Müsste ich mich mit einem einzigen Wort beschreiben würde ich mich für kommunikativ entscheiden. Für mich ist Kommunikation eines der wichtigsten Dinge im Leben. Egal auf welche Art. Mit diesen Worten habe ich mich in meinem letzten Beitrag hier bei Euch vorgestellt…

Für alle diejenigen, die aus unerklärlichen Gründen meinen letzten Beitrag nicht gelesen haben, erzähle ich es hier nochmal: In meinem allerersten Zeugnis (bei dem man keine Noten sondern noch eine schriftliche Beurteilung bekommt) stand folgendes: “Christina muss noch lernen, ihre Gesprächsfreudigkeit etwas mehr zu zügeln”. Und wisst Ihr was? Ich liebe es, dass ich es bis heute noch nicht gelernt habe, meine Gesprächsfreudigkeit zu zügeln. Stattdessen habe ich meine Kommunikationsfreude noch weiter ausgebaut und einige Jahre später Kommunikation studiert.

Für mich bedeutet Kommunikation ganz viel

Kommunikation ist eines der wichtigste Dinge (neben Liebe und Gesundheit) überhaupt. Stellt Euch vor, wir könnten nicht miteinander kommunizieren. Keiner würde wissen, was der andere möchte. Und auch nicht, was er nicht möchte. Undenkbar, dass wir nicht miteinander sprechen oder schreiben könnten. Oder uns auf andere Art und Weise austauschen können. Wenn wir beim Arzt nicht sagen könnten, was uns weh tut. Wenn wir niemanden um Hilfe bitten könnten, ganz gleich in welcher Situation wir sind. Wenn wir unserem Partner oder unserer besten Freundin nicht sagen könnten, was wir gerne machen möchten. Wenn wir niemandem sagen könnten, was wir nicht mögen. Wenn wir unseren Kindern, Eltern und Freunden nicht sagen könnten, wie sehr wir sie lieben.

Achtsame Kommunikation

Kommunikation fasziniert mich seit ich denken kann und begeistert mich einfach immer wieder. Es ist so toll, was ich mit gelungener Kommunikation erreichen kann. Ich glaube ganz fest daran, dass es viel weniger Streit, viel weniger Missverständnisse geben würde wenn wir alle mehr und vor allem achtsamer miteinander kommunizieren würden. Es gäbe weniger Trennungen und Scheidungen wenn wir noch mehr miteinander sprechen würden. Wenn wir mutiger wären, genau das zu sagen, was wir fühlen. Wenn wir vor allem auch mit uns selbst besser kommunizieren würden. Auf unser Herz hören würden. Unsere Wünsche und Bedürfnisse kennen und uns auch trauen, sie zu äußern. Unsere Körpersprache besser deuten würden und auch mehr auf unseren Körper hören würden.

Ich habe vor vielen Jahren meinen jüngeren Sohn Anton einmal die Woche zum Klavierunterricht gebracht und er hat mir jedes Mal gesagt, dass er gar nicht Klavierspielen möchte. Und trotzdem habe ich leider ganz schön lange gebraucht, bis seine Worte auch wirklich bei mir ankamen. Wieso habe ich nicht schon viel früher auf ihn und seine Wünsche gehört?

Wieso trauen wir uns so oft nicht, unserem Gegenüber das zu sagen, was uns auf dem Herzen liegt?

Warum trauen sich so viele Menschen nicht, zu sagen, was sie möchten? Was sie sich wirklich wünschen. Wie sie behandelt werden möchten. Was sie nicht gerne mögen. Bei einigen liegt es daran, dass sie es selbst nicht wissen. Weil sie sich selbst nicht zuhören. Bei anderen liegt es daran, dass sie denken, dass sie damit andere Menschen verletzen könnten. Aber immer wieder sehe ich, wie toll es ist, anderen zu sagen, was ich möchte. Denn plötzlich traut sich der Partner, die Freundin, die Tochter oder Eure Angestellte auch zu sagen, was sie möchten. Ist das nicht großartig? Ich liebe es. Kommunikation kann so einfach sein. So unsagbar einfach.

Könnte ich mir einen Beruf aussuchen wäre es Kommunikatorin. Ich weiss nicht, ob es diesen Beruf gibt. Ich kenne niemanden, der Kommunikator oder Kommunikatorin ist. Aber ich wäre es gerne. Ich sage immer alles. Aber nicht einfach so gerade heraus sondern bedacht (zumindest versuche ich das). Ich überlege mir vorher, wie der andere sich wohl fühlen mag, wenn meine Worte bei ihm ankommen. Gerade dann, wenn es mal etwas Unangenehmeres ist. Ich versuche dann erst etwas Positives zu sagen. Etwas, was mir an dem anderen besonders gut gefällt oder was ich an ihm schätze. Ich versuche mich in den anderen hinein zu versetzen und frage mich, wie ich mich fühle würden.

Mutterleichte Kommunikation

Vor ein paar Monaten erzählte mir eine Teilnehmerin meines Mutterleicht Workshops, dass sie sich wünschen würde, abends mal wieder etwas mit ihrem Mann zu unternehmen aber ihr Mann hätte keine Lust dazu. Ich habe sie gefragt, ob ihr Mann weiß, dass sie sich das wünscht und ob er ihr gesagt hat, dass er keine Lust dazu hat. Sie antwortete mir, dass sie ihn zwar nicht gefragt hat, aber dass sie davon ausgeht, dass er keine Lust dazu hat. Denn hätte er Lust dazu, dann würde er es ja sagen. Ist das nicht verrückt? Selbstverständlich ist dies nur ein einziges Beispiel von sehr vielen aber es lässt sich auf viele andere Situationen übertragen. Auch von Kindern hört man häufig: ” Das brauche ich meine Mutter erst gar nicht fragen. Sie wird es sowieso nicht erlauben. Sie hat so etwas noch nie erlaubt.”

Dazu fällt mir eine kleine Geschichte ein:

Ein Mann will ein Bild aufhängen. Den Nagel hat er, nicht aber den Hammer. Der Nachbar hat einen. Also beschließt unser Mann, hinüberzugehen und ihn auszuborgen. Doch da kommt ihm ein Zweifel: Was, wenn der Nachbar mir den Hammer nicht leihen will? Gestern schon grüßte er mich nur so flüchtig. Vielleicht war er in Eile. Vielleicht hat er die Eile nur vorgeschützt, und er hat was gegen mich. Und was? Ich habe ihm nichts getan; der bildet sich da etwas ein. Wenn jemand von mir ein Werkzeug borgen wollte, ich gäbe es ihm sofort. Und warum er nicht? Wie kann man einem Mitmenschen einen so einfachen Gefallen abschlagen? Leute wie dieser Kerl vergiften einem das Leben. Und dann bildet er sich noch ein, ich sei auf ihn angewiesen. Bloß weil er einen Hammer hat. Jetzt reicht´s mir wirklich. – Und so stürmt er hinüber, läutet, der Nachbar öffnet, doch bevor er “Guten Tag” sagen kann, schreit ihn unser Mann an: “Behalten Sie Ihren Hammer”.

P. Watzlawick

Ich mag diese kleine Geschichte sehr und finde sie so bezeichnend und einfach grossartig.

Eine andere Teilnehmerin meines Mutterleicht Workshops wünschte sich mehr Applaus von ihrem Mann. Sie wollte gerne, dass er ihr auch mal sagt, dass er es toll findet, wie liebevoll sie sich den ganzen Tag um die Kinder kümmert. Ich fragte sie, ob sie denn ihrem Mann applaudieren würde? Etwas verlegen schüttelte sie den Kopf. Ein paar Wochen später habe ich auf Facebook einen grossartigen Beitrag von ihr gesehen, in dem sie ihrem Mann richtig applaudiert hat und ihm gesagt hat, wie grossartig sie ihn findet. Ich war zu Tränen gerührt. Kommunikation kann so einfach sein, oder?

Warum kompliziert leben?

Du vermisst jemanden? Ruf ihn an! Du möchtest jemanden treffen? Lade ihn ein! Du möchtest verstanden werden? Erkläre es! Du hast eine Frage? Stelle sie! Dir gefällt etwas nicht? Sag es einfach! Dir gefällt etwas? Teile es! Du brauchst etwas? Frag danach! Du liebst etwas? Erzähle es!

Unbekannt

 

Warum ich Euch das hier alles schreibe? Weil ich einfach schrecklich gerne kommuniziere!

Ganz bestimmt werde ich irgendwann reine “Kommunikations-Workshops” geben weil mir das so viel Freude bereitet. Und dann wäre mein Beruf ja sogar Kommunikatorin, oder?

In meinen Mutterleicht Workshops geht es deshalb auch unter anderem ganz viel um mein Lieblingsthema Kommunikation. Ich gebe im Januar übrigens wieder einen Workshop in Düsseldorf, im Februar in München,  im März in Hamburg, im April im Rheingau und im Mai in Berlin. Und selbstverständlich würde ich mich schrecklich freuen, wenn Ihr dabei seid.

Ich freue mich über jeden einzelnen Kommentar von Euch. Weil ich Kommunikation liebe.

Eure Tini

 

P.S.: Auch wenn mir das selbst zum Glück noch nicht passiert ist, so habe ich das leider schon häufiger bei anderen beobachtet und ich kann es nicht leiden. Das teilweise schlechte Benehmen auf Social Media Kanälen. Als ob dort keine Regel gelten. Kein Anstand, wie ich mit meinen Mitmenschen umzugehen habe. Leider lese ich dort immer mal wieder richtig böse hässliche Kommentare. Ich empfinde das als richtig mies uns verletzend und jedes Mal frage ich mich, wie Menschen so böse sein können. So beleidigend. Egal, ob man sie kennt oder nicht. Das ist eine Form der Kommunikation, die vollkommen inakzeptabel ist und in meinen Augen irgendwie bestraft werden müsste. Diese Menschen müssten sofort gesperrt werden. Bei Kindern hat man früher gesagt, dass sie sich den Mund mit Seife auswaschen sollen, wenn sie böse Wörter in den Mund genommen haben. Ich bin dafür, dass Menschen, die böse und respektlose Dinge schreiben, vorübergehend ein paar Finger abgehackt bekommen, dass sie nichts mehr Böses schreiben können. Und zusätzlich müssen sie sich dafür aufrichtig entschuldigen.