Mein Bauchgefühl sagte mir sofort. Nein. Das mache ich nicht. Als das Telefonat beendet war, formulierte ich die Absage bereits in Gedanken und schob diesen damit direkt beiseite. Ich würde mich später darauf melden und absagen. Jetzt stand erstmal ein Abendessen an auf das ich mich seit Wochen freute.

Und so saß ich abends nach einem ereignissreichen Tag auf der Couch und schrieb die Nachricht: Ich habe mich dagegen entschieden. Ich kann mich weder mit dem Produkt identifizieren, noch konsumiere ich es. Damit war diese Kooperation für mich beendet. Ich war müde. War der Tag noch so schön, aber auch gleichzeitig wieder sehr anstrengend. Schließlich bin ich mittlerweile in der 36. Schwangerschaftswoche angekommen. Ich wollte gerade ins Bett gehen, als Folgendes passierte:

„Es drehe sich doch hauptsächlich um Schwangerschaftsgymnastik“, war Teil der Antwort. Kurse sollen in diesem Zusammenhang verlost werden. Auschließlich in Eltern- und Schwangerschaftsmagazinen fände diese Kampagne statt. Mit mir als Model – auf einer Gymnastikmatte liegend. Und das Ganze – gesponsort von einem Bierhersteller, der hier für sein alkoholfreies Getränk werben möchte. Mit mir als Aushängeschild, ähm nein, Model natürlich- versteht sich.  Ach ja – und 1000 Euro gibt es auch dafür. Das schien der Köder. Und ich schluckte ihn fast. Aber nur fast.

Jetzt mal Hand aufs Herz – Wen von euch hätte es nicht ganz kurz bei „1000 Euro“ gecasht? Und so dachte auch ich kurz darüber nach, ob ich es nicht doch machen soll. So schob ich meine, bereits nach dem Telefonat getroffene Entscheidung kurz beseite, warf meine moralischen Bedenken über Board, trat meinem Bauchgefühl in den Hintern und dachte: „Geil“. Mach ich. Ist ja 0,0% und ist ja schließlich alkoholfrei.  Und  dann geht es ja hier auch um Sport. In der Schwangerschaft doch auch gut. Und mein Name soll nicht erwähnt werden. Was soll also schon sein. 1000 Euro mal eben für ein paar Bilder. Kaum Aufwand für viel Geld. Und bevor ich mir die Sache noch weiter schön reden sollte, holte mich meine Vernunft wieder ein und schlug mir mit voller Wucht ins Gesicht. Diesen kleinen gedankenlichen Ausflug schob ich mal auf meine Müdigkeit und darauf, dass wir alle doch diesen kleinen Teufel in uns haben. Die Frage ist nur, ob man diesen siegen lässt. Ich entschied mich dafür, ihm den Kampf anzusagen.

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1000 Euro also dafür, dass ich, während meiner Schwangerschaft, bei der Absolvierung eines leichten Sportprogramm, meinem Babybauch dabei in die Kamera haltend, genüßlich ein alkohlfreies Bier schlürfe – und all das für vollkommen normal halte. Ok – jetzt dürfen sich an dieser Stelle die Geister scheiden. Wieviel Alkohol ist tatsächlich in 0,0% enthalten? Was nun in den eigenen vier Wänden passiert, wenn sich der ein oder andere eben solch eins gönnt – absolut nichtverwerflich, geschweige zu verutreilen. Auf der anderen Seite dafür aber zu werben und öffentlich dafür zu stehen – als hochschwangere Frau, meiner Meinung nach dagegen schon.

Inwieweit ist dies nun moralisch vertretbar?

Moral? Gibts die eigentlich noch,  fragt man sich. Haben die Werbeagenturen es doch auch schon längst den Unternehmen nachgemacht und vor langer, langer Zeit dieses unsägliche Wort längst aus ihrem Wortschaft verbannnt. Weil es sich doch hier oftmals nur noch um den Profit dabei dreht. Um das schnelles Geld, das dabei verdient werden soll. Um viel, schnelles Geld. Unter welchen Vorrausetzungen dabei auch immer.

Da sitzen die Marketingstrategen nun am großen runden Tisch, stecken ihre Köpfe zusammen und grübeln. Grübel nach einer Idee – wie sich das Produkt wohl am besten an den Mann bringen lässt. Die Idee: Vielleicht lässt sich eine schwangere Frau finden, die dann genau für dieses alkohlfreies Bier wirbt.Das wäre doch ein perfect Match. Die perfekte Idee, die perfekte Kombination, um die Verkaufszahlen zu steigern, denn wenn also diese schwangere Frau, das 0,0% Bier trinkt, dann suggeriert sie damit doch, dass da definitv kein Alkohl drin, richtig? Schließlich gibt es doch nichts Wertvolleres, als ein ungeborenes Kind davor zu schützen, Alkohol zu konsumieren. Vertrauen zu schaffen – das ist das Ziel der Werbemaßnahmen und ein Garant für grüne Zahlen. Zu welchen Preis auch immer  – moralischen Preis, versteht sich.  Auch wenn der Kosnumt dabei mal wieder total aufs Korn genommen wurde, hat man sein Ziel erreicht.

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Und genau an dieser Stelle traf ich die Entscheidung. Dagegen. Diese Maschinerie möchte ich nicht unterstützen und das Bild, in diesem Zusammenhang, vom mir ist mir einfach zu absurd. Vielleicht wird sich jemand anderes dafür finden lassen. Ganz sicher, wird sich dafür jemand finden lassen. 1000 Euro sind ja auch verführerisch. Aber lohnt es sich für denjeniegen am Ende auch? Mit seinem Ungeborenen für ein Biermarke zu stehen, die natürlich keinen einzigen Gedanken daran verschwenden wird, ob diese Person sich danach öffentlicher Kritik stellen muss und sogar Beschimpfungen augesetzt wird. Ich werde es jedenfalls nicht sein.

 

 

 

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Hi ich bin Teresa. Studierte Medienmanagerin und leidenschaftliche Redakteurin. Meine Modeaffinität hat mich aber auch zwischenzeitlich mal die Branche wechseln lassen und so war ich zuletzt als Shopmanagerin bei Inditex tätig. Aktuell lebe ich aber ganz nach dem Motto: „Mein Alltag ist ihre Kindheit“. Ich versuche jeden Tag zu einem kleinen Abenteuer für uns zu machen. Mit einem tollen Mann an meiner Seite, einer wundervollen Tochter, die im Mai 2017 zur großen Schwester upgegradet wird, gestalten wir unseren Alltag so bunt wie möglich. So reisen wir gerne, ob durch Asien oder Europa. Und versuchen einfach immer wieder unseren persönlichen Interessen treu zu bleiben und sie gemeinsam auch zukünftig mit unseren Kindern zu vereinbaren. Kinder machen unser Leben nämlich nur noch lebenswerter: wir müssen es nur zulassen.