Während ich beim Bäcker auf meinen Kaffee warte, rennt Louis mit seinem Brötchen aus dem Laden ins Einkaufscenter. Mein Mann ist ihm natürlich auf den Fersen, trotzdem fällt dem Kleinen das Backwerk aus der Hand. Direkt neben einem Paar mit einem Baby im Kinderwagen. Sie sagt: „Oh je, das wars dann wohl mit dem Brötchen!“ Björn gibt Louis das Brötchen und sagt augenzwinkernd: „Ach was! Da werdet ihr auch noch hinkommen!“ Zurück beim Bäcker erzählt er mir von der Situation und sagt: „Ist schon Wahnsinn, was wir in den zwei Jahren für eine Entwicklung durchgemacht haben. Darüber solltest du eigentlich mal was schreiben!“

Zwei Jahre sind wir also schon Eltern! Zwei Jahre, die sich, das habe ich beim Schreiben des Textes gemerkt, schwer in Worte fassen lassen. Nachdem ich einige Zeit mit diesem Text „schwanger“ war, ja, so fühlt sich das echt immer für mich an, hatte ich zu die Idee, Punkte zu formulieren, die wir in der Zeit gelernt haben. Die vielleicht auch interessant für werdende Eltern sind. Und weil zwei Jahre mit so einem kleinen Wesen eine lange und intensive Zeit sind, sind es dann auch direkt 20 Dinge geworden, die wir in der Zeit für uns gelernt haben. Als ganz normale Durchschnittseltern, ohne besonderen Erziehungsansatz. Natürlich will ich hier niemandem seine eigenen Erfahrungen nehmen, aber ich weiß auch selbst, wie sehr man alle Informationen zu dem Thema in der Schwangerschaft aufsaugen möchte und auch später als Eltern, interessiert an den Erfahrungen von anderen ist. Also, los geht’s!

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1. Plötzlich steht man auf Füße
Klar, Babyfüße sind super niedlich, das war mir auch schon vorher klar. Ich habe irgendwo mal die Formulierung gelesen, dass die kleinen Babyzehen wie Perlen aussehen, wenn man den Fuß von unten betrachtet. Und ja, das stimmt. Aber auch noch jetzt mit seinen zwei Jahren, küsse ich seine Füße jeden Tag. Und ich hoffe, dass es noch ein wenig dauert bis er mir sagt, dass er das nicht mehr möchte. 😉

2. Stillen …
entspricht nicht immer dem Bild der entspannt lächelnden, wunderhübschen Mami die sich verliebt ihrem Baby zuwendet. Nein, ich habe mich oft wie „festgetackert“ gefühlt und mich selbst vernachlässigt. Wenn man alle 1,5 Stunden für 30-45 Minuten stillt, ist das kein Wunder, oder? Also, macht euch keinem Stress, wenn auch ihr in den ersten 3 Lebensmonaten zur Couchpotato im Jogger mutiert. Die Prioritäten liegen da eindeutig woanders.

3. „Abstellen“
Ein Baby kann sich nicht mal kurz irgendwo hinsetzen oder Ähnliches. Wir haben also gelernt mit dem Kleinen auf dem Arm zu jonglieren und mit dem anderen Arm das Auto aufzuschließen etc. Eine Trage zur Hand zu haben, kann also sehr praktisch sein.

4. Packesel
Mit einem Baby sieht man stets so aus, als würde man eine lange Reise antreten wollen: Windeln, Feuchttücher, Ersatzschnuller, Ersatzkleidung, mehrere Fläschchen, Pulver, Thermoskanne (mit Wasser), etwas zu trinken, Gläschen, Snacks, Lätzchen, Rassel, Spucktuch, Decke uvm. Wir sind jedenfalls sehr erleichtert, dass Louis nun alles essen kann und aus einem gewöhnlichen Glas trinkt. Meist haben wir jetzt nur noch eine Windel und Feuchttücher dabei. Und wenn wir ganz verrückt drauf sind, nicht mal die.

5. Routinen = Unflexibilität
Man wird von Anfang an vom Umfeld gefragt, ob es schon eine Routine mit dem Kind gibt, das bedeutet zum Beispiel feste Schlafenszeiten. Mittlerweile weiß ich, diese Routinen machen einen ziemlich unflexibel. Man muss nur mal versuchen sich mit anderen Eltern zu treffen, deren Kinder andere Mittagsschlafzeiten haben als das eigene. Frisch gebackene Eltern sollten also die Zeit, in der das Baby noch problemlos immer und überall schläft genießen und nicht auf eine Routine warten.

