Als Mamas wachsen wir täglich über uns hinaus, physisch und mental reifen wir an dieser großen Aufgabe. Geben Liebe, Zuneigung, Geborgenheit, versuchen die besten Entscheidungen für uns und unsere Kinder zu treffen. Mama sein bedeutet aber auch in vielen Situationen die Kontrolle abzugeben und unseren kleinen Würmchen sind die Mitmenschen und gutes Benehmen noch völlig egal. Und das kann für uns schon mal unangenehm werden. Heute erzählen vier Mamis von ihren (bislang) peinlichsten Momenten.

Mimi:

Mein Sohn war gerade eine Woche alt und mit dem Stillen klappte es mehr schlecht
als Recht. Die meiste Zeit verbrachte ich auf dem Sofa. Umgeben von einer
elektrischen Milchpumpe, literweise Stilltee und einer kleinen Raupe Nimmersatt.
Da mir seit dem Milcheinschuss obenrum unglaublich warm war, durfte lediglich
eine leichte Decke meinen Brüsten nahe kommen.

Plötzlich klingelte es an der Tür. Oh näää. Ich warf mir fix eine leichte
Strickjacke über und huschte etwas widerwillig in Richtung Haustür. Ich war
überaus froh, als sich der vermeintliche Spontanbesuch ledigtlich als der
Postbote herausstellte. Ich muss wohl vor Erleichterung etwas zu stark gesäufzt
haben, so dass mir binnen einer Sekunde der einzig verschlossene Knopf meiner
Strickjacke aufplatzte. Tadaaa. Bäm. Oops. Mein Gesicht nahm die Farbe meiner
beanspruchten XL-Brüste an.

Auf mein „Hey, ähhhh, aber bitte nicht wegen sexueller Belästigung am
Arbeitsplatz verklagen, ok?“ nickte mir der junge Mann nur verlegen zu. Ich war
irgendwie froh, als man ein leises, zartes Baby-Quengeln aus dem Nebenzimmer
hören konnte…

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Maracla:

Wer kennt es nicht, man sitzt im Flugzeug oder hat eine lange Zugreise vor sich und schon beim Setzen bemerkt man, dass Kleinkinder oder Babys mitreisen. Na gut – ich gehöre nicht zu den Menschen die das schrecklich finden, trotzdem stellt man sich zwangsläufig auf ein schreiendes oder quengelndes Kind ein. Gut, jetzt bin ich erst seit fast drei Monaten Mutter meines kleinen Mannes. Von Anfang an mochte er seine Stimme auch ziemlich gerne, sodass ich häufig ein schreiendes, lautes Baby beruhige. Wie kann es dann anders kommen, als das ich der oben beschriebenen Situation erliege. Diesmal jedoch von der anderen Seite. Von der Seite über die man sich, oder ich mir bisher am wenigsten Gedanken gemacht habe. Aus der Sicht einer Mutter. Eine Mutter die wohl eine der typischsten, unangenehmen Situation erlebt. Bei uns war es in einem Restaurant. Völlig erschöpft in einer fremden Stadt besuchten wir das einzige Restaurant das geöffnet hatte. Chinesisches Buffet sollte es werden. Der kleine Mann schlief in der Trage. Wir setzten uns, ich fing an mich auszuziehen und von der Trage zu befreien. Kaum hatte ich sie gelöst, hörte ich schon den Protest. Ok ich machte schon mal ein Fläschen fertig. Nun ist es bei meinem Sohn so, dass es sich gerne schnell aufregt. Ich vermutete Hunger, gab ihm die Flasche und erntete eine Schreiattacke. Es fing bereits an unangenehm zu werden, außer uns waren zwar nur zwei andere Tische besetzt, jedoch flogen uns schon vorwurfsvolle Blicke entgegen. Ich wollte schnell an einen Ort der ruhiger war, die Besitzer des Restaurants waren sehr nett und ich durfte in den hinteren Teil des Restaurants. Das schreiende Kind, welches übrigens immer roter wurde, auf dem Arm, die Flasche in der Hand und die Trage noch um die Hüfte gewickelt, lief ich also auf und ab. Eine halbe Stunde. Und mein Sohn konnte sich nicht beruhigen, stattdessen wurde es immer schlimmer. Langsam war ich auch mit meinem Latein am Ende. Er wollte oder konnte nicht trinken, weder Flasche noch Brust. Kein Fliegergriff, kein über die Schulter hängen. Kein Trost. Kein Singen. Keine Windel. Keine Mama. Kein Papa. In der Hoffnung irgendetwas beruhigt ihn. Fehlanzeige. Da kommt man ganz schön ins schwitzen, so oder so. Jetzt saßen da ja aber auch noch andere Leute. Im Nachhinein fällt mir auf, dass ich in Gedanken sehr viel bei diesen Menschen war. Ich schämte mich, mir war es unangenehm das Essen zu stören. Gleichzeitig ärgere ich mich nun, dass diese Gedanken im Vordergrund standen. Also Kapitulation. Das Grauen wieder durch das gesamte Restaurant laufen zu müssen. Wir sammelten unsere sieben Sachen ein, welche gefühlt überall herum lagen. Konnten irgendwie noch etwas zum Mitnehmen bestellen und verließen schleunigst das Restaurant. Die Besitzer waren übrigens grandios. Sehr hilfsbereit. Eine der Kellnerinnen legte meinen Schreihals die Hand auf, erzählte irgendetwas auf chinesisch und sagte: “Angst. Angst.” Okay, scheinbar verstand sie ihn gerade besser als ich. Am Ende lag mein Sohn im Hotelzimmer ohne Windel auf dem Bett und war das glücklichste Kind der Welt. Während wir uns auf Abstand das Essen teilten.
Nun darauf muss ich mich wohl einstellen oder? Vielleicht nicht auf ständiges Schreien. Aber auf unangenehme und peinliche Situationen. Und eigentlich freue ich mich auch darauf. Denn am Ende des Tages muss man darüber dann doch schmunzeln. Wie es so ein kleiner Mensch schafft deine ganze Welt auf den Kopf zu stellen. Ich freue mich auf die spannende Zeit, auf so viele nie dagewesenen Situationen. Auch wenn ich dabei noch häufig die Leidtragende sein werde.

In Gedanken bei all den Müttern! Wir schaffen das.

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Denisa:

Während meines kleinen Einkaufsbummels in die Essener Innenstadt hat Emilia geschlafen. Da Sie alle 2-3 Stunden isst muss ich mir meine Zeit immer gut einteilen. Bisher kam ich nicht dazu in der Öffentlichkeit zu stillen. Meistens habe ich mir die Zeit so eingeteilt, dass ich zu Hause bin, wenn es Zeit war zu essen. Ich fühle mich aber mittlerweile sicher beim Stillen und so habe ich mir vorgenommen mich in ein gemütliches Café zu setzen um zu stillen. Emilia war gut drauf also hielt ich es für eine gute Idee. Ich fand wie gewünscht eine Ecke ganz hinten um mich hinzusetzen und nahm kurz darauf Emilia aus den Kinderwagen. Ihre Blicke gaben mir Bedenken, sie schaute traurig mit einer piepsigen Stimme. Ich dachte mir nachdem sie gegessen hat wird es wieder besser. Also versuchte ich sie zu stillen und plötzlich ging es los. Es fing mit einem leichten Weinen an und endete dann in ein Geschrei der nur aus Tränen bestand. So hatte ich sie bisher noch nie erlebt. Nichts hatte geholfen… Egal was ich