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Wochenbett // Hallo Erschöpfung: Pragmatismus vor Perfektionismus

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„Teeee, Mama, Teeeeee“, diese drei Worte spulte meine Tochter eines Morgens in Dauerschleife runter – mindestens 20 Minuten lang. Ok, vielleicht war es auch ein bisschen kürzer. Mir aber kam es jedenfalls so vor, als würde sie es bereits den ganzen Vormittag schon rufen. Und ich damit am Limit. Ich war genervt, ich war traurig, ich war müde erschöpft. Und ich war voller Schuldgefühle.

Es war einer dieser Tage, Halbzeit im Wochenbett, dann wenn die erste Euphorie vorüber ist, die Besuche vorbei sind, das „Wunder der Geburt“ verarbeitet und fast jedem mitgeteilt und die letzten Glückwünsche zum neuen kleinen Erdling ausgesprochen wurden. Und man selbst mitten im Alltagstrott angekommen. Genau zu diesem Zeitpunkt kommt Tag „X“. Und dann stehst du nur da, schaust dich um, und denkst dir nur noch: „Ohne mich. Ich bin dann mal weg“. Dann willst du einfach nur noch alles am Liebsten stehen und liegen lassen und dich vielleicht alleine in ein Zimmer verkriechen oder einen langen Spaziergang machen. Vielleicht auch ein bisschen weinen, dich bemitleiden oder verzweifeln, weil du nicht weiß, ob du das alles überhaupt schaffen kannst.

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Es war einer dieser Tage, als ich da nun stand. Mit meiner gerade frisch geschlüpften, bereits seit einem Monat bei uns lebenden, kleinen Tochter auf dem Arm, die an diesem Tag auch nichts andere zuließ, als von mir rumgetragen zu werden. Und da war noch jemand anders. Meine Große. Meine andere Tochter, die mit ihren 20 Monate vollste Aufmerksamkeit von mir erwartete. Was heiß erwarten? Sie verlangte es regelrecht. Ohne jegliches Verständnis für meine Situation. Wie auch? Ich denke, einem Kleinkind zu vermitteln, dass es gerade nun einfach nicht gehen möchte, da Mami der kleinen Schwester gerecht werden muss, da sie sonst ständig weint, ist ähnlich hoffnungslos wie die Suche nach der berühmten Stecknadel im Haufen. Jedenfalls: da stand ich nun. Die eine, jammernd auf dem Arm, die andere, jammern vor mir, weil sie mit mir spielen wollte. Auf ihrer kleinen Parkbank sollte ich mit ihr sitzen, mich unbedingt und ausnahmslos dahin quetschen. Unbedingt sollte ich da sitzen. Und imaginär mit Teddy und ihr Tee trinken. Ganz ehrlich? Weder Geduld noch Zeit hatte ich dafür. „Ausgerechnet jetzt“ dachte ich noch. Und während ich noch versuchte, für dieses Problem eine Lösung zu finden, rannte sie auch schon weg. Die Große. Richtung Blumentopf. Um dort die ganze Erde rauszuschaufeln – und ich dachte nur: „Ok – aber ohne mich“!

Nachmittags war ich ein nervliches Wrack, abends aber jedoch um eine Erkenntnis reicher: Jede Geburt bedeutet für den Körper und die Psyche einer jeden Frau eine enorme Anpassungsleistung. Die Geburt ist nun eine wahre Grenzerfahrung, die es erstmal zu verarbeiten gilt. Sowohl auf körperlicher, wie auch auf emotionaler Ebene. Das ist wichtig. Sogar sehr wichtig, sonst wird aus der körperlichen Erschöpfung schnell auch mal eine seelische Talfahrt. Und das diese einfach auch mal schneller beim zweiten Kind, dann wenn das erste Kind vor allem noch in einem Alter ist, dass dich auch noch zu 100% fordert und du die ganztägige Betreuung selber übernimmst, während dein Mann arbeiten ist und du zu Hause Superwoman spielen musst. Grundsätzlich gilt bei mir: solange am Ende des Tages niemand verletzt ist oder blutet habe ich mein Tagesziel erreicht. Ok: mal Scherz beiseite.

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Ich habe aber etwas gelernt. Etwas wesentliches. Nämlich, dass es wichtig ist Priotitäten zu setzen. Nach dem Motto: Pragmatismus vor Perfektionismus. Und wer mich kennt, weiß wie schwer mir gerade das fällt. Aber ich lerne. Ich lerne auch mal Hilfe anzunehmen. Weil man eben nicht alles alleine schafft. Weil man nicht alles alleine schaffen muss. Und ich lerne mich nicht darüber zu ärgern, wenn etwas mal nicht so läuft, wie ich es mir vorgestellt haben. Eben nicht nach Plan. Sich darüber zu ärgern, oder aufzuregen, kostet unglaublich viel Energie und ist wenig produktiv. Es bringt mich nicht vorwärts.Ich halte mich dann nur unnötig mit Dingen auf, die ich eh nicht mehr ändern kann. Rufe ich mir das jedes Mal ins Gedächtnis, dann wenn es wieder hoch kommt, dieses Gefühl, allem und jedem und vor allem mir gerecht werden zu müssen, fange ich automatisch an mich zu entspannen und bin direkt gelassener. Nein – ich muss nämlich niemandem gerecht werden. Und wenn dann höchstens mir selber. Und damit meine ich: meinen Bedürfnissen. Dabei geht es mir nur darum, zu erkennen, wann mein Körper eine Auszeit braucht. Dann möchte ich diesem Bedürfnis nach gehen und mich entspannen. Das muss noch nicht einmal lang sein. Wichtiger ist mir, dass ich mir diese Zeit einfach nur täglich nehme und sie bewusst wahrnehme. Anstatt schnell und hektisch abends unter die Dusche zu springen, tue ich dieses entspannt und ausgiebig. Den Mittagsschlaf, der beiden, fällt er ausnahmsweise mal gleichzeitig aus, dafür zu nutzen, die Beine hoch zu legen, ein Buch zu lesen oder ganz einfach mal nichts tun und die Ruhe genießen. Einfach Energie tanken.

 

 

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