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Mami-Talk // Projekt Abstillen

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Stillen ist für uns nicht nur reine Nahrungsaufnahme, sondern auch eine besondere Nähe, die das Baby nur mit der Mama erleben kann – nicht umsonst spricht man auch von einer „Stillbeziehung“. Doch irgendwann kommt meist der Moment, an dem man sich fragt, wie funktioniert das eigentlich mit dem Abstillen?

Wann der richtige Zeitpunkt ist, kann und muss jede Mutter für sich selbst entscheiden. Es hängt von so vielen unterschiedlichen Faktoren ab – aber, egal aus welchem Grund, immer bleibt die Frage nach dem „Wie?“. Wir haben vier Mamis gebeten, ihre persönliche Geschichte zum Thema „Abstillen“ zu erzählen. Wir hoffen, das macht die Fragezeichen in euren Köpfen etwas kleiner, weitere Fragen beantworten wir gern unter diesem Beitrag.

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Janine von mumlife.de 

Das Thema Stillen war für mich von Anfang an mit einer Achterbahn der Gefühle verbunden. Erst war ich mir gar nicht sicher, ob ich überhaupt stillen möchte. Dann habe ich es geliebt und fand es außerdem auch noch unheimlich praktisch, aber am Ende hatte ich Sorge, dass das Stillen niemals aufhören wird. Am Ende fühlte ich mich durch das Stillen irgendwie eingeengt, gleichzeitig aber lag auch ein großer Druck auf mir, denn Little G. hat bis heute niemals aus einer Flasche getrunken und ich hatte Sorge, dass sie dann nicht mehr genug Flüssigkeit zu sich nimmt. Kurz bevor sie 9 Monate alt wurde, war ich an dem Punkt angekommen, an dem ich nicht mehr stillen wollte. Zu dem Zeitpunkt hatte ich das schon öfter mal gesagt, aber nicht wirklich etwas verändert und erst ein Gespräch mit einer lieben Freundin hat mir gezeigt, dass genau das der Schlüssel zum Erfolg ist: ICH musste etwas verändern. Ich fand das Stillen bequem! Ich musste nicht kochen, konnte flexibel überall sein, denn die Verpflegung war ja immer dabei und ein Garant für’s Einschlafen und komfortable Nächte war es auch noch. Also habe ich begonnen, meinen Tagesablauf zu verändern. Wir waren zu den Essenszeiten zu Hause, damit ich kochen konnte. Stillmahlzeiten habe ich durch kleine, gesunde Snacks ersetzt und Hafermilch gemischt mit Banane ist bis heute das Lieblingsgetränk meiner Tochter – aus einem Glas mit Strohhalm. Und es hat funktioniert. Bereits nach 3 Tagen haben wir tagsüber gar nicht mehr gestillt und meine Tochter hat auch nicht mehr danach verlangt. Da sie nun tagsüber wirklich gut und gerne gegessen hat, hatte sie plötzlich auch am Abend zum Einschlafen gar kein Verlangen mehr, zu stillen. Ich musste bei ihr sein – klar! Aber meine Brust hat sie nicht mehr interessiert. Vollen Mutes habe ich mich dann auch umgehend an das nächtlichen Abstillen gewagt und mit dem schlimmsten gerechnet. Ich wollte ihr nicht, wie sonst, beim ersten Geräusch sofort meine Milch anbieten, damit sie auch ja weiterschläft, sondern mein Mann sollte sie ablenken und das hat er auch gemacht. Ganze 15 Minuten – und seit dieser Nacht schläft sie nachts durch. Was soll ich sagen… Im Leben hätte ich nicht damit gerechnet, dass das Abstillen bei uns so unkompliziert und schnell verlaufen würde, aber scheinbar war es für uns beide einfach genau der richtige Zeitpunkt und den muss jeder für sich selber finden!

