Da stand ich nun früh morgens am Strand von Santa Monica, blickte aufs Meer, ließ mir den Wind um die Nase wehen und versuchte meine Gedanken zu ordnen. Ich war gerade gejoggt: von unserem Hotel nach Venice Beach, hatte einen Eiscafé getrunken, den ersten Surfern beim Wellenreiten zugeschaut und war (mehr oder weniger) wieder zurück gelaufen. Jogging – auch so eine Sache, die ich seit Louis Geburt nur ein einziges Mal realisieren konnte. Jetzt trennten uns fast 10.000 km voneinander und die nächsten neun Tage konnte ich ausschließlich tun und lassen, wonach mir der Sinn stand. Na gut, wonach uns der Sinn stand, denn ich war mit meiner besten Freundin verreist. Zum Glück hatten wir dieselben Absichten: Spaß, Spaß, Spaß haben! Doch zu allererst mussten meine Mami-Sensoren offline gehen. Und die waren nach 16 Monaten Vollzeitbetreuung ganz schön tief verankert, wie ich feststellen musste. Aber von Anfang an.

Mein Mann und ich hatten die Idee schon letzten Sommer ausgebrütet: Jeder von uns würde in 2017 allein verreisen, um einen (Urlaubs)-Traum zu verwirklichen, der mit unserem Sohn schwierig werden würde. Er träumte vom  belebten Tokyo und dessen Videospiel-Viertel, ich wiederum von einer Poolparty in Las Vegas. Schließlich war ich nicht immer Mami und habe es früher auch gern mal krachen lassen. Tanzen, feiern, Spaß haben – nichts reinigt die Seele so sehr, zumindest für mich. Gleichzeitig werde ich aber auch nicht jünger und ich hatte das Gefühl, in 10 Jahren mag mich auch niemand mehr auf so einer Party sehen. Nachdem in den letzten Jahren meine Geburtstage immer gesitteter zelebriert wurden, fand ich, dass mein 36. Ehrentag doch genau der richtige Anlass wäre, ihn in Vegas zu feiern. Ich war nicht mehr schwanger, wollte es auch in nächster Zeit nicht werden und Louis war kein kleines Baby mehr. Gebucht hatten wir schon im Oktober, doch zu dem Zeitpunkt war das Ganze für mich noch ziemlich weit weg. Als kleinen Selbsttest, wie es sich ohne Familie anfühlt, hatte ich zuvor ein Wochenende in Berlin verbracht. Und das klappte gut. Aber nun hatte ich neun Nächte vor mir, angedacht hatte ich bei der Planung höchstens eine Woche, aber wenn man schon mal über den großen Teich fliegt, bietet es sich auch an eine kleine Rundreise zu starten. Und die machten wir dann auch.

Griffith Observatory

Griffith Observatory

Nach einem tränenlosen Abschied am Flughafen, (im Gegensatz zu vielen meiner Mami-Freundinnen, weine ich weniger seit ich Mutter bin), flogen wir zuerst nach London und nach einem 3-stündigem Aufenthalt ging es noch mal für 10,5 Stunden weiter Richtung Los Angeles. Ich weiß nicht, wann ihr euren letzten Langstreckenflug hattet, aber für mich war es neu, dass es keine kleinen Rollos mehr innen an den Fenstern des Flugzeuges gibt. Leider hat unser Kapitän beschlossen unseren eigentlich Tagflug zu einem Nachtflug zu machen. So saßen wir in absoluter Dunkelheit und ich schaute zur Einstimmung „Lala Land“, zugegeben, hier habe ich zum Schluss ein paar Tränchen verdrücken müssen… Nach dem zweiten Film wusste ich irgendwann nicht mehr, wie ich sitzen sollte und die letzten vier Stunden zogen sich buchstäblich wie Kaugummi. Natürlich wanderten meine Gedanken gelegentlich zu Louis und ich dachte daran, wie es wäre ihn jetzt noch auf dem Schoß zu haben, wo doch gerade selbst nicht wusste, wohin mit mir. Vor allem würde er tagsüber niemals so lange sitzen bleiben, ich hätte mit ihm den stockdunklen Gang auf und ab laufen müssen… Kein schöner Gedanke! Als wir endlich gelandet waren, mussten wir „nur noch“ einreisen. Zwei Stunden dauerte die nervige Prozedur, die Kinder in der Schlange und in ihren Buggys weinten. Und ich sage euch, ich hätte am liebsten mit gezettert! So erschöpft war ich. Obwohl man ja im Flugzeug eigentlich bloß sitzen muss, kann es eine ganz schöne Geduldsprobe werden. Schließlich hatten wir auch die Einreise geschafft, wir sammelten unsere Koffer ein und sind dann mit einem Bus zur Autovermietung gefahren und von da aus zu unserem Hotel in Santa Monica. Nach knapp 24 Stunden von Tür zu Tür waren wir endlich da und gingen buchstäblich auf dem Zahnfleisch zum Santa Monica Pier. Ich weiß, ich teile diesen Blog mit wunderbaren Mamis, die mit ihren Kindern bereits eine Fernreise gemacht haben, an dieser Stelle noch mal Hut ab – ich weiß nicht, wie ich das gemeistert hätte. Aber wie so oft im Leben, wächst man ja in solchen Momenten über sich hinaus.

