1 In Motherhood/ Pregnancy

Unser Wochenbett // Hallo Baby – Wenn aus der Kleinen „die Große“ wird

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Das Wochenbett. 8 Wochen soll es dauern. 8 Wochen bis die Geburtsverletzungen vollkommen verheilt sind. 8 Wochen, die wir als Eltern dafür nutzen sollen, um in unsere neue Rolle hinein zu wachsen. Tatsächlich wird das innerfamiliäre Beziehungsgefüge einmal komplett auf den Kopf gestellt und jeder muss erst einmal seinen Platz darin finden. Mama, Papa und das Baby. Das haben wir schon einmal durchgemacht und ich erinnere mich noch gut daran. Denn während sich die ersten Tage noch wie im Rausch anfühlten, schlug Müdigkeit und Erschöpfung nach zwei Wochen richtig zu. Auch meine Tochter wurde bedürftiger und ließ sich nicht mehr einfach ablegen zum Schlafen, sondern kam nur auf meinem Arm oder in der Trage zur Ruhe. Oh ja – daran erinnere ich mich noch zu gut. Und meine Hebamme: damals schon eine wichtige Ansprechpartnerin für mich. All meine Gedanken, Sorgen und Ängsten konnte ich bei ihr abladen. Und sie? Sie sprach mir immer gut zu. Gab mir Selbstvertrauen. Selbstvertrauen, das ich als Neu-Mama doch so sehr brauchte. Ja – wir Mütter im Wochenbett sind schon sehr hormondurchflutet, offen und verletzlich, wie nie zuvor in unserem Leben. Und doch war das Wochenbett beim ersten Kind so viel ruhiger, einfacherer und gemütlicher. Beim ersten Kind lag ich manchmal einfach nur mit meiner Tochter stundenlang auf der Couch. Mit ihr auf meinem Bauch, Handy, Bücher, Essen und Trinken in Reichweite. Stillen, kuscheln und schlafen bestimmten meinen Tagesablauf. Sonst gar nichts. Das bisschen Haushalt? Blieb auch mal kurz liegen, wenn ich der Meinung war mir etwas Schlaf zu gönnen.

Dass es diesmal ganz und gar nicht so ablaufen wird, war mir von Anfang an bewusst.

Ob ich deswegen wehmütig bin? Nein. Ich denke nämlich gerne an diese Zeit zurück. An die Zeit, an der ich stündlich irgendetwas neues entzückendes an meiner Tochter entdeckte. An diese ganz besonders intensive Zeit, die wir erleben durften. Nur wir zwei. Ganz romantisch und besinnlich. Ja, ich denke gerne an diese Zeit zurück. Und sie ist so wichtig. So elementär wichtig – insbesondere und gerade jetzt. Denn sie wird uns dabei helfen. Helfen, das zweite Wochenbett gemeinsam zu meistern. Denn das wird ganz sicher nicht einfach für uns. Wir werden von jener Zeit, von unserer Zeit, gemeinsam im gemütlichem Wochenbett zehren müssen. Von der Zeit, als der Fokus nur auf sie gerichtet war. Denn nun ist ihre kleine Schwester da.

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Und sie ist nicht nur zu Besuch da. Und plötzlich ist meine Kleine „die Große“. Auch wenn sie gerade erst 20 Monate alt ist. Sie merkt die Veränderung. Sie spürt, dass hier alles plötzlich ganz anders geworden ist. Kann es aber nicht richtig einordnen. Ich denke, dass macht sie ganz schön hilflos. Vom goldenen Thron runter geschubst, muss sie sich nun die Aufmerksamkeit von der ganzen Familie mit ihrer Schwester teilen. Und trotzdem ist sie so liebevoll zu ihr. Küsst, streichelt und umarmt sie so oft am Tag. Strahlt sie an und schaut ihr ganz lang in die Augen. So, als ob sie ihr sagen möchte: Ich werde auf dich aufpassen. Ach, da geht mir jedes Mal das Herz bei auf. Und dann kommen die Nächte. Dann wenn sie nachts  alleine in ihrem Bettchen drüben liegt. Dann fängt sie manchmal an zu weinen, ruft nach uns und möchte kuscheln. Sie weiß selber nicht warum. Es ist einfach da. Dieses komische Gefühl. Dieses Gefühl, dass sie nicht einordnen kann. Dieses Gefühl, das sie hilflos macht. Und es macht sie traurig. Ich halte sie dann ganz lange in meinen Armen. Küsse sie und sage ihr, wie sehr ich sie liebe. Das ich sie immer lieben werde. Und das unsere Liebe etwas ganz besonderes ist. Denn sie hat mich schließlich zum ersten Mal zur Mama gemacht.

Ja und dann – dann, irgendwann, nach einer halben Stunde, schließt sie die Augen und ich darf sie weglegen. In ihr Bettchen. Dort schläft sie dann weiter – voller Vertrauen – bis zum Morgen.

Keine Frage: dieses Wochenbett wird deshalb nicht nur für mich zu einer großen Herausforderung, sondern auch für meine Große. Ganz klar, ein gemütliches auf der Couch abhängen, gibt es diesmal nicht mehr. Denn auch wenn meine Große in Zukunft lernt, öfter zurück stecken zu müssen, ihre grundlegenden Bedürfnisse müssen dennoch befriedigt werden. Und nicht nur die. So werden wir uns gemeinsam in den Alltag finden müssen. Gemeinsam mit ihrer kleinen Schwester. Die uns Beide jetzt gerade so dringend braucht.

Eure Teresa

Photos sind von der wundervollen Stefanie // Angel Photography

 

 

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1 Comment

  • Reply
    Kim
    23. Mai 2017 at 21:54

    Liebe Teresa,
    Wie immer wunderschön geschrieben. Ich liebe es von dir zu lesen und auch immer wieder auf den neusten Stand gebracht zu werden. Es ist schon Wahnsinn, wie sehr so kleine Menschen (ich meine in dem Fall Paulina), merken wie zerbrechlich so winzig kleine Wesen wie ihre Schwester sind. Und so liebevoll und rücksichtsvoll mit ihnen umgehen. Drücke dich ganz feste und wünsche dir weiterhin eine schöne Kennenlernzeit.
    Ganz liebe Grüße,
    Kim (kimkyliesa) 🌻

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