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Irina von  Motherhoodblog.de

Ich habe zwei Kinder gestillt. Nach zwei verschiedene Mustern. Ein Kind nach der Uhr, alle drei Stunden bis es 7,5 Monate alt war. Dann bin ich radikal auf Flasche umgestiegen. Genauso wie es die Hebamme anordnete. Kind 2 wurde bedürfnisorientiert gestillt. Ich hörte einzig und allein auf meinen Bauch und meinen Instinkt. Mit 13,5 Monaten stillte er sich ab. Und wenn ich so an diese Jahre zurückdenke, dann steht ein Adjektiv im Vordergrund: problemlos. Hätte ich diese zwei völlig unterschiedlichen Herangehensweisen unter den Kindern getauscht, wäre es sicherlich in einer Katastrophe geendet. Bisher schob ich den Grund für mein Handeln bei Kind 1 anderen in die Schuhe. Ich war Erstgebärende ohne Instagram. Ich hatte nur meine Familie und die Hebamme. Die wussten schon was richtig ist: Die Brüste sind zur Nahrungsaufnahme da, alles andere verzieht dein Kind.

Doch mit Abstand nun, blicke ich heute zurück und erkenne, dass es für meine Tochter tatsächlich nicht der falsche Weg war. Ich kann mir zumindest keinen anderen mehr vorstellen. Vielleicht sehe ich ihre Bedürfnisse auch falsch, denn wir hatten nie DIESE Stillbeziehung. Sie forderte die Brust nie ein, streichelte sie nicht, gab ihr keine Namen und lies sich nicht von ihr trösten, weil sie schlichtweg zu klein war, als ich sie umgewöhnte. Sie bekam von heute auf morgen die Flasche. Problemlos. Ich hingegen litt unter Milchstau, Schmerzen, Hormonwellen und Verlustängsten. Alles donnerte auf einmal über mich herein.

Ihr Bruder hingegen hat ganz lange nichts anderes getan als stillen oder schlafen, oft beides gleichzeitig. Er verbrachte Monate im Tuch, wie ein Koala. Die Milchbar immer griffbereit. Um uns herum lief der Alltag. Selbst beim Kinderturnen mit der Einjährigen, saß er in seinem Beutel und genoss Mama. Er hatte aber auch eine ganz andere Vorgeschichte als seine Schwester. (lest ihr hier) Ich wollte ihn lange stillen, weil ich sah wie er es brauchte. Wie er es genoss. Wie sehr ich die Ruhepausen mit meinem Kind, so innig, genoss. Wenn er nachts wach wurde bekam er die Brust. Immer. So kam es, dass ich auch noch nach über einem Jahr nachts zu ihm musste. Meine Tochter schlief mit Beginn der Flasche durch. Und nach schlechten Nächten die trotzdem um 7 zu Ende waren, da ja Kind 1 parat steht, kamen manchmal Abstill-Gedanken auf. Ich musste mir in dieser Zeit viel dummes Zeug anhören. Was ich aber schlagfertig abtat. Im Endeffekt stillte sich mein Sohn selbst ab. Die Abstände wurden immer größer. Mein Busen und mein Herz hatten viel Zeit sich an die schleichende Veränderung zu gewöhnen. Und doch tat es weh, als mir bewusst wurde, dass dieses kurze stillen Mittwochmorgens um sechs, unser letztes war. Ich würde euch anlügen, wenn ich behaupten würde, dass ich mich nicht noch oft angeboten hätte. Aber er hatte kein Interesse mehr. Er trank viel lieber aus seinem Becher, stinknormales Wasser.

Die ganze Geschichte zum Thema Abstillen findet ihr hier.

 

