Wir hatten sie alle so dringend nötig, die Auszeit vom Alltag. Von Verpflichtungen, Arbeit, Trubel und dem Tempo der Großstadt. All das wollten wir gegen Meer, Natur und Ruhe tauschen. Und ein bisschen Programm durfte natürlich auch nicht fehlen. Denn der absolute Nichtstuer, bin ich selbst im Urlaub nicht. Und mit Kind ist das sowieso unmöglich. So haben wir fünf – Oma, Opa, mein Mann, mein Sohn und ich – uns aufgemacht und durften in der kleinen Nordsee-Insel Langeoog unseren perfekten Gastgeber finden.

Entschleunigung! Ja, die gibt es hier. Das wird einem bereits bei der Anreise klar. Ist der Fährhafen Bensersiel auf dem Festland noch recht umtriebig, beginnt schon nach dem Aufgeben der Koffer und dem Lösen des Tickets, der Urlaub. Achtung, das Ticket entspricht eurer Kurkarte, ihr müsst die Kurtaxe während eures Aufenthaltes an einem Automaten am Rathaus zahlen, sonst nimmt man euch nicht mit zurück. 😉  Die Fähre setzt innerhalb einer Stunde über auf die Insel. Louis hat es genossen, das Schiff zu erkunden und während der Fahrt durch das Bullauge zu schauen. Wenn ihr wieder festen Boden unter den Füßen spürt,  geht es nahtlos weiter mit der bunten Inselbahn, die nicht nur für die Kleinen ein echtes Erlebnis ist. Mit ihren Holzbänken ist sie außerdem so schön nostalgisch.

Und dann kann es schon so richtig los gehen mit dem Inselfeeling. Meeresrauschen, Seeluft, Strandkörbe, leckeres Essen und Entspannung… All das findet man auf dem kleinen Eiland in der Nordsee. Was man vergeblich sucht, sind Autos! Es gibt einige wenige Elektroautos für die Müllabfuhr, Krankenwagen etc., aber ansonsten muss man sich hier nur vor Fahrrädern und Pferden in Acht nehmen. Es ist also der perfekte Ort für kleine Kinder, die einfach mal laufen und erkunden können. Ein Taxi wäre hier allerdings auch unnötig, den man kann alles Wichtige super zu Fuß erreichen. So entsteht schnell ein beschauliches Gefühl der Sicherheit. „Geht schon mal vor zum Apartment, ich komme gleich nach!“ – das hätte ich in New York sicher nicht gesagt. Na ja, falsch abgebogen bin ich trotzdem einmal, aber da kann die Insel ja nichts für. 😉

Fahrräder solltet ihr euch übrigens unbedingt mal ausleihen. Hier empfehle ich euch „Rad & Roll“. Dank Besitzer Andreas findet ihr hier die coolsten Beachcruiser der Insel. Und wenn der ehemalige Düsseldorfer das kulturelle Treiben der Landeshauptstadt gegen die Einsamkeit Langeoogs getauscht hat, dann muss die Insel schon einen gewissen Zauber haben, oder? Aber zurück zu unserer Radtour, die wir, dank Anhänger, auch mit Louis machen konnten. Der kleine Mann fand es übrigens spitze und hat sogar seinen Mittagsschlaf während der Fahrt gemacht. Für den Rest des Urlaubs fragte er nur noch: „Wo ist mein Hänger?“ Unsere Tour ging aber erst mal durch das Naturschutzgebiet in Richtung Meierei, einem kleinen Ausflugslokal.

Vom Fahrradverleih bis zur Meierei haben wir circa eine Stunde gebraucht. Ohne Gegenwind und Anhänger schafft man es vielleicht schneller. In der Meierei isst man klassisch Dickmilch mit Pumpernickel und Sanddornsaft. Sehr lecker und liefert die nötige Kraft für die Rückfahrt. Wir hatten dabei leider kein Glück mit dem Wetter, werden die verregnete Fahrt aber sicher nie vergessen.

Auch an Regentagen könnt ihr auf Langeoog mit euren Kindern jede Menge unternehmen. Zuallererst ist da das Spöölstuv, ein Indoorspielplatz mit Kita-Charme. Das Beste ist: Den Eintritt habt ihr mit eurer Kurtaxe bereits beglichen.

Außerdem kann man schwimmen gehen, im Erlebnisbad mit Meerwasser, Wellen, Rutsche und verschiedenen Saunen. Auch hier ist der Eintritt bereits abgegolten. Aber Achtung: montags ist das Bad geschlossen, deshalb waren wir selbst auch nicht dort. Für Erwachsene werden auf der Insel z.B. auch Yoga- und Goldschmiedekurse angeboten.

Wenn das Wetter mitspielt, findet das Leben natürlich draußen statt. Es gibt verschiedene Spielplätze in den Dünen, aber auch am Strand. Pflichtprogramm sind natürlich lange Spaziergänge am Meer oder Buddeln im „längsten Sandkasten der Insel“. Dabei kann man wunderbar die Gezeiten beobachten und dem Nachwuchs etwas dazu erklären. In dem kleinen Stadtkern kann man auch einfach mal durch die Geschäfte bummeln, Kleidung und Mitbringsel finden, natürlich gibt es auch einen Drogerie- und Supermarkt im Ort.

Über den Dünen prangt der Wasserturm, zu bestimmten Zeiten kann er auch besichtigt werden. Am Treppenaufgang kann man sich für einen Euro und fünf Cent, eben diese 5 Cent Münze mit einem Erinnergunsbild prägen lassen. Fand Louis super! Nur wenige Meter weiter findet donnerstags um 20 Uhr das Dünensingen statt. Mitmachen kann jeder, der Lust und Luft hat.

Da frische Luft ja bekanntlich hungrig macht, haben wir auch einige Restaurants getestet. Super lecker und stylisch fand ich den Abend im Blied. Hier gibt es neben Burgern, exotischem Fleisch wie Känguruh auch leckere Drinks und Craft Bier. Den besten Ausblick und gute Küche genießt man in der Strandhalle. Hier speist ihr 23 Meter über dem Meeresspiegel drinnen oder draußen mit einer super Aussicht. Wir haben hier einen verregneten Nachmittag verbracht und Louis hat in der entspannten Atmosphäre fast zwei Stunden in meinen Armen geschlafen. Geschlafen haben wir übrigens in einer modernen und fast nagelneuen Ferienwohnung, direkt am Bahnhof der Inselbahn. Hier gehts zu Wohnung.

Ja, ich gebe zu, ich war anfangs kritisch. Ob mir die kleine Insel nicht zu eng sein würde. Aber tatsächlich hat mir der Aufenthalt trotz durchwachsenen Wetters richtig gut gefallen und auch sehr gut getan. Langeoog ist ein bunter, freundlicher Ort, an dem man nicht anders kann als sich zu entspannen.

Noch mehr Bilder gibt es hier:

Und nächste Woche startet tatsächlich schon unsere Schottland-Rundreise. Ich bin schon furchtbar aufgeregt.

Alles Liebe! Eure Melli 

Hallo, ich bin Melli, an meiner Seite sind der kleine Louis und mein Mann Björn. Bevor ich Mama wurde, habe ich Modejournalismus studiert und arbeitete anschließend in einer Promi-Redaktion. Gab es zu der Zeit für mich nichts Spannenderes als: „Welches Kleid trägt XY zu den Oscars“ und „Hat Promi ZZ tatsächlich eine Affäre“, interessiere ich mich heute brennend dafür, wann unser kleiner Mann seine ersten Schritte macht und ob Pampers Baby Dry Night wirklich länger trocken halten?! Louis ist eindeutig der Star in unserem Haushalt und wie es sich für eine richtige Diva gehört, hat er sich Zeit gelassen, in unser Leben zu treten. Erst, als ich schon daran zweifelte, dass bei uns alles auf natürlichem Wege laufen würde, passierte „es“ in einer feucht-fröhlichen Nacht. Und so begann die aufregendste Reise meines Lebens… Jetzt ist der kleine Keks schon ein Kleinkind und hat unser Leben bereits ordentlich auf den Kopf gestellt.