6. Es wird nicht leichter!
Wir sagen jetzt ganz oft: „Damals als Baby wäre das noch unproblematisch gegangen“. Trotzdem habe ich nicht das Gefühl, dass wir das auch immer ausgenutzt haben. Je mobiler die Kinder werden, desto weniger Lust haben sie auf die Sachen, die wir Eltern gern machen: Essen gehen, Bummeln oder ins Museum. Deshalb sollte man immer versuchen alles umzusetzen, worauf man im Moment Lust hat und nicht darauf warten, das es leichter wird. Denn das wird es vorerst nicht mehr. 😉

7. Mit allen Sinnen essen
Beikosteinführung: Ja, jeder hat da wohl gleich ein Bild von einem Baby im Hochstuhl im Kopf, das Spinat durch die Küche spuckt. Was soll ich euch sagen außer: Isso! Und wird auch erst mal nicht wirklich „besser“, da die Kleinen das Essen mit allen Sinnen genießen. Und auch hier wird noch gelegentlich mit Essen geworfen, schocken kann uns das aber nicht mehr. Aber ihr könnt drauf vorbereitet sein: Lätzchen mit Ärmeln kaufen und den Bereich um den Hochstuhl weitestgehend abdecken. Und immer dran denken: Sie machen das nicht um uns zu ärgern.

8. Sagt nie, euer Kind schläft gut und problemlos
Habe ich erst letztens wieder falsch gemacht. Denn wenn man es laut ausspricht, wird man garantiert eine richtig blöde Nacht haben. Warum das so ist? Wüsste ich auch gern.

9. Euer Kind wird aussehen wie aus dem Ei gepellt…
während ihr euch dafür entscheiden werdet, dass die Winterjacke auch noch eine dritte Saison mitmacht. Denn es macht einfach viel mehr Spaß niedliche Babysachen zu kaufen, als etwas für einen selbst. Übrigens: Kapuzenpullover für Babys die noch nicht krabbeln können, sind total unpraktisch. Die Kleinen haben dann nur die Kapuzen zusammengeknautscht im Nacken.

10. Jede Phase genießen
Ich überlege gerade, ob das vielleicht nicht sogar der wichtigste Punkt ist. Denn tatsächlich, dürft ihr das Meiste nur eine begrenzte Zeit erleben: Stillen/Flasche geben, Gläschen kaufen, einen 10 Kilo Maxi Casi am Arm hängen haben, das das Kind kann nur in eurer Nähe schlafen kann, das eine Krabbeldecke im Wohnzimmer liegt usw. Irgendwann beginnt das das Sitzen, Krabbeln, Stehen, Laufen und die ersten Worte werden gesprochen. Und dabei hat jede Phase ihren guten und schlechten Seiten. Ich gebe zu, ich habe häufig den Fehler gemacht, auf die nächsten Fähigkeiten zu warten, statt die aktuelle Situation zu genießen. Mehr genießen – das ist der ultimative Tipp.

11. Jedes Kind ist anders!
Hmm, vielleicht ist auch das der wichtigste Punkt. Denn wann eurer Kind gewisse Fertigkeiten erlernt, wieviel Nähe es braucht oder ab wann es etwas nicht mehr möchte, kann euch niemand sagen. Und ihr könnt euer Kind nicht mit anderen vergleichen. Klar, des Austausch mit andern Eltern ist gut und wichtig, solange es euch nicht unter Druck setzt. Nur so viel kann gesagt werden: Jungs brauchen meistens länger! Wir konnten uns aber zum Beispiel das Abstillen, Flasche entwöhnen, nicht mehr in unserm Bett schlafen sparen, weil Louis den Zeitpunkt einfach selbst bestimmt hat und dann waren wir sogar zum Teil etwas überrumpelt.

Vater und Sohn

12. Spielplätze sind wunderbare Orte,
die wir gern gemeinsam entdecken. Schon verrückt, wie lange wir in unserer Straße wohnen, mit dem Spielplatz direkt vor der Tür. Und trotzdem nehme ich ihn erst jetzt mit Louis so richtig wahr. Mittlerweile waren wir schon auf richtig vielen Spielplätzen. Meist bleibe ich einfach nur in seiner Nähe und beobachte ihn beim Spielen und Austausch mit anderen Kindern. Und ich bin immer wieder froh, wenn ich mal eine Runde mitschaukeln oder rutschen darf.

11. Kleinkinder haben eine kurze Zündschnur…
und wir Eltern wissen manchmal gar nicht wie uns geschieht. So wollte Louis plötzlich nicht mehr, dass wir seine Kartoffel klein schneiden, er wollte sie ganz in die Hand nehmen und abbeißen. Er möchte auch nicht, dass wir ihm ein Stück Apfel geben, nein, er muss sich sein Stück selbst aussuchen. Hier ist auf jeden Fall Feingefühl gefragt. Man muss sich ins Gedächtnis rufen, wie die Situation beim letzten Mal abgelaufen ist. So kommt man dann nach und nach dahinter, wie das Kind behandelt werden möchte. Und wenn man es rausgefunden hat, ja, dann ändert sich wieder alles. 😉

12. Machen immer groß wenn man los will!
Das ist einfach ein feststehendes Gesetz! Ach so, hier kann ich noch erwähnen, dass ich den Ekel vor fremden Körperflüssigkeiten bis jetzt nicht verloren haben. Ganz so locker flockig, nehme ich das alles nicht, aber natürlich bekommt man es hin.

