Ok – es wird lauter. Es wird anstrengender. Es wird teurer. Dann wenn eigentlich schon ein recht schöner Rhythmus in der Familie vorhanden ist. Dann, wenn das erste bereits wunderbar mit am Familientisch isst. Dann, wenn das erste Kind anfängt mit dem Durchschlafen. Dann, wenn das zweite Kind dazu stößt. So stellt es nicht nur einmal kurz das innerfamiliäre Beziehungsgefüge auf den Kopf, sondern wirft unseren Alltag einmal komplett durcheinander und fordert seinen Platz in der Familie ein.

Aber neben den wieder einkehrenden schlaflosen Nächten in unserem Haus und den neuen Aufgaben, denen man sich nun stellen muss, bringt es auch eines, etwas ganz wesentliches, mit sich: eine Mama, die sich nicht mehr für jede Kleinigkeit verrückt macht. Eine Mama, die sich nicht mehr von allen Seiten reinreden lässt. Eine Mama, die ihr ganz eigenes Ding durchzieht. So selbstbewusst und entspannt, wie sie es sich schon beim ersten Mal gewünscht hätte. Eine Mama, die aus Erfahrung weiß, wie schnell sich alles ändert und die bei all dem Stress auch eines nicht vergisst: zu genießen.

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Ein Vollzeitjob der starke Nerven verlangt

Oh ja, das zweite Kind verlangt noch einmal vollen Einsatz von mir. „Multitasking“ bekommt nochmal eine ganz neue Bedeutung. Nicht selten genug liegen abends die Nerven blank und der Körper, vor lauter Müdigkeit geschwächte, wird sich mit letzten Kräften irgendwo noch abgelegt. Während der Kopf weiter rattert. Schließlich war man den Ganzen Tag auf Zündung und mit gehetztem Blick hinter seinem Kind her. Da stellt sich, der ganz normale Einkauf auch mal als eine Hürde heraus, die es zu überwinden gilt. Nämlich schweißgebadet das schreiende Baby in die Trage zu packen, parallel den Buggy aufzubauen, um dann das andere, das aber währenddessen beschlossen hat, sich dagegen mit Händen und Füßen zu wehren, rein zupacken. Noch ist die Stimmung gut. Aber spätestens auf halber Strecke nimmt das Blatt seine Wendung. Dann wenn das Kind eines von diesen Fahrzeugautomaten sieht. Dann kippt die Laune und es gibt kein Halten mehr. Wenn da nicht die Anschnallgurte wären. Und wenn man diese nicht öffnet und nachgeben möchte, fährt man dran vorbei. Einfach weiter. Nur dann zieht man an den Anderen vorbei. Den Zuschauern. Und unter unzähligen, teils mitleidigen, teils erschrockenen Blicken fährt man mit einem lauthals schreienden Kind in den Supermarkt ein und kann nur vermuten, wieviele Leute hinter einem bereits den Kopf schütteln. Sie denken, bei ihnen wird das sicherlich ganz anderes, wenn es dann mal soweit sein sollte. Sie denken, ich hätte mein Kind nicht im Griff.

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Bauchgefühl vs. Ratgeber

Ja ein undankbarer Vollzeitjob ist das. Der keine Grenzen mehr kennt. Aber dafür profitiere ich auch von meiner ersten Tochter. Die Baby-Erstausstattung musste nicht noch einmal gekauft werden und meine Anfängerfehler sind längst überwunden. Bei Carolina bekam ich viel schneller ein Gespür dafür, was sie braucht. Hörte auf mein Bauchgefühl und vertraute meinen Instinkten. Ich bin nun viel gelassener und selbstbewusster und werden deshalb von anderen automatisch ernster genommen. Traurig aber wahr. Aber erst beim zweiten Kind, hörte ich nicht mehr von allen Seiten unzählige Ratschläge, vermeintlich gut gemeinte Tipps und elendig lange Erfahrungsberichte. Oh ja – wer kennt es nicht. Sobald man schwanger ist, sobald  Freunden, Verwandten und Kollegen über dieses wahnsinnige Wunder informiert wurden, kommen sie: haufenweise Tipps, Vorhersagen und Ratschläge für die Schwangerschaft – ob man will oder nicht.  Und alle sprechen dabei natürlich aus Erfahrung, selbst diejenigen, die gar keine Kinder haben. Mutter, Schwiegermutter, Freundinnen, Kolleginnen, Tanten, Nachbarn: alle möchten Informationen liefern und viele persönlichen Tipp mit auf den Weg geben.

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Weniger schnell genervt

Doch diesmal prallte all das an mir ab. Wenn denn mal welche kamen. Und wenn doch, dann ließ ich mich davon nicht nerven. Ich bin eh viel ruhiger geworden seit meiner zweiten Schwangerschaft. In vielen Situationen. Eigentlich in fast allen Situationen. Wir verspäten uns? Dann ist das halt so. Sich mit zwei Kindern für einen Ausflug zu organisieren ist eben nicht einfach und darüber hinaus noch pünktlich aufzuschlagen? Fast unmöglich. Die Nächte sind unruhig und ich werde um meinen Schlaf beraubt? Dann ist das halt so. Ich mache das gerne. Ich kann ja eh nichts an der Situation ändern. Sie wird auch nicht besser, je ungeduldiger und gereizter ich werde. Ganz im Gegenteil. Und irgendwann werden wir wieder pünktlich sein können und irgendwann werde ich wieder mehr schlafen dürfen. Diese Zustände sind eben nicht von Dauer und sich darüber zu ärgern, lassen sie nicht schneller vorüber ziehen. So akzeptiere ich diese störenden Zwischenfälle und stelle mich ihnen lieber und nehme es einfach gelassen.

