Von Vietnam über Kambodscha nach Thailand. Von Saigon über Angkor Wat, über Bangkok nach Krabi. Und damit der erste Teil unserer Asien Route. Von Backpack Life bis hin zum Kochkurs in den Slums. In den ersten vier Wochen unserer Reise durch Asien haben wir wirklich schon so einiges erlebt. Mehr, als ich mir im Vorfeld je hätte vorstellen können. Mehr, als uns alle zugetraut haben. Schließlich waren mein Mann und ich nicht alleine unterwegs. Sondern mit einem 10 Monate alten Baby an unserer Seite. Unserer Tochter. Dem besten Travelbuddy aller Zeiten, wie sich herausstellen sollte. 

Dass es nicht einfach werden würde, hat niemand behauptet. Das es hier und da auch so richtig stressig werden könnte – auch davon bin ich fest ausgegangen. Wir haben uns einfach auf alles – und doch nichts eingestellt. Es einfach auf uns zukommen lassen. Uns treiben lassen – ohne strikten Plan. Jeden Tag einfach so zu nehmen wie er kommt. Uns nicht festzulegen, egal was wir machen oder wie lange wir es machen. Von Tag zu Tag neu zu entscheiden, wohin uns die Reise, unser Abenteuer wohl hinführen mag. Und ja – wir waren bereit. Aber sowas von.

Backback Life in Saigon

Es war mitten in der Nacht als wir Vietnam erreichten. Fast 20 Stunden Anreise lagen hinter uns. Wir waren müde und hungrig. Und wir waren geschlaucht. Der Flug von Dubai bis nach Ho Chi Minh hatte es echt in sich. In den acht Stunden Flugzeit schlief Paulina vielleicht zwei Stunden. Dazwischen spielten wir den Entertainer. Sie krabbelte, quengelte und wanderte von einem Schoß auf den nächsten. Aber auch dieser Flug neigte sich irgendwann dem Ende entgegen. Und irgendwann, mitten in der Nacht landeten wir. Das grelle Licht am Gepäckband brannte mir in den Augen und ich konnte es kaum erwarten endlich den Flughafen zu verlassen. Draußen warteten unzählige Reisende. Und Taxifahrer. Nach vier Anläufen fanden wir auch endlich einen Fahrer, der uns für einen vernünftigen Preis zu unserem Hotel bringen sollten. Was wir bis dahin nicht wusste: dass sich unser Hotel in einer sehr belebten Straße eines äußerst beliebten Backpackerviertels befand. Mitten auf der Bui Vien Street, so heißt sie. In den engen Straße tummelten sich unfassbar viele Menschen. Sie saßen an kleinen Tischen, eng nebeneinander, aßen und quatschten. Niemandem schien der ganze Trubel etwas auszumachen. Selbst Paulina nicht. Mit großen Augen beobachtete sie das laute Treiben. Mir hingegen war das alles zu viel. Zu viel Lärm, zu viele Roller. Ich wollte nur noch aufs Zimmer und ins Bett. Spätestens als eine katzengroße Ratte unseren Weg kreuzte, entschied ich, dass es mir eindeutig zu viele Eindrücke auf einmal waren. Und so gingen wir zurück. In unser eher schäbiges Zimmer. Mit einer viel zu lauten Klimaanlage, knurrendem Magen und dem Gedanken direkt wieder abzureisen, schliefen wir irgendwann ein.

Ausgeschlafen und bereit Vietnam und damit unser erstes Ziel auf dieser Asienroute zu erkunden, starteten wir positiv in den Tag. Bei Tageslicht sah es auf der Bui Vien auch schon viel freundlicher aus. Allerdings nicht weniger dreckig, denn das Tageslicht offenbarte uns all das was nachts nur schemenhaft zu erkennen war. Wir frühstückten, warten den plötzlichen und heftigen Regenschauer ab und zogen los. Ohne festes Ziel. Wir marschierten einfach drauf los. Von der Buie Vien, Richtung Notre Dame, an unzähligen Parks vorbei, ein Zwischenstopp im Zum vegetarian, einem der besten lokalen Restaurants, zum Ben Than Market, um abends im Brixton Tower die atemberaubende Sicht über Saigon zu genießen. Natürlich bei einem leckeren Cocktail.

Liebe oder hasse diese Stadt. Ich tat beides. Sie ist laut, dreckig und stickig. Sie ist aber auch freundlich, faszinierend und voller kleiner Überraschungen. An jeder Ecke gibt es etwas Neues zu entdecken. Verwinkelte kleine Gassen führen zu bunten kleinen Bars, leckeren Restaurants, wunderschönen Shops oder traumhaften Hinterhöfen. Saigon ist nämlich mehr als das. Hinter seiner grauen Fassade aus Beton, Baustellen, hupenden Autos und Rollerfahrern versteckt sich ein lebhafter und moderner Kern, den es zu erkunden lohnt.

