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Schwangerschaftsupdate // Tabuthema: Ich will kein Kind !

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Das Ende der Schwangerschaft naht. Und da kommen sie. Diese unnötigen Gedanken. Diese blöden Fragen, die man sich plötzlich selber stellt. Dieselben blöden Fragen, die mir, wurden sie von anderen gestellt, gehörig auf die Nerven gingen. „Oh ein zweites Kind – ist dir aber klar, dass das anstrengend wird?“ Leichtfertig und beschwingt lautete meine Antwort dann meist: „Ja, mir ist sehr wohl bewusst, dass der Job als Mama demnächst nochmal einiges mehr von mir abfordern wird, wenn ich dann mit zwei Kindern durch den Alltag jongliere. Aber ja – ich habe mich sehr gründlich für das Upgrade im Mami Business entschieden. Denn ich bin stark. Und ich bin taff. Und ich hab Bock. Und auch ein kleines bisschen verrückt“.

Wie gründlich war ich denn nun? Wenn ich mir diese Fragen plötzlich nachts im Bett selber stelle, aber keine locker flockige Antwort mehr darauf habe? Wenn ich mich frage: wie anstrengend wird die neue Zeit mit Kleinkind und Neugebores? Und nicht nur diese. Wie weit wird sich meine Leben auch in weiter Zukunft wieder verändern. Wie gehe ich mit dieser neuen Situation um? Dieser zusätzlichen Verantwortung? Bin ich mir eigentlich wirklich bewusst, was da auf mich zu kommt? Werde ich den Anstrengungen auch körperlich stand halten? Wie viel weiter muss ich meine eigenen Bedürfnisse noch zurück schrauben? Verschwindet das Wort Freizeit dann endgültig aus meinem Wortschatz?

Ok – klingt alles sehr dramatisch, aber ernsthaft: das sind nun einmal die Gedanken einer werdenden Mama. Ein Kind ist nun einmal „Lebens verändernd“ und daran gibt es nichts zu Rütteln. Keine Frage, für mich stand immer fest: ich möchte Kinder haben. Ein Leben ohne konnte ich mir nie ausmalen. Auch wenn ich erstmal den Weg: Karriere einschlug. Ganz klassisch: Abitur, Studium, Job mit Führungsposition. Auf Dauer hatte mich dies aber nie ganz befriedigt. Immer hätte irgendwie „irgendwas“ gefehlt. Zu groß der Wunsch irgendwann eine eigene Familie zu haben. Kinder, die im Garten toben und mich, später als Oma, mit ihren Kindern besuchen kommen. Das ist für mich „Leben“. Der Sinn. Aber ja – es ist verdammt hart. Ja – es stellt mich jeden Tag aufs neue vor eine große Aufgabe. Zeigt mir jeden Tag auf, wie schwer der Spagat zwischen Mutter und Ehefrau ist. Zwischen Haushalt und Home Office. Zwischen Kinderbetreuung und Freizeit. Es fordert mich so sehr, dass ich manchmal auch oft genug daran zweifel, dem Ganzen überhaupt gerecht zu werden. Mit meiner Laune auch niemanden zu verärgern oder gar zu verletzten. Rücksichtsvoll und feinfühlig zu bleiben. Bei all diesen Ansprüchen, die ich an mich selber stelle, nicht auch bei anderen diese Erwartungshaltung zu haben. Gerecht zu bleiben. Liebevoll zu bleiben. Und am Ende: Ich zu bleiben. Aber ich bin gerne Mutter. Mit Leib und Seele. Nach der Geburt meines ersten Kindes, wurde mir ganz schnell klar: es bleibt nicht nur bei diesem. Das war es noch nicht. Dieses kleine Wesen, hat mein Leben um so vieles reicher und wertvoller gemacht, dass es täglich all die Mühe, all die Opfer, all die Arbeit wert ist.

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Genauso gut kann ich aber auch Frauen verstehen, die ganz klar sagen: Ich möchte kein Kind. Und finde es absolut nicht verwerflich. Ein Kind gibt dir nun einmal neue und feste Strukturen vor. Spontanität, ade. Der Tagesablauf richtet sich nach ihm. Ausschlafen? Luxus Gut. Eine saubere und aufgeräumte Wohnung? Seltenheit. Und neben all dieser Unwichtigkeit, geht es sogar um noch einmal um etwas viel wesentlicheres, das eintreten könnte:

Es isoliert dich. Im Schlimmsten Fall auch von Freunden ohne Kindern und in eine Welt, in der sich nur noch alles um die Familie dreht. Die Erwartungshaltung ist groß. Deine und die, die dir die Gesellschaft vorgibt. Du musst plötzlich bei so vielen Dingen zurück stecken, erleidest finanzielle Einbußen und opferst dich auf. Auch deine Liebesbeziehung wird darunter leiden. Es werden neue Konflikte in der Partnerschaft auftreten. Alleine durch die Mehrfachbelastung, der du als Frau und Mutter nun mal ausgesetzt sein wirst. Du wirst öfter überfordert sein und gereizt. Und das bekommt oftmals der Partner zu spüren. Auch wenn ungewollt.

Bei aller Emanzipation, blieb die Mutter auf der Strecke. In den Köpfen der Gesellschaft sitzt leider immer noch das Bild der perfekten Hausfrau und liebevollen Mutter tief verankert. Die selbstverständlich auf ihren Job verzichtet, da eine Berufspause länger als ein Jahr heute kaum mehr möglich ist. Verzichtet sie aber darauf, Mutter zu werden, dann steht sie als Egoist da. Vielleicht hat sie einfach nur keine Lust auf das Mami Business. Und wenn das so ist: sollten wir, Mütter oder die, die es werden möchten, nicht einfach diese Meinung akzeptieren? Der Wunsch nach keinem Baby? Sollten wir das nicht mindestens genauso respektieren, wie wir es uns auch wünschen würden, für das respektiert zu werden, was wir mit Kind leisten?

Fakt ist doch : Jede Frau entscheidet selber, ob sie Mutter sein möchte oder nicht. Und ich gehe noch weiter, wenn ich sage: wir sollten aufhören. Aufhören mit diesen Anfeindungen und Anmaßungen. Dieser ganzen Kritik und den Verurteilungen.

 

 

 

 

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