Früher oder später kommt er – ganz sicher. Der Gedanke und die Vorstellung von einem kleinen, friedlichen Bullerbü. Einem Platz, wo wir wohnen und unsere Kinder aufziehen können. Ok, keine Frage, wenn wir jung und wild sind denken wir erst einmal an solch eine Zukunft ganz sicher nicht. Dann möchten wir diesem heimischen Idyll doch eher noch entfliehen und haben das Bedürfnis raus zu kommen. Einfach raus: in die große weite Welt… 

Unverbindlichkeit trifft auf Oberflächlichkeit

Unzählige Menschen und lauter, dichter Verkehr: irgendwie fiel mir das damals nie so wirklich auf. Störte mich nie. Nervte mich nie. Ganz im Gegenteil. Täglich aufs Neue, fremde Menschen zu treffen, sie kennen zu lernen, ihren Geschichten zu lauschen und vielleicht sogar einen kurzen Lebensweg mit ihnen zu teilen – das fand ich unglaublich spannend. Bis sie dann weiter zogen. All diese Menschen, die sich nur für eine kurze Zeit in meiner Stadt aufhielten und sie dann wieder verließen.

Aber hey – man hatte eine schöne Zeit. Beim hippen Italiener, im coolsten Viertel der Stadt. Trank gemeinsam in der angesagtesten Bar einen Cocktail oder ein Bier, um dann weiterzuziehen. In die nächste laute und volle Location. In den nächsten Club. Um dann dort mit all den anderen bis früh morgens zu feiern. Dort, wo man dann auch wieder neue Bekanntschaften knüpfte. Aber eben auch nur Bekanntschaften. Ja – all das ist unglaublich abwechslungsreich. Aber auch so unglaublich oberflächlich. Und irgendwann ist auch all das, so unglaublich ausgereizt.

Denn irgendwann bekommt all das einen fahlen Beigeschmack. All diese „Freundschaften“. Man trifft sich „auf ein Glas Wein“ oder zum Essen, mal kocht der eine, mal der andere – man plaudert, man erzählt sich, wie das Leben so läuft – und dann geht jeder wieder seiner Wege, in sein eigenes Leben zurück. Wir wohnen in Trendbezirken und kennen uns doch alle nicht. Unsere Nachbarn bekommen uns höchstens alle sechs Monate mal zu Gesicht. Dann, wenn jemand mal kurz und zügig durchs Treppenhaus huscht. Und wenn die grundlegenden, sozialen Kontakte nicht bereits im Kindesalter entstanden sind, man neu dazu gezogen ist, ja da kann es in so einer Großstadt schon ziemlich einsam sein.

Mein Leben als Großstadtkind

Ja ich bin ein waschechtes Großstadtkind. Dort geboren, dort großgeworden. Mit vielen sozialen Kontakte. Mit Freunden, die ich noch vom Kinderturnen kenne. Mit Freunden aus Grundschule und Gymnasium. Für mich war die Großstadt weder anonym, noch fremd. War ich sogar ein, kleiner bunter Hund in meiner Heimat. Nein, nicht durch meine jugendlichen Eskapaden. Wobei diese am Ende wohl auch das ein oder andere Mal dazu beigetragen haben dürften, den Fokus der Aufmerksamkeit auf mich zu richten. Nein – vielmehr war es mein Vater. Er war der Grund. Denn als regional bekannter Gastronom schien auch ihn und seine Familie  jeder zu kennen. Und so – ja so kannten sie eben auch mich. Von klein auf. Sahen, wie ich aufwuchs, wie ich meinem Lebensweg beschritt. Sahen mir dabei zu wie ich Fehler machte. Wie ich hinfiel und wieder aufstand. Verurteilten mich oder begleiteten mich. Nur ich – ich wusste nicht, wer sie alle waren.