Angkor und seine Tempel

Unser Fahrer hieß Narin. Er holte uns um 4:00 morgens vom Hotel an und begleitet uns den ganzen Tag. Er war ein Glücksgriff, den ich über Tripadvisor entdeckte. Noch aus Vietnam schickte ich ihm eine E-Mail und fragte ihn an, ob er uns nicht durch Angkor und seine wunderschönen Tempel führen könnte. „Yes, no Problem“, war seine schnelle Antwort.

Ein Tag zuvor reisten wir an. Es war nur ein Zwischenstopp auf den Weg nach Thailand. Und doch spürten wir sofort die unheimliche Magie, die von diesem Königreich ausging. Hätte ich vorher gewusst, wie sehr mich dieses Land umhauen würde, hätte ich definitiv mehr Zeit dafür eingeplant. Aber so blieben uns immerhin drei Tage. Und die versuchten wir so gut es ging auszunutzen. So wollten wir mehr, als nur die Tempel anzuschauen. Wir wollten mehr über das Land, seine Kultur und seine Menschen erfahren.

Es war noch dunkel, als wir unser Lunchpaket an der Rezeption unseres Hotel abholten. Vorm Eingang wartete auch schon Narin mit seinem TukTuk. Pünktlich, wach und aufmerksam. Mit guter Laune begrüßter er uns. Ich mochte ihn sofort. Wir sollten uns beeilen sagte er, wenn wir es noch vor Sonnenaufgang schaffen wollen. Klar – auf keinen Fall wollte ich es mir entgehen lassen, wie die Sonne über den fünf Tempeln von Angkor Wat aufging. Und dann brauchten wir auch noch Tickets. Denn diese werden vor jedem Tempel kontrolliert. Ein Tagesticket pro Person kostet 20 USD. Wahnsinnig teuer – im Verhältnis zu den sonstigen Preisen im asiatischen Raum. Leider tröstet auch der Gedanke, dass die Gelder zur Restauration dienen nicht wirklich, da nur ein kleiner Teil dafür verwendet wird. Hinter Angkor Wat steckt eine private Firma, die einfach immer reicher und reicher wird. Das ist wirklich schade.

Wir fuhren Richtung Angkor Wat. Unserer ersten Station. Bei dieser Fahrt redeten wir kein Wort miteinander. Ich schaute mir nur die Bilder an der Decke unseres Bullys an. Ich konnte ich es nicht fassen. Ich war in Kambodscha. Nachdem die Sonne aufging und wir unseren Lunch, der aus einem Ei, Mandarinen und einer Banane bestand an einem Tisch versammelten fragte mich Narin nach meinem Facebook Account und addete mich direkt als Freund. Noch heute ist er einer der ersten der eines meiner Bilder liked, sobald ich es dort hochgeladen habe. Er war freundlich, hilfsbereit und äußerst clever. Er erzählte uns viel über die Tempel. Er redete von seinen Kindern, von seiner Frau und seinem Leben. Er liebte Paulina und gab ihr Wasser. Nahm sie auf den Arm und zeigt ihr die Affen. Aber nur vom weitem, betonte Narin. Denn sie können ganz schön gemein sein, sagt er. Eine Australierin, die uns auf der Reise nach Bangkok begegnete, hat es erwischt. Ein Affe biss ihr in die Hand, als sie versuchte mit ihm ein Selfie zu machen. Sie musste daraufhin ins Krankenhaus und gegen Tollwut geimpft werden. Stolz zeigte sie mir das Foto von ihr und dem Affen. Sie lächelte selig.

Eine Schule in Kambodscha

Natürlich waren sie schön. Die Tempel. Sehr sogar. Es hat richtig Spaß gemacht dort durch die Anlagen zu spazieren, hoch und durch zu klettern. Auch Paulina ließen wird dort rum krabbeln. Ein echtes Abenteuer. Eine Erinnerung, die wir für immer in unsere Herzen eingeschlossen haben. Aber wir brachen die Tour ab. Gegen 13:00h wollten wir zurück ins Hotel. Wir wollten den Tag nutzen und uns Siem Reap anschauen. Mehr erfahren über das wunderschöne Kambodscha und seine Menschen. Narins Bruder sollte uns fahren. Zu einer Schule. Einer deutschen Hilfsorganisation. Sie lag eine Stunde außerhalb des Stadtkerns. Wir fuhren los und staunten nicht schlecht. Über die traumhafte Vegetation, über die Armut. Über den Müll.