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Mona von Mamarazzi.blog

Noch in meiner Schwangerschaft bin ich so oft mit der Frage konfrontiert worden, ob ich denn überhaupt stillen möchte? Für mich war das gar keine Frage. Irgendwie war es für mich selbstverständlich, dass ich stillen werde. Ich wusste zwar noch nicht, ob und wie lange es funktionieren würde, aber darüber machte ich mir erst mal keine weiteren Gedanken. Als mein kleiner Baby-Mann dann geboren wurde, dauerte es keine fünf Minuten bis er von selbst andockte. Die Hebammen im Krankenhaus waren schon ganz verwundert das alles so reibungslos und ohne Probleme lief. Ja, lief ist das richtige Wort, man könnte sagen die Milch sprudelte nur so aus mir raus. Ich hatte Milch im Überfluss. Bis ich eines Tages eine Steinharte, knubbelige schmerzende Brust bekam, dazu auch noch Fieber. Ein Paar Tage kämpfte ich mit dem Milchstau und den Schmerzen. Was mich allerdings nicht daran hinderte weiter zu stillen. Es waren wirklich Höllenschmerzen und meine Nippel waren dazu auch noch kurz vorm Absterben. Ich habe die Zähne zusammengebissen und habe es überlebt. Danach hatte ich nur noch zwei, drei mal damit zutun. Ich wusste dann genau, wie ich mit Wärme, kühlen, viel Massagen, das ganze wieder in den Griff bekommen kann. Doch irgendwann beschäftigte mich immer wieder die Frage, wann wohl der richtige Zeitpunkt zum Abstillen gekommen ist und wie man dann am besten abstillt. Außerdem höre ich schon seit längerem immer wieder: “Wie du stillst noch“? Kian war grade mal 9 Monate und für mich und Kian war der Zeitpunkt noch nicht gekommen. Stillen war für uns immer etwas ganz Natürliches und ich merkte, wie es unsere Mutter-Kind-Beziehung stärkte. Ich wollt nicht aufhören nur weil andere schon immer danach fragten. Dann stellte ich mir die Frage, wer entscheidet das? Ich, mein Baby oder wir gemeinsam? Ich wartete genau noch zwei Wochen und da fiel die Entscheidung von alleine, Kian interessierte sich immer weniger für meine Brüste, er nahm sie nur noch zur Beruhigung, dann nur noch so zum Nuckeln und nicht zum satt werden. Er drückte sie dann oftmals nur noch weg , zappelte und quiekte, weil er nicht trinken wollte. Ich beschloss abzustillen! Mit der Flasche klappte es genau so gut. Ich testete es vorher ein paar mal und siehe da, er schlief. Er schief mehrere Stunden am Stück und wollte gar nicht mehr alle 1 ½ Stunden an die Brust. Für mich war es viel schwerer als für ihn. Ich saß da und heulte, weil ich mein Baby einfach nicht mehr so nah und innig an mir spürte. Das Abstillen ging so schnell, ja ich würde sagen, mir ging es viel zu schnell. Es war keine Zeit um Abschied zu nehmen. Aber es dauerte nicht lange, bis ich merkte das es die richtige Entscheidung war. Kian und ich haben es so zu sagen gemeinsam beschlossen und gemeinsam beendet. Es fühlte sich dann auch richtig an.

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Caro von Laleju.berlin.