Blick von unserer Dachterrasse in Los Angeles

Blick von unserer Dachterrasse in Los Angeles

Als wir schließlich totmüde ins Bett fielen, schlief ich noch vorm „Gute Nacht“ sagen ein, nur um nach ein paar Stunden schweißgebadet und mit Herzrasen und Schmerzen in der Brust wach zu werden. Ich hielt die Klospülung des Nachbarzimmers für das Anschlagen des Babyphones und mir wurde schmerzlich bewusst, ich war ohne meinen Sohn am anderen Ende der Welt. Und plötzlich dachte ich, ich schaff’s nicht, es fühlte sich nicht mehr richtig an, ich hätte heulen können… Schlief dann aber erneut ein und träumte von Restaurants mit Kinderstühlen, durchforstete Speisekarten nach Kindermenüs und schob Reiswaffeln in kleine Münder. Ich war sowas von drin, in meiner Mutterrolle! Nach dem Aufwachen beschloss ich, erst mal nichts zu sagen und die besprochene Laufrunde anzugehen. Schließlich macht Laufen ja den Kopf frei… Und zum Glück, das tat es auch, die Gedanken waren weg und ich fühlte mich gut. So könnte es weitergehen!

Wüste im Death Valley

Wüste im Death Valley

Wir setzten uns ins Auto Richtung Wüste – wir wollten gediegen in meinen Geburtstag starten und hatten uns hierfür die Furnace Creek Ranch im Death Valley ausgesucht. Dem Fleckchen Erde, an dem Madonna 1998 das Musikvideo zu „Frozen“  gedreht hat. Definitiv ein magischer Ort, der mich verzaubern sollte. Schon die Anreise war unheimlich befreiend. Wer mal in den USA mit dem Auto auf dem Freeway unterwegs war, der weiß, was für ein Gefühl von Weite und Freiheit einen dabei überkommen kann. Sogar, als gegen nachmittag unser Handyempfang und somit auch das Navi ausfiel und ich in Deutschland bereits Geburtstag hatte, hielt dieses Gefühl an. Ich war eben gerade ganz weit weg und das tat unheimlich gut. Versteht mich nicht falsch, ich liebe das Mamasein und den damit verbundenen Job sehr, aber auch von der besten Aufgabe braucht man mal Ferien. Und ich habe in den letzten Wochen vor meinem Tripp gemerkt, dass ich urlaubsreif war. Zum Beispiel, als ich am Wickeltisch plötzlich die Fassung verlor und aus Frust weinte. Weitere Details erspare ich euch.

Happy Birthday to me!

Happy Birthday to me!