So war es. Mein Leben als bunter Hund in einer Großstadt. Und ich kann es nicht verleugnen: auf der einen Seite habe ich es verflucht, auf der anderen Seite habe ich es geliebt. Denn: Alles war immer da. Von den Einkaufsmöglichkeiten bis hin zu einer großen Auswahl an unterschiedlichsten Freizeitaktivitäten. Von der Pizza mittags, gar aus dem eigenen Ristorante, in dem es rund um die Uhr lebhaft zuging, bis hin zum spontanen DVD Abend mit all meinen Freunden, die hier um die Ecke wohnten. Die immer schnell erreichbar waren. Zu denen ich immer schnell zu Fuß oder mal eben mit der Bahn düsen konnte. Ballett, Turnen, sogar Tennis. Ich probierte alles aus und war nachmittags viel unterwegs. Bot es sich doch an. Bei all den Freizeitaktivitäten, die einem eben in solch einer großen Stadt geboten werden. Die ich nutzen konnte und nicht immer darauf angewiesen war, dass mich dort jemand mit dem Auto hinbegleiten musste. Unsere Abendteuer fanden auf Spielplätzen statt. Oder in kleinen Gassen. In Fußgängerzonen. Wir sammelten Briefmarken von weggeworfenen Umschlägen, die wir aus der Mülltonne des Optikers von nebenan fischten. Wir verkauften Dinge, die wir nicht mehr brauchten auf dem Flohmarkt, den wir in der belebten Straße vor unserer Tür auf bauten. Wir streiften durch die Geschäfte oder gingen ins Kino. Wir trafen uns zum Schwimmen oder gingen Eis essen. Ja – ich kann es nicht verleugnen. Meine Kindheit war bunt, vielseitig. Und nie langweilig.

Sei wild, frech und wunderbar.

Aber wünsche ich mir für meine Kinder auch solch eine Umgebung zum groß werden? Oder doch lieber eine Umgebung, die weniger hektisch ist. Die nicht mit unzähligen Verführungen und Alternativen lockt. Soll es nicht doch eher ein ruhiges, ein ursprüngliches Umfeld sein? Dort, wo sie sein dürfen und keinen gesellschaftlichen Vorstellungen entsprechen müssen. Dort, wo man glücklich sein darf. Fehler machen darf. Ohne großes Publikum. Dort wo man auf weiten Feldern rennen kann. Dort wo man Gummistiefel nicht als modisches Accessoire benutzt, sondern eben noch dafür, wofür sie erfunden wurden. Nämlich, um in große Pfützen zu springen. Ja – das fände ich schön. Für sie und für mich.

Keine Frage: mich faszinieren Großstädte – für Berlin schlägt mein Herz. Berlin – so offen, so dreckig und echt. Und ja – auch Amsterdam hat es mir ja angetan. Hingehen viele große Städte auf dem besten Weg sind ihren doch so einzigartigen Charme zu verlieren. Und trotzdem, werden sie immer diese magischen Orte bleiben. Orte, an denen das Leben pulsiert, wo die Nächte zu Tage werden. Wo wir unseren Drang nach Entertainment rund um die Uhr befriedigen können. Orte, wo es scheinbar für jeden Geschmack, für jedes Interesse, für jede Zielgruppe eine Nische gibt.

„Und ich weiß, auch meine Kinder werden, ja sollen sogar genau das Kennenlernen und erleben dürfen. Sie sollen das alles genießen und erfahren. Ich würde es mir sehr wünschen.“

Oh du ruhiges Landleben

Warum ich dieses Thema hier momentan überhaupt aufgreife? Weil wir eben vor genau dieser Entscheidung aktuell stehen. Stadtleben vs. Landleben. Und ich kann es mir so gut vorstellen: ein Haus, mitten auf dem Land, doch nicht allzu weit weg von der Stadt. Und doch, fernab von eben dieser Hektik. Umgeben von Feldern und Bauernhöfen und riesigen Pfützen, zum reinspringen. Umgeben von einer Ruhe, die wirklich beruhigt. Diese Leichtigkeit. Fernab von all den Menschen, die immer noch nächtelang ausgehen, um festzustellen, dass sie mittlerweile eine Woche brauchen, um sich davon zu erholen. Fernab von all den Mamas und Papas, die sich auf dem Spielplatz über ihre Jobs austauschen. Die sich untereinander fragen, was ihre Kinder denn schon alles können. Ganz ehrlich: auf dem Land fragt man nur eines. Und zwar, bei welchem Bauern man sein Gemüse kaufen soll. Weitere Vorteile? Zum Spazieren braucht man lediglich vor die Tür treten. Erdbeeren und Gurken kann man im eigenen Garten anbauen, Felder, kleine Bäche und Wiesen heißen Abenteuer pur für unsere Kinder.