13. Alles eine Frage der Organisation
Grundsätzlich kann man mit Babys an den meisten Treffen, Verabredungen, Sportgruppen usw. teilnehmen, es dauert einfach nur ein bisschen länger, bis man los kommt. Neben dem großen Geschäft wollen die Kleinsten vor einem Ausflug auch noch gern gestillt werden. Dann muss man nur noch das Reisegepäck aus Punkt 4 umschnallen und es kann los gehen, Und der zweijährige Louis? Der macht sich einen Spaß daraus, sich zu verstecken etc., wenn wir auf dem Sprung sind. Außerdem können wir auch zu Geburtstagen und anderen Feiern am Abend kommen, wenn wir es frühzeitig wissen und die Großeltern aufpassen können. Sonst kann zumindest einer von uns gehen.

14. Sprechen <3
Ich hätte nie gedacht, dass es so wundervoll ist, wenn das eigene Kind anfängt zu sprechen. Jede Formulierung, jedes Wort in Babysprache wird so von uns gefeiert und aufgesaugt. Ganz ehrlich würde ich mir sogar wünschen, er würde die perfekte Aussprache nicht ganz so schnell entwickeln und noch ein bisschen länger Lokoli und Luplo sagen.

15. Schlafen
Ich weiß nicht, wann euer Kind durchschlafen wird. Ich weiß nur eins: Irgendwann wird es das… und dann werdet ihr es vielleicht vermissen, in der Nacht gerufen zu werden und sich noch mal ganz fest an diesen kleinen Menschen zu kuscheln.

16. All die ersten Male …
Das erste Mal die Wohnung zu dritt betreten, das erste Bad, das erste Weihnachten, der erste Geburtstag. All das ist so bezaubernd und wir haben das große Glück, das alles mit ihnen erleben zu dürfen und so auch daran erinnert zu werden, wie wir viele Dinge in unser Kindheit wahrgenommen haben.

Familie Tetraeder

17. Wir sind Ninjas!
Erst als Eltern realisiert man, wie geräuschlos man ein Zimmer verlassen kann oder sich auf leisen Sohlen während des Mittagsschlafes in der Wohnung bewegen kann. So ein Babyphone mit Kamera ist übrigens absolut praktisch, da man bei Geräuschen immer noch mal vorher gucken kann, ob man wirklich ins Zimmer muss oder ob man den kleinen Schatz damit nur aufweckt.

18. Wir sind Helden!
Aktuell sind Mama und Papa die Größten, Besten und Tollsten. Wir sind lustig, hübsch, cool und er verbringt seine Zeit so gern mit uns. Ich wünsche mir, dass dies noch ganz lange so bleibt. Bevor Louis merkt, dass wir voll uncool sind.

19. Wir sind schwach!
Jaha, die viel besprochene und äußerst wichtige Konsequenz haben wir nicht so drauf und ich denke, die meisten Eltern nicht. Dem Kind YouTube anmachen, damit man sich auf ein Gespräch mit einem Erwachsenen konzentrieren kann? Schuldig! Ein Stück Schokolade geben, obwohl schlecht gegessen wurde? Na klar, Schokolade schmeckt ja auch ganz anders als Blumenkohl. Bei einem Wutanfall nachgeben? Meine Nerven! Ich denke, das ist so okay. Wichtig ist, dass man bei wirklich schlimmen oder gefährlichen Handlungen konsequent bleibt. Ansonsten leben wir hier eine liebevolle Inkonsequenz, die je nach Situation neu austariert wird.

20. Er ist der Star
Macht euch keine Illusionen, es wird ab Geburt kein Familientreffen mehr geben, bei denen der kleine Nachkomme nicht im Mittelpunkt steht. Und eure Eltern wollen auch nicht plötzlich euch so oft wie möglich sehen, sondern das kleine süße Baby. Und auch in unserem Alltag als Paar dreht sich an erster Stelle alles um Louis. Wenn er dann aber im Bett ist, schaffen wir es meistens ganz gut unsere Gespräche und Gedanken auch auf andere Dinge zu lenken.

So, liebe Eltern – und jetzt verratet mir doch, welche Punkte aus eurer Sicht und Erfahrung noch fehlen?

Alles Liebe – eure Melli 

Hallo, ich bin Melli, an meiner Seite sind der kleine Louis und mein Mann Björn. Bevor ich Mama wurde, habe ich Modejournalismus studiert und arbeitete anschließend in einer Promi-Redaktion. Gab es zu der Zeit für mich nichts Spannenderes als: „Welches Kleid trägt XY zu den Oscars“ und „Hat Promi ZZ tatsächlich eine Affäre“, interessiere ich mich heute brennend dafür, wann unser kleiner Mann seine ersten Schritte macht und ob Pampers Baby Dry Night wirklich länger trocken halten?! Louis ist eindeutig der Star in unserem Haushalt und wie es sich für eine richtige Diva gehört, hat er sich Zeit gelassen, in unser Leben zu treten. Erst, als ich schon daran zweifelte, dass bei uns alles auf natürlichem Wege laufen würde, passierte „es“ in einer feucht-fröhlichen Nacht. Und so begann die aufregendste Reise meines Lebens… Jetzt ist der kleine Keks schon ein Kleinkind und hat unser Leben bereits ordentlich auf den Kopf gestellt.