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Eine Ja-Umgebung schaffen

Um weniger genervt zu sein, habe ich es mir ebenfalls zur Aufgabe gemacht, eine Umgebung für meine große Tochter zu schaffen, in der sie sich frei bewegen kann. So, dass sie glücklich ist. So bin ich weniger schnell genervt, vom ständigen Nein-Rufen. Muss nicht ständig aufpassen, dass sie hier oder da nicht dran gehen darf. Eine solche Umgebung in meinem Alltag geschaffen zu haben, hat wesentlich zu meiner Gelassenheit beigetragen. Paulina ist zufrieden, weil sie erkunden und sich austoben darf. Dinge, die mir wichtig sind verwahre ich an einem Ort, der meinem Kind nicht zugänglich ist. Gegenstände, die gefährlich für mein Kind sein können, sichere ich im Vorfeld. Wenn Gegenstände kaputt gehen? Ja dann ist das so. Von meiner Gelassenheit profitieren meine Töchter enorm. Auch Carolina scheint dadurch pflegeleichter zu sein. Lärm und Unruhe musste sie schon früh akzeptieren und ist viel genügsamer als es Paulina je war.

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Genießen statt stressen

Und statt mich zu stressen und mich zu beschweren, wieviel Aufmerksamkeit meine Töchter einfordern, statt mich darüber zu beklagen, wie sehr ich zurück stecken muss und meine Bedürfnissen nicht hinterher komme, statt mich zu ärgern, dass es mal wieder nicht nach Plan läuft – ja stattdessen versuche ich es zu genießen. Denn es stimmt: „Sie werden so schnell groß“.  Aber das ist nicht immer einfach und ich versuche auch nicht immer über jede noch so anstrengende Situtaion rosaroten Zuckerguss zu kippen, aber mal ernsthaft – es hilft einfach die Dinge positiv zu sehen. Eben in solchen Momenten, dann wenn ich wirklich erschöpft bin und ich drohe in diesen Sumpf aus Frustration, Verzweiflung und Überforderung fallen zu möchten, ja dann mache ich mir einfach bewusst, dass das alles eben nur von kurzer Dauer ist und mit all diesen anstrengenden Momenten auch all die schönen wegfallen. Dann wenn ich nicht mehr diesen wundervollen Babyduft einatmen kann. So lassen sich die Runden durch das Haus einfacher laufen. Mit diesem Gedanken und der Nase im Nacken meines Babys. Dann wenn die Große plötzlich ohne Gute-Nacht-Geschichte ins Bett will, alleine Duschen kann, ohne eine Umarmung von mir am Tag auskommt. Die Tage werden kommen. Diese letzten Male. Dann wenn ich ihnen zum letzten Mal eine Windel umlegen muss. Wenn wir das letzte Mal stillen. Das letzte Mal einen Body überziehen müssen. Ja all das wird irgendwann vorbei sein, denn die Zeit in den ersten Jahren rennt. Und leider viel zu oft sehen wir nur nach vorn, sehen auf das, was wir uns für die Zukunft wünschen, was sich ändern soll. Können ihre ersten Schritte kaum abwarten, die ersten Worte, die erste Nacht im eigenen Bett. Alleine. Ohne Mama und Papa. Viel zu selten blicken wir zurück auf die Dinge, die wir so lieb haben und die so schnell vergehen.

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Und so genieße ich die vielen kleinen Dinge. Nehme jede kleinste Besonderheit wahr. Jede von denen ich eines Tages feststellen werde, wie sehr ich sie vermisse, weil sie mir zeigte, wie klein meine Kinder noch waren.Und so genieße ich die Zeit mit meinen Töchtern. So gut es geht. In vollen Zügen.

 

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Hi ich bin Teresa. Studierte Medienmanagerin und leidenschaftliche Redakteurin. Meine Modeaffinität hat mich aber auch zwischenzeitlich mal die Branche wechseln lassen und so war ich zuletzt als Shopmanagerin bei Inditex tätig. Aktuell lebe ich aber ganz nach dem Motto: „Mein Alltag ist ihre Kindheit“. Ich versuche jeden Tag zu einem kleinen Abenteuer für uns zu machen. Mit einem tollen Mann an meiner Seite, einer wundervollen Tochter, die im Mai 2017 zur großen Schwester upgegradet wird, gestalten wir unseren Alltag so bunt wie möglich. So reisen wir gerne, ob durch Asien oder Europa. Und versuchen einfach immer wieder unseren persönlichen Interessen treu zu bleiben und sie gemeinsam auch zukünftig mit unseren Kindern zu vereinbaren. Kinder machen unser Leben nämlich nur noch lebenswerter: wir müssen es nur zulassen.