Und nein – die auf dem Landlebenden steckten nicht immer noch im Trott aus gleichen Kneipen und nicht vorhandenen Clubs, nein, sie sind einfach nur genügsam. Denn irgendwann wirst auch du feststellen, es ist dir nicht mehr wichtig, dass es 400 wirklich gute italienische Restaurants gibt. Dir reichen zwei. Das Leben ist einfach günstiger und so bleibt mehr Geld übrig, um sich wirklich tolle Dinge leisten zu können. Und dabei rede ich nicht von oberflächlichen Konsumgütern, wie tolle Handtaschen oder teure Schuhe. Nein, ich rede von tollen Reisen. Um vom Land aus, die Welt zu entdecken.

Hallo Digitalisierung, hallo Mobilität

Und doch – so ganz abgeschlagen von all dem, irgendwo am vermeintlichem Rande der Welt zu wohnen, ist auch absolut nicht mein Favorit. Zumindest brauche ich eine funktionierende Infrastruktur und schnelle Routen zu Flughafen und Bahnhöfen. Dafür bin ich einfach viel zu viel unterwegs, reise gerne.

Und dabei drängt sich hier, an dieser Stelle, nochmal eine ganz andere Frage aufdrängt. Nämlich: Sind wir das denn überhaupt noch irgendwo? So vollkommen isoliert? Insbesondere in der heutigen, immer globaler werdenden, digitalisierten Welt? In einer Welt in der Fernreisen mit Kind beinahe zur Normalität gehört und Familien sich nicht mehr „nur“ auf Holland und Nordsee beschränken. In einer Welt in der wir nicht darauf angewiesen sind vor die Tür gehen zu müssen, um zu erfahren, was los ist, was angesagt ist, was Trend ist, worüber diskutiert wird, was die Menschheit bewegt, sondern uns, in einem handlichen Format, auf unseren Smartphones, täglich zur Verfügung steht.

In unserer heutigen, digitalisierten Welt, ist es da überhaupt noch wichtig wo wir leben? Wo uns bereits ein kleines Smartphone mit Hilfe von #Hashtags und Google Earth, an jeden noch so interessanten Ort der Welt bringen kann? Uns Einblicke gewähren kann. Uns die schönsten und besten Schauplätze der Welt zeigt. Und wer diese nicht nur im Quadrat bewundern möchte, darf sich bei unserer steig steigenden Mobilität bedanken. Einmal bis ans Ende der Welt uns zurück.

Wir, als Mitglieder der „Generation Wanderlust“, sollten sich fragen: Ist es also so wichtig, wo wir unser festes Domizil aufbauen? Reicht es nicht, wenn wir anfangen von unserem ausgewählten Wohnort einfach mal weniger zu erwarten und uns damit zufrieden zu geben, wenn er uns das doch das Wesentliche ermöglicht? Zugang zur Nahrung und weite Felder, auf denen unsere Kinder toben können.

Oder sind wir einfach so bequem geworden, dass uns längere Fußwege, hin zur nächsten Einkaufsmöglichkeit schon abschrecken? Brauchen wir immer ALLES unmittelbar und sofort?

Vielleicht hab ich aber auch nur nicht den richtigen Ansatz gefunden. Und doch glaube ich ganz fest daran, dass wir eine optimale Lösung für uns finden werden. Einen Ort finden werden, der zu uns, als Familie passen wird. Ein Ort, der uns Geborgenheit gibt. Dann, wenn wir von abenteuerlichen Reisen und fremden Ländern zurück kommen werden.

Eure Teresa

Hi ich bin Teresa. Studierte Medienmanagerin und leidenschaftliche Redakteurin. Meine Modeaffinität hat mich aber auch zwischenzeitlich mal die Branche wechseln lassen und so war ich zuletzt als Shopmanagerin bei Inditex tätig. Aktuell lebe ich aber ganz nach dem Motto: „Mein Alltag ist ihre Kindheit“. Ich versuche jeden Tag zu einem kleinen Abenteuer für uns zu machen. Mit einem tollen Mann an meiner Seite, einer wundervollen Tochter, die im Mai 2017 zur großen Schwester upgegradet wird, gestalten wir unseren Alltag so bunt wie möglich. So reisen wir gerne, ob durch Asien oder Europa. Und versuchen einfach immer wieder unseren persönlichen Interessen treu zu bleiben und sie gemeinsam auch zukünftig mit unseren Kindern zu vereinbaren. Kinder machen unser Leben nämlich nur noch lebenswerter: wir müssen es nur zulassen.