Es gibt keine falschen Entscheidungen. Es gibt nur Entscheidungen. Doch am Ende, diesen Schritt auch zu wagen, hat ein wenig gedauert. Denn ich hatte das Gefühl, ich wäre wohl noch nicht bereit dazu. Ich würde es einfach nicht über mich bringen können, dieses wundervolle Band, das uns beide durch das Stillen Verband zu zerstören. Die innige Beziehung zwischen meiner Tochter und mir aufzugeben. Und doch ich wusste: früher oder später würde es dazu kommen. Wann das sein sollte – das wusste ich nicht. Ich wusste aber, dass sich ein Weg finden würde. Einer, der sich für uns beide gut, der sich richtig anfühlen würde. So, wie es sich damals bei meiner ersten Tochter eben auch richtig angefühlt hat. Damals. Als das mit dem Stillen so gar nicht klappen sollte und wir uns schon sehr früh für das Fläschchen entschieden. Und so war es mal wieder da: Von Anfang an. Mein Bauchgefühl. Mein ständiger Begleiter.

Und das – ja das ist auch immer wieder gut so. Denn der Weg des Stillens oder eben auch des Abstillen verläuft bei jedem anders. Es gibt keinen Masterplan.

Und doch – egal aus welchem Grund: am Ende bleibt immer die Frage nach dem „Wie?“

Kein Masterplan

Wann denn nun der richtige Zeitpunkt zum abstillen ist, ja das kann und muss jede Mutter für sich selbst entscheiden. Es hängt einfach von so, so vielen Faktoren ab. Hier – an dieser Stelle – kann ich euch einfach nur dazu ermutigen, selbst auf euer Bauchgefühl zu hören. Euch darin zu bestärken, das ihr – und nur ihr- am besten bestimmen und festlegen könnt, wann ihr euch damit auseinander setzen möchtet. Und eines ist sicher: auch beim Stillen wird es zu Höhen und Tiefen kommen.

Nicht, dass wir uns hier falsch verstehen. Ich habe gern gestillt, sehr gerne sogar. Sollte es bei meiner ersten Tochter so gar nicht klappen, lief es mit Carolina ohne Probleme. Fast ohne Probleme. Denn am Anfang ist es meist leider nicht immer so leicht. Die Kleinen trinken oft und lang und es tut weh. Ja, es tut weh und bei mir hat es richtig lange weh getan. Man muss sich erst eingrooven und das dauert gut und gerne sechs Wochen.

Wie alles begann…

Muttermilch: das beste für unsere Kinder. Keine Frage. Auch ich stillte meine Tochter. Und es war toll. Ich liebte es. Es ist ja auch das beste. Es ist das gesündeste. Und es ist das Schönste. Und soll ich euch noch was sagen? Es ist auch so unglaublich bequem. Natürlich nur dann, wenn es auch irgendwann mal reibungslos klappt.

Genau das klappte eben alles nicht: bei meiner ersten Tochter! Denn da lief so vieles schief. Alles lief schief. Kurz gesagt: meine erste Tochter kam mit Notkaiserschnitt zur Welt, der Milcheinschuss ließ ewig auf sich warten, währenddessen sie ständig an Gewicht verlor. Als die Milch dann da war, erwies sich das Anlegen als äußerst schwierig. Und wisst ihr was mir am meisten zu schaffen machte? All die Still-Beratungen, die Bücher und die gesellschaftlichen Meinung. All das verunsicherte mich damals und stresste mich dazu ungemein.

Das Ende vom Lied: abpumpen, zu füttern und viel – ja sehr viel Geschrei. Und das teilweise nicht nur von einem kleinen hungrigen Baby. So stillte ich nach nicht einmal 6 Wochen ab. Stillen wurde zu einem zu großen Thema.

Und soll ich euch was sagen: Ja – auch ich fühlte mich schlecht. Zunächst. Mein schlechtes Gewissen und das Gefühl nicht alles gegeben zu haben prallten aufeinander. Mein Kind musste also auf den Supercocktail „Muttermilch“ verzichten. Sollte es doch das Übermittel sein gegen Übergewicht, Diabetes, Allergien des Kindes und Brustkrebs. Mal ganz zu Schweigen von dem Seelenheil meines Kindes, das ich nun auf dem Gewissen hatte. Die enge Bindung zueinander, die wir beim Stillen aufbauen sollten, der Grundpfeiler für spätere psychische Stabilität, fand nicht statt.

Die Geburt von Paulina könnt ihr hier nachlesen.