Mit 25 wurde ich das erste Mal Mama. Ich wusste damals schon vor der Geburt meines Sohnes, dass ich auf jeden Fall stillen will, komme was wolle. Und es kam! Nach einer traumhaften Geburt folgte ein Horrortrip durch die Stillhölle. Es klappte einfach so gar nicht. Levi dockte an, saugte 2 Sekunden, verlor die Brust und schrie. Ich meine nicht meckern, er SCHRIE! Ok, ruhig bleiben und weiter versuchen, dachte ich. Das Ganze zog sich so durch den Tag, im 10-Minuten-Takt. Dachte ich, er wäre fertig mit seiner Mahlzeit, schrie er zehn Minuten später schon wieder wie ein halb verhungertes Löwenkind. Kurzum: mein Leben bestand aus Stillen. Ich war froh, wenn ich zwischendurch mal aufs Klo kam oder mir um 17 Uhr endlich die Zähne putzen konnte. Mit den Tagen wurde es ein bisschen besser aber wir waren gefühlte Millionen Lichtjahre von einer harmonischen Stillbeziehung entfernt. Was darauf folgte, war der erste fette Milchstau. Meine Brüste waren stellenweise rot wie Tomaten, prall gefüllt, verhärtet. Was ich bis dahin nicht ahnte: es war der erste von SIEBEN. „Das schaffen wir schon“, dachte ich. Während meine Hebamme also meine Brüste massierte und mir zeigte, wie ich den Milchstau behandeln muss, wollte ich vor Schmerzen am liebsten ganz laut schreien. Aber in keiner, wirklich keiner Sekunde habe ich ans Abstillen gedacht. Was daraufhin folgte war leider ein ungeplanter Aufenthalt im Krankenhaus, genauer auf der Intensivstation. Mein Baby war dehydriert, mein Milchstau verursachte bei mir Fieber. Time out! Und so dramatisch es sich jetzt anhören mag, es war das Beste, was uns passieren konnte. Es war wie Urlaub. Ich musste mich um fast nichts kümmern, wurde alle 2 Stunden ans Stillen erinnert, während Levi gemütlich im Wärmebett lag. Leider mit Infusionen aber das steckte er super weg. Meinen Milchstau bekamen wir in den Griff. Ich lehnte nach Rücksprache mit meinem Hebammen-Team Antibiotika ab und pumpte und stillte, was das Zeug hielt. Kurz vor der Entlassung kam eine Stillberaterin zu uns und zeigte mir, wie ich bequem im Liegen stillen konnte. Leider kamen wir jedoch nicht drum herum, mit Stillhütchen zu stillen, da mein Sohn einfach nicht mit der Brust klar kam. Ich hatte mich so gegen diese Dinger gewehrt, kam mir behindert vor, als bräuchte ich eine Prothese. Aber als ich sah, wie problemlos er mit den Hütchen trinken konnte, war ich für den Moment einfach nur dankbar. Neustart- alles auf Anfang. Es folgten zehn weitere Monate, in denen ich Levi stillte. Aber auch in dieser Zeit erlebten wir Höhen und Tiefen. Aufgrund der mangelhaften Entleerung der Milchkanäle durch die Hütchen, musste ich mich durch sechs weitere Milchstau-Szenarien kämpfen. Einer endete mit einem Notarzt-Einsatz weil mir plötzlich so übel wurde und ich drohte ohnmächtig zu werden. Der Papa war leider nicht in greifbarer Nähe und so blieb mir nur der Anruf bei der 112, denn ich hatte plötzlich große Angst, bewusstlos neben meinem Baby zu liegen. Der Arzt wollte mir erst noch genervt erzählen „Müssen se halt abpumpen!“ und nahm mich gar nicht ernst. Bis er dann aber meinen Herzschlag abhörte und mich mit großen Augen ansah „Oh! Sie haben ja total Herzrasen, kein Wunder, dass Ihnen schlecht ist!“…. (Ach nee, ich rufe immer die Feuerwehr an, wenn mir langweilig ist, du Idiot!) Auch dieses Stau bekam ich dank eiserner Pflege meiner Brüste, Bettruhe, jeder Menge Quark und Retterspitz in den Griff und ganz nach dem Motto „was mich nicht umbringt, macht mich stark“, stillte ich weiter, als wenn nichts gewesen wär. Und auch, wenn es für viele wahrscheinlich unverständlich ist, selbst in dieser Situation habe ich nicht ans Abstillen gedacht. Ich wollte meinem Baby das Beste mit auf den Weg geben und ich wollte, dass ER entscheidet, wann der Zeitpunkt gekommen ist, an dem er diese Form der Ernährung aber auch Zuwendung nicht mehr braucht. Und der Plan ging auf. Mit nur 11 Monaten stillte Levi sich komplett ab. Er fand feste Nahrung wesentlich spannender. Vielleicht lag es auch an der „Silikonbarriere“ zwischen uns. Zum Saugen hatte er ja schließlich Silikon in Form seines Nuckels, dafür braucht er mich nicht mehr. Komisch war das, plötzlich war es vorbei. Aber es war ok, es fühlte sich richtig an und ich war – zugegeben – mächtig stolz auf mich. Wir haben echt was geleistet. ICH habe was geleistet. Als ich dann im Januar 2015 das zweite Mal schwanger wurde, hatte ich viel mehr Angst vor möglichen Stillschwierigkeiten, als vor der Geburt. Meine Hebamme (dieses Mal eine andere) gab mir aber immer das Gefühl, dass wir das gemeinsam schaffen werden. Und was soll ich sagen? Die Geburt war ein „Spaziergang“ und noch während ich meine Hebamme ansah und fragte „Wie? Die ist schon da???“, lag meine Tochter schon auf meiner Brust. Sofort legten wir sie an und sie saugte, als hätte sie nie etwas anderes getan. Von Beginn an, klappte dieses Stillen perfekt. Ja, ich hatte nach einige Tagen wunde Brustwarzen aber das gab sich, als ich auf die richtige Anlegetechnik achtete ganz von selbst. Heute ist Juna 17 Monate alt und wir stillen immer noch. Zwar nur noch ein bis zwei Mal am Tag aber ich merke, dass sie es noch braucht. Auch jetzt vertraue ich wieder darauf, dass mein Kind mir zeigt, wann es bereit ist, sich abzustillen. Denn, was sind schon ein, zwei oder drei Jahre im Vergleich zum ganzen Leben? Und der Blick an dir entlang abwärts, in die verträumten Augen deines Kindes, seine Hand auf deiner Brust ruhend, ist einfach unbezahlbar.

 

 

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