habe einen Mann der mich mindestens genauso unterstützt und der dieselben Aufgaben im Alltag übernimmt, wie ich es tue.

Ja. Mein Mann und ich sind ein zeitgemäßes Paar, mit viel Respekt füreinander und voller Power und den starken Willen, alles zu schaffen, was wir wollen. Wir sind finanziell unabhängig und denken nicht in alten Mustern.  Wir sind emanzipiert und gleichberechtigt und trotzdem erfülle ich das klassische und typische Rollenbild und bleibe mit meinen Kindern zuhause. Während mein Mann weiter draußen arbeiten geht.

Ich glaube ganz fest an die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Ich respektiere und schätze die Mütter, die ihre Kinder frühzeitig in die Fremdbetreuung geben müssen/wollen, um Geld zu verdienen. Ich weiß, wie schwer dies einigen fällt und wie gerne die anderen neben ihrer Rolle als Mutter auch in ihrem Job nachgehen möchten.  Ich glaube auch daran, dass Frauen alles schaffen können, was sie wollen. Sie müssen nur wissen, was das ist. Und eben auch: ganz egal was ist.

Auch ich weiß, was ich will und das macht meine Prioritäten so klar wie nie zuvor: An erster Stelle kommen meine Töchter. Meine Familie. Und ja  – das fühlt sich verdammt gut an – für mich. Ich bin dankbar und froh darüber, dass wir das so realisieren können. Mir meine Wünsche erfülle kann. Und nein: ich tappe damit nicht in das klassische, veraltete Rollenmodell und begehe damit Verrat am Feminismus.

Meine Prioritäten, meine Entscheidung

Ich habe dieses Kapitel meines Lebens irgendwie immer schon erwartet. Und auch wenn am Ende alles anders kam, als gedacht, so wusste ich ziemlich schnell, was ich mir für meine Zukunft vorgestellt habe.

Nun bin ich Mutter. Hausfrau und Selbständige. Eine Frau, die sich in der äußerst angenehmen Situation befindet, sich ihre flexibel einteilen zu können und bin in erster Linie nur mir selbst verpflichtet und kann das tun, worauf ich Lust habe.

Doch verrate ich mit meiner selbstbestimmten Mutterschaft all meine feministischen Ideale und meine Ziele? Was ist richtig und was ist falsch? Wäre ich denn nur ein gutes Vorbild, wenn ich mein Kind den ganzen Tag in die Betreuung durch Fremde abgebe und „draußen“ arbeiten gehen würde. Mir scheint fast so, als wolle uns die Gesellschaft dorthin bewegen. Der Staat. Die Politik. Eine Geldmaschine, die Steuern bringt und all diejenigen benachteiligt, die wenn sie nicht arbeiten gehen auch unter den Konsequenzen zu leiden haben.

Obwohl wir, als Mütter, als Väter, als Eltern die Zukunft des Landes sichern, frage ich mich oft, warum wir dann so wenig wertschätzt werden. Warum muss ich mich immer und immer wieder verteidigen. Kämpfen. Für mehr Gerechtigkeit. Für mehr Verständnis. Denn weibliche Selbstbestimmung kann eben auch bedeuten, sich für Kinder und Familie und gegebenenfalls gegen eine Karriere entscheiden zu dürfen, ohne deswegen verurteilt und abgestempelt zu werden.

Schade, dass es immer noch in den Köpfen der meisten so verankert ist, dass der Job als Mutter und Hausfrau nichts wert ist. Nur eine Frau, die draußen ihr Geld verdient wird anerkannt und wird respektiert. Bekommt Komplimente und Annerkennung.

Bedeutet Feminismus nicht eigentlich, dass wir Frauen uns alle unterstützen sollten? In allen Bereichen?

Zeit für einen neuen Feminismus

Wie wäre denn es denn, wenn wir anfangen keine falschen Vorurteile mehr zu fällen und nicht mehr Schubladen zu denken. Frauen, die aus Überzeugung einen größeren Teil ihrer Lebenszeit dem gemeinsamen Leben mit ihren Kindern widmen wollen, nicht zu verurteilen, sondern zu supporten.

Wir Frauen haben heutzutage die  Chance, unser Leben, so frei wie noch nie zu gestalten. Es zu nutzen, wie wir wollen! Jede Frau und ihre Beweggründe zu unterstützen. Ganz egal welche Lebenspläne sie verfolgt, ob sie kinderlos bleiben möchte oder sich eine Großfamilie wünscht, ob sie Top-Managerin werden möchte oder Vollzeitmutter.

Gewiss, wir Frauen haben es auch im 21. Jahrhundert immer noch schwerer als Männer, all unsere Ziele zu erreichen. Aber wir dürfen nicht vergessen, wie weit wir schon gekommen sind. Und nur, wenn wir es wagen, alles zu wollen, werden wir auch alles bekommen.

Eure Teresa

Diese wundervolle Bildserie, die meinen Blogpost schmückt hat die wundervolle Fotografin Sophie Biebl in einem so entspannten Shooting festgehalten. Danke liebe Sophie für diese tolle Arbeit.

 

Sophie Biebl findet ihr bei Instagram hier.

Hi ich bin Teresa. Studierte Medienmanagerin und leidenschaftliche Redakteurin. Meine Modeaffinität hat mich aber auch zwischenzeitlich mal die Branche wechseln lassen und so war ich zuletzt als Shopmanagerin bei Inditex tätig. Aktuell lebe ich aber ganz nach dem Motto: „Mein Alltag ist ihre Kindheit“. Ich versuche jeden Tag zu einem kleinen Abenteuer für uns zu machen. Mit einem tollen Mann an meiner Seite, einer wundervollen Tochter, die im Mai 2017 zur großen Schwester upgegradet wird, gestalten wir unseren Alltag so bunt wie möglich. So reisen wir gerne, ob durch Asien oder Europa. Und versuchen einfach immer wieder unseren persönlichen Interessen treu zu bleiben und sie gemeinsam auch zukünftig mit unseren Kindern zu vereinbaren. Kinder machen unser Leben nämlich nur noch lebenswerter: wir müssen es nur zulassen.