Wir kamen also nach 5 Stunden im Death Valley an, mittlerweile hatte ich wieder Empfang und die ersten Glückwünsche erreichten mich, hielten in der Wüste, machten ein paar Erinnerungsfotos, und kehrten schließlich in unserer Ranch ein. Sie war sowas von urig! Ich gebe zu, ich habe um 22 Uhr geschlafen, meinen Geburtstag um Mitternacht gegen den Jetlag verloren. In der Nacht schreckte ich plötzlich auf, war Louis aus dem Bett gefallen? Liegt er in dem anderen Bett, ach ne, das war ja meine Freundin… Schweißgebadet und mit Herzrasen lag ich wach. Erneut! Und schlief wieder ein. Als wir schließlich, jetlag-bedingt, gegen 4.30 Uhr aufwachten, erwartet mich ein Mini-Marzipan-Törtchen mit Kerzen, Gesang und ein Geschenk meiner Mädels. Ich machte mein Handy an und las all die liebe Nachrichten auf allen Kanälen und mir wurde klar, wie gut ich es hatte. Und auch, was für tolle Tage noch vor mir lagen. Ich machte mir bewusst, dass diese einmalige Erfahrung, viel zu schnell zu Ende sein würde und schaffte es irgendwie ab diesem Moment nicht mehr wehmütig an meine kleine Familie zu denken. Kopf aus, Spaß an!

Vegas, Baby!

Vegas, Baby!

Unsere nächste Fahrt brachte uns nach beeindruckenden Landschaften und ausgetrockneten Salzseen, schließlich in DAS Vergnügungsviertel dieser Welt: Las Vegas! Zusammenfassend kann man sagen: Ich hatte eine ausgelassene Zeit, fühlte mich frei und gut und auf der Tanzfläche manchmal wie 20. Der Tripp war die reinste Verjüngungskur und ich kann so etwas jeder Mami und jedem Papa nur empfehlen. Kraft tanken, sich selbst wiederfinden, davon profitieren auch die Daheimgebliebenen auf lange Sicht. Ich war in den kommenden sieben Tagen, nach Vegas waren wir noch ein paar Tage in L.A., absolut in meiner Mitte und sehr bei mir. Entspannt, kann man wohl so sagen.

Pretty Woman Moment am Rodeo Drive

Pretty Woman Moment am Rodeo Drive

Natürlich konnte das Ganze nur auf Grund dieser Aspekte funktionieren: Vertrauen! Ich weiß, dass mein Mann Louis genauso nahe steht wie ich und das der kleine Mann bei uns beiden keinen Unterschied macht. Dass der Papa sich mindestens genauso gut um ihn kümmert wie ich, muss ich nicht erwähnen. Außerdem muss man seinen Partner so sehr lieben, dass man ihm diese Auszeit und den Spaß von Herzen gönnt. Und natürlich die Unterstützung der Familie! Ohne die Omas und Tanten hätten wir diesen Urlaub nie realisieren können. Mir gab es eine unheimliche Sicherheit zu wissen, dass mein Sohn von so vielen Menschen umgeben ist, die ihn über alles lieben. Ich danke euch!

Und hier bin ich wieder! Voller Power, voll da, voll Bock auf Essensschlachten , Hänschenklein und Spielplatzstunden. Allerdings ich hätte nichts dagegen, so eine Reise jährlich zu machen! 😉

Eure Melli

Me & Winnie

Me & Winnie

Hallo, ich bin Melli, an meiner Seite sind der kleine Louis und mein Mann Björn. Bevor ich Mama wurde, habe ich Modejournalismus studiert und arbeitete anschließend in einer Promi-Redaktion. Gab es zu der Zeit für mich nichts Spannenderes als: „Welches Kleid trägt XY zu den Oscars“ und „Hat Promi ZZ tatsächlich eine Affäre“, interessiere ich mich heute brennend dafür, wann unser kleiner Mann seine ersten Schritte macht und ob Pampers Baby Dry Night wirklich länger trocken halten?! Louis ist eindeutig der Star in unserem Haushalt und wie es sich für eine richtige Diva gehört, hat er sich Zeit gelassen, in unser Leben zu treten. Erst, als ich schon daran zweifelte, dass bei uns alles auf natürlichem Wege laufen würde, passierte „es“ in einer feucht-fröhlichen Nacht. Und so begann die aufregendste Reise meines Lebens… Jetzt ist der kleine Keks schon ein Kleinkind und hat unser Leben bereits ordentlich auf den Kopf gestellt.