Die Schule liegt außerhalb der Tempelanlagen. Auf dem Land. Grundsätzlich sollte man wissen, dass die Schulen in Kambodscha kostenlos sind – es existiert eine Schulpflicht. Allerdings ist es oftmals für die Kinder, die auf Dörfern ohne öffentliche Schulen leben, kaum möglich zum Unterricht zu gelangen. Ein öffentliches Transportsystem gibt es nicht. Längere Strecken müssten über staubige oder zu Regenzeiten überflutete Wege zurückgelegt werden. Hinzu kommt, dass viele Kindern in ihren Familien zum Lebensunterhalt beitragen oder sie passen auf ihre jüngeren Geschwister auf. Hier setzen die freiwilligen Hilfsorganisationen an. Sie unterstützen die Kambodschaner an ihre Schulbildung, bringen ihnen Englisch bei und bereiten sie auf eine bessere Zukunft vor. Darüber hinaus soll ihnen vermittelt werden, wie kostbar ihr Land ist und wie vernünftige Landwirtschaft funktioniert.

Da saß ich nun. Paulina in der Trage – in einer der Klassen, an einem Tisch. Der Raum war liebevoll hergerichtet. Ein ABC Plakat hing an der Wand. Hier wurde vor kurzem noch unterrichtet. Was ein Privileg – dachte ich. Meine Mutter sagte immer: Geld kann man dir nehmen – aber was du im Kopf hast nicht. Wie glücklich wir uns doch schätzen dürfen, dass wir selbst darüber entscheiden können, wie wir uns unsere Zukunft vorstellen.

Ein Kochkurs in Bangkok

In Bangkok staunen wir nicht schlecht über den Verkehr. Hier lohnt es sich wirklich nicht in ein Taxi zu steigen. Ich frage mich, kommen die Thailänder je in Bangkok irgendwo an? Es war heiß. Und es war schwierig mit Baby in dieser großen, dreckigen und stickigen Stadt. Nirgends sonst schien mir die Schere zwischen Armut und Reichtum so präsent, so offensichtlich wie in dieser, in der thailändischen Hauptstadt zu sein. Gegenüber der Straße eines Luxuskaufhauses stand ein alter Mann, mitten auf der Straße. Er verkaufte Bananenchips an Besitzer vorbei rollendender Fahrzeuge. Oder deren Insassen. Meist natürlich irgendwelche Touristen. Sie schoben sich durch den Verkehr. In Richtung Tempel. Aber wisst ihr – da war mir in Bangkok so gar nicht nach. Tempel zu besichtigen. Ich wollte ein wenig abtauchen. In die Kultur. In die Gesellschaft des Landes.

Und dort mitten in den Slums, machte ich einen Kochkurs. So lernte ich nicht nur traditionelle, thailändische Gerichte kochen, sondern fand heraus, woher die Thailänder ihre Lebensfreude zu nehmen schienen.

Es war heiß. Sehr heiß. Und es war laut. Voll und stickig. Mitten in Bangkok, am Straßenrand. Da stand ich nun. Völlig orientierungslos. Wo befand sich bloß der Treffpunkt und wie komme ich bloß dorthin? Wer schon einmal in der wahnsinnigen trubeligen Hauptstadt Thailands war, der weiß wovon ich rede. Der Verkehr ist eine Katastrophe, die Straßen sind voll und wenn man der Stadt einen Geruch zuordnen soll, dann wäre es „Abgasgestank“. Mit dem Taxi würde ich es also niemals rechtzeitig zum geplanten Treffpunkt schaffen. Der Fahrer schien vertrauenswürdig und für 5 Euro eine 15 minütige Fahrt recht günstig. Ich stieg also aufs Motorrad. Mit Vollgas schlengelten wir uns an den TukTuks und hupenden Autos vorbei, Richtung Ziel – meinen Fahrer fest im Klammergriff. Wieviele Verkehrsunfälle es wohl hier täglich gibt? Ob ich heute auch Opfer eines werde. Nur zwei Gedanken, die mir während der Fahrt durch den Kopf schossen. Aber dann, dann als wir an einer roten Ampel anhielten, ich rechts neben mir die Tempel sah, links eine Streetfood-Küche von der der Geruch vom frischen Pad Thai ausging, und vor uns ein Mann hielt, der mir für ein paar Cent gebackene Bananen verkaufte – ja genau in diesem Augenblick konnte ich diese Gedanken abstreifen –  und in mir wuchs Vorfreude. Gleich würde ich über einen typischen thailändischen, einheimischen Markt schlendern, auf den sich sonst kaum ein Tourist verirren würde und mit Poo kochen. Richtig gehört – Poo. In den Slams dieser Stadt geboren, aufgewachsen und nicht nur für uns Ausländer der Inbegriff von thailändischer Küche, so dass einfach kein Weg, um sie herum führte. Pünktlich um 8:30h am Treffpunkt wurden wir mit einem Bus abgeholt, der uns dann zum größten Markt Bangkoks fahren sollte. Dieser ist so beeindruckend und dort gibt es einfach alles. Und wenn ich sage alles, dann meine ich auch alles. Dann fuhren wir mitten rein. In einen der größten Slums Bangkoks. Dort, wo sich die kleine, gut organisierte Kochschule befand. In ihrer Schule in dem kleinen Häuschen mitten in Klong Toey lehrte man uns also drei weltweit berühmte Essens-Klassiker, wie der scharfe Papaya-Salat. In der Kochschule mit der bunt zusammengewürfelten Einrichtung war es heiß. Die Decke der Hütte war niedrig, eine Klimaanlage gab es nicht. Lediglich ein paar Ventilatoren drehten sich an der Decke, ohne wirklich für Abkühlung zu sorgen. Es war eine wundervolle Erfahrung für die ich überaus dankbar bin und die ich niemals mehr missen möchte. So befremdlich es auch war, so wunderschön und ehrlich war es auch. Und ich bekam das Gefühl ein Stück dieser großen Stadt kennenlernen zu dürfen.

