Stillen ist das Beste für Ihr Kind! Auf jeder Packung Säuglingsmilch steht es. In unseren Köpfen ist die Botschaft angekommen. Umso schräger werden junge Mütter angeschaut, wenn sie beschließen, dass Stillen nichts für sie ist oder sie nach einigen Monaten schon abstillen. Das erzeugt unnötigen Druck. 

Meine eigene Stillgeschichte ist schnell erzählt. Ich habe nicht besonders gerne, aber auch nicht ungerne gestillt. Ich fand es sehr wohl praktisch, perfekt temperierte Milch immer dabei zu haben, gleichzeitig tat ich mich damit schwer, dass ein kleines Wesen so absolut von mir und meinem Körper abhängig war.

Als ich dann eine Autoimmunkrankheit diagnostiziert bekam und starke Medikamente nehmen musste, wurde mir die Entscheidung, wann ich abstillen wollte, abgenommen. Ich stillte innert zwei Tagen mit Medikamenten ab und litt. Meine Brüste entzündeten sich, der Hormonabfall ließ mich an die Decke gehen. Danach war alles wieder beim Alten und auch mein Sohn steckte das Umstellen auf die Flasche problemlos weg.

Gift in der Flasche

Dann kamen aber die Fragen. Was, du hast schon abgestillt? Ist es nicht schrecklich für dich, dein Kind nicht mehr stillen zu können? Und jetzt kriegt er Pulvermilch?

Pulvermilch scheint unter den meisten Müttern etwa den Stellenwert von Rattengift zu haben. Ich wurde nicht verurteilt, aber doch bemitleidet. Hätte ich freiwillig abgestillt, wäre dies aber anders gewesen.

Ich störe mich sehr an dem sozialen Druck, der auf Mütter ausgeübt wird. Der jeder einzelnen, die nicht stillen möchte, das Gefühl gibt, eine schlechte Mutter zu sein. Eine, die eben nicht das Beste für ihr Kind will. Der suggeriert, dass Frauen, die nicht stillen, ihrer von der Natur zugedachten Rolle nicht nachkommen. Dieser Still-Totalitarismus degradiert die Frau nicht zuletzt wieder zur Gebärmaschine und Ernährerin. Vor allem aber schafft er ungemein viel Stress bei ungemein vielen Frauen, der komplett unnötig ist.

Kreuzzug der Stilllobby

Dabei war Stillen einst Zeichen der Emanzipation: Sieben amerikanische Frauen gründeten die heute einflussreichste Stilllobby La Leche League (LLL) im Jahr 1956, um den Frauen die Macht über ihren Körper zurückzugeben. Damit wehrten sie sich dagegen, dass Geburt und Wochenbett immer mehr zur alleinigen Sache der Schulmedizin verkam. Die LLL erreichte, dass die Weltgesundheitsorganisation WHO in den 80er Jahren einen Verhaltenskodex verabschiedete, der die Werbung von Babynahrung stark einschränkte. Die LLL hat auch heute eine Beraterfunktion bei der WHO inne. Wenn die WHO also die Parole „Stillen ist das Beste!“ herausgibt, stützt sie sich auf Empfehlungen der LLL, welche wiederum ihre Linie damit rechtfertigt, dass die WHO Stillen für das Beste erklärt. Damit nicht genug.

Auch sonst war und ist die LLL durchaus erfolgreich: Krankenhäuser werden heute als stillfreundlich ausgezeichnet und Kinderärzte fragen irritiert nach, wenn eine Mutter bekundet, nicht zu stillen. Überall wird verkündet: Stillen ist das Beste für ihr Kind. Ich bin mir sicher: Das wissen wir nun. Und trotzdem geht die Propaganda weiter – weiter als früher – nämlich ins Private. Vor allem in Mutterforen im Internet wird verurteilt und belehrt, was das Zeug hält.

Jede Mama will das Beste

Was bekam ich für böse Nachrichten, als ich auf dem Newsportal watson einen Artikel darüber verfasste, wie es einer Bekannten von mir in einem Still-Forum erging. Ich wurde beschimpft und verunglimpft – wie emotional das Thema Stillen für viele Frauen ist, wurde mir erst an diesem Punkt vollends klar.

Und wie das so bei emotionalen Themen ist, werden diese Diskussionen nicht mehr konstruktiv geführt. Dabei finde ich, dass es genau diese bräuchte: Eine konstruktive Diskussion darüber, welchen Druck eben auch die totalitären Still-Verfechterinnen auf Mamas ausüben, die nicht stillen können oder aus persönlichen Gründen schlicht nicht wollen. Vielleicht, weil sie wissen, dass stillen sie zu einer gestressteren Mutter macht. Vielleicht, weil sie schlechte Still-Erfahrungen machen mussten. Vielleicht — es gibt so viele Gründe wie Frauen. Doch was ihnen allen gemein ist: Auch diese Mamas wollen das Beste für ihr Kind. Ich für meinen Teil möchte all diesen Frauen sagen: You’re great Moms!

Danke liebe Nadja für diesen wundervollen Gastbeitrag!

 

(Mehr von Nadja findet ihr hier auf Instagram)

 

 

Hi ich bin Teresa. Studierte Medienmanagerin und leidenschaftliche Redakteurin. Meine Modeaffinität hat mich aber auch zwischenzeitlich mal die Branche wechseln lassen und so war ich zuletzt als Shopmanagerin bei Inditex tätig. Aktuell lebe ich aber ganz nach dem Motto: „Mein Alltag ist ihre Kindheit“. Ich versuche jeden Tag zu einem kleinen Abenteuer für uns zu machen. Mit einem tollen Mann an meiner Seite, einer wundervollen Tochter, die im Mai 2017 zur großen Schwester upgegradet wird, gestalten wir unseren Alltag so bunt wie möglich. So reisen wir gerne, ob durch Asien oder Europa. Und versuchen einfach immer wieder unseren persönlichen Interessen treu zu bleiben und sie gemeinsam auch zukünftig mit unseren Kindern zu vereinbaren. Kinder machen unser Leben nämlich nur noch lebenswerter: wir müssen es nur zulassen.