Aber nein! Ich hatte nicht versagt. Das wusste ich. Die ganze Zeit schon, tief in meinem Inneren und wurde mir mit der Zeit immer bewusster. Denn es hat einfach nur nicht geklappt.

Und bei all den Schuldgefühlen und all dem schlechten Gewissen traf ich diese Entscheidung damals zu 100%. Denn ich entschied: es gibt kein richtig oder falsch. Mein seelisches Wohlbefinden war mir wichtig und ich wusste, ganz genau, was für mich und für mein Baby das richtige war. Und für uns war es damals das Richtige abzustillen. Für mich und Paulina.

Wenn stillen so einfach wäre…

Ja es stimmt. Dann wenn es sich so richtig, so super eingespielt hat, zwischen Mama und Baby, ja dann ist Stillen wirklich Gold wert. Und nicht nur in finanzieller Hinsicht. Aber bis dahin kann es auch ein langer, furchtbar langer und schmerzhafter Weg sein. Denn unmittelbar nach der Geburt beginnt für uns Mutter erst die harte Zeit: der Milcheinschuss!

Hier entscheidet sich alles und gerade beim ersten Kind ist eine gute und einfühlsame Hebamme alles was man braucht. Sie steht dir zu Seite, hilft dir durch die schwere Zeit. Denn ja – es kann richtig hart werden. Die Brust schmerzt. Sie schmerzt bei jedem Anlegen des Babys. Bei jedem Zug. So sehr, dass man die Zähne zusammen beißen muss, um nicht die Tapete von den Wänden zu kratzen. Man kühlt und wickelt. Man cremt und hofft. Und dann, plötzlich, nach ein paar Tagen, oder einige mehr, da ist es geschafft.

Carolina kam auf natürlichem Weg zur Welt und von Anfang an konnte ich sie anlegen: direkt aus dem Bauch an die Brust. Und viel Kuscheln. Auch nachts. Es  kam selten vor, das ich sie irgendwo hin ablegte. Im Gegenteil. Ich hielt sie auf dem Arm, trug sie in der Trage und lag nachts neben ihr. Ganz nah, nebeneinander schliefen wir am besten. Wir brauchten beide diese Nähe. Diese Sicherheit. Natürlich spielte die Bequemlichkeit dabei auch eine große Rolle. Nicht nur, dass ich mit einem Baby in der Trage besser einem Kleinkind hinterher rennen konnte, sondern brauchte nachts auch kaum richtig aufwachen, um sie zu füttern und sie zu beruhigen. Ich musste nicht aufstehen und in die Küche flitzen, Wasser kochen und das Fläschchen zubereiten. Nein, ich konnte liegen bleiben, mich lediglich zu meinem Kind drehen und stillen. Und kuscheln. So wunderbar gemütlich.

Ja Muttermilch ist schon was tolles: denn egal wo, egal wann, Muttermilch steht immer zur Verfügung. Sie ist sofort da. Sie ist perfekt temperiert und sie ist alles was mein Kind gerade braucht. Und da macht es nichts, wenn das Kind alle zwei Stunden gestillt werden möchte. Denn es ist ja nicht mit viel Aufwand verbunden.

Projekt Abstillen

Stillen. Ja – ich habe es geliebt und fand es eben auch ich unheimlich praktisch. So setzte ich mich zunächst absolut nicht mit dem Gedanken auseinander und wusste, dass das Thema abzustillen für uns noch in ferner Zukunft lag. Hinzu kam, dass ich die Nähe zu ihr so sehr genoss. Es waren unsere kleinen, ganz eigenen, ruhigen Momente. Momente, in denen wir uns auch mal alleine zurück ziehen konnten. Wenn es der Alltag mit „Zwei unter Zwei“ auch mal zuließ. So nahmen wir uns im späteren Verlauf immer wieder bewusst Zeit dafür. Gerade abends genoss ich es, sie in den Schlaf zu stillen, sie neben mir atmen zu hören. Und meisten – ja da schlief ich dann selber neben ihr, total erschöpft ein.

Doch mit der Einführung der Beikost änderte sich alles. Entgegen der Norm, die einem bekanntlich zu Mittagsbrei rät, beschloss ich bei Carolina mit dem Abendbrei zu starten. Warum? Ganz klar: ich hatte die Hoffnung Carolina wäre ein wenig gesättigter in der Nacht, denn auch mit 7 Monaten kam sie immer noch jede 2 Stunden. Eben auch nachts. Im Alltag, mit Baby und Kleinkind, welche volle Aufmerksamkeit verlangte und eine ausgeruhte Mutter benötigte, schien mir der Gedanke doch recht angebracht, die ein oder andere Nacht ein wenig besser durchschlafen zu dürfen.

Keine Frage: das Interesse war da. Essen musste ich meiner kleinen Carolina nie schmackhaft machen. Sie liebte es wohl von Anfang an. So gab es Abends einen sättigenden Milchbrei und tagsüber gab es dann zwischen den Stilleinheiten, immer wieder Fingerfood. In die Hand. Eine Gurke, eine gedünstete Karotte, ein Stück Brot. Dazu habe ich einfach weiter gestillt, doch schon als Carolina etwa acht Monate alt war, reduzierten sich die Still-Einheiten deutlich. Das Ganze ging so schnell. Carolina hatte sehr viel Lust am Essen und schaffte es auch, sich selbst zu füttern. Mit unglaublicher Leidenschaft, wurde jedes Stückchen selbst in die Hand genommen, in den Mund gestopft und zermahlen. Den Rest des Tages hatte sie tatsächlich schon ziemlich zügig komplett mit normalem Essen gedeckt. Zu trinken gab es lediglich Wasser oder Tee.

Sogar das nächtliche Trinken reduzierte sich auch in der Nacht. Von ganz alleine. Einzig und allein das Stillen vor dem Schlafen gehen das behielten wir noch einige Zeit bei. Bis ich das Gefühl hatte, dass es nun an der Zeit war. Dass es Zeit war loszulassen. In der letzten Nacht da trug ich sie – immer Zimmer auf und ab. Bis sie einschlief. Von ganz alleine. Ohne, das ich sie gestillt habe.

Wir hatten beide Abschied genommen. Von einer wunderschönen Zeit. Die mir – ganz klar – oft auch immer noch sehr fehlt. Und dennoch genoss ich es: ein kleines Stücken Freiheit, das ich wieder zurückgewonnen hatte.

Don’t stress – just relax

Wie ich es bereits in meinem Beitrag „Flaschenkind vs. Stillbaby“ angesprochen habe, gibt es für eine Mutter eben nicht nur „diesen einen Weg“, der richtig oder falsch ist.

Den entscheidet sich eine Mutter bewusst gegen das Stillen, ist es eben auch sehr wichtig ihren Entschluss zu respektieren. Ob zu wenig Milch, eine entzündete Brust oder psychische Probleme – es gibt viele Gründe, warum Mütter Ihrem Baby nicht die Brust geben können, möchten oder wie in meinem Fall, bei meiner ersten Tochter, eben auch vorzeitig abstillen müssen.

Und wisst ihr was? Industriell produzierte Säuglingsnahrung ist gar nicht so eine schlechte Alternative zur Muttermilch. Manche Stoffe wie die schützenden Antikörper sind zwar darin nicht enthalten, aber auch sie liefert dem Baby, was es zum „groß werden“ braucht.

Wir Mütter müssen also kein schlechtes Gewissen haben, wenn es mit dem Stillen nicht klappt, dürfen uns aber freuen und es offen zeigen, wenn es gut funktioniert. Also auch Schluss mit den verstörten und diskriminierenden Blicken und Worten gegen Langzeit Stillmamis. Auch diese haben ihre Entscheidung getroffen.

So wie wir. Wir trafen unsere Entscheidung. Und ich bereue sie nicht.

Eure Teresa

 

Hi ich bin Teresa. Studierte Medienmanagerin und leidenschaftliche Redakteurin. Meine Modeaffinität hat mich aber auch zwischenzeitlich mal die Branche wechseln lassen und so war ich zuletzt als Shopmanagerin bei Inditex tätig. Aktuell lebe ich aber ganz nach dem Motto: „Mein Alltag ist ihre Kindheit“. Ich versuche jeden Tag zu einem kleinen Abenteuer für uns zu machen. Mit einem tollen Mann an meiner Seite, einer wundervollen Tochter, die im Mai 2017 zur großen Schwester upgegradet wird, gestalten wir unseren Alltag so bunt wie möglich. So reisen wir gerne, ob durch Asien oder Europa. Und versuchen einfach immer wieder unseren persönlichen Interessen treu zu bleiben und sie gemeinsam auch zukünftig mit unseren Kindern zu vereinbaren. Kinder machen unser Leben nämlich nur noch lebenswerter: wir müssen es nur zulassen.