Die Strände von Krabi

Es war an der Zeit. Ich wollte Strand. Endlich ans Meer. Ein bisschen ausruhen und relaxen. Fernab vom Smog und dem ganzen Gewusel. Und ja – damit hat uns Bangkok sicherlich erschlagen. Damit hätte ich nicht gerechnet. Aber ich hätte auch nicht mit der Herzlichkeit dieser Menschen gerechnet. Mir ihrer Dankbarkeit und ihrer Lebensfreude. Und sie lieben Kinder. Sie behandeln sie mit so viel Respekt und sind so unfassbar verständnisvoll. Und genau das – habe ich mir mitgenommen. Nein – nicht als Souvenir. Aber doch als Andenken. Denn immer dann – wenn ich meine, dass mich mein Alltag einholt und stresst – dann schließe ich die Augen und reise nochmal zurück. An diesen wunderschönen Ort – mit all seinen entspannten Einwohnern, von denen ich so, so viel gelernt habe.

In Krabi angekommen, nächtigten wir in einem Resort mitten im Dschungel. Nachts lief ein Affe durchs Zimmer und ich wachte am nächsten Morgen mit den schlimmsten Mückenstichen meines Lebens auf. Und so litt ich – bei jedem Windzug der mein Bein streifte und verfluchte die feuchte Luft und den andauernden Regen.

Regen. Es hört nicht auf. Es regnete von morgens bis abends. Der Ausflug mit dem Boot zum Railay Beach erwies sich als totale Katastrophe. Ich wollte weg – hier gefiel es mir nicht sonderlich. Wir hörten von Koh Lanta. Einer ursprünglichen und sehr charmanten Insel in unserer Nähe. Man sagte, dort wäre es traumhaft. Man sollte sich die Sonnenuntergänge auf Koh Lanta nicht entgehen lassen. Und unbedingt einen Cocktail trinken. Dort, wo sich eine Hippie Bar neben der anderen reihen würde.

Und noch am selben Tag zogen wir los. Nach Koh Lanta. In unser Paradies. Und wir blieben. Zwei ganze Wochen.

Fortsetzung folgt…

 

Hi ich bin Teresa. Studierte Medienmanagerin und leidenschaftliche Redakteurin. Meine Modeaffinität hat mich aber auch zwischenzeitlich mal die Branche wechseln lassen und so war ich zuletzt als Shopmanagerin bei Inditex tätig. Aktuell lebe ich aber ganz nach dem Motto: „Mein Alltag ist ihre Kindheit“. Ich versuche jeden Tag zu einem kleinen Abenteuer für uns zu machen. Mit einem tollen Mann an meiner Seite, einer wundervollen Tochter, die im Mai 2017 zur großen Schwester upgegradet wird, gestalten wir unseren Alltag so bunt wie möglich. So reisen wir gerne, ob durch Asien oder Europa. Und versuchen einfach immer wieder unseren persönlichen Interessen treu zu bleiben und sie gemeinsam auch zukünftig mit unseren Kindern zu vereinbaren. Kinder machen unser Leben nämlich nur noch lebenswerter: wir müssen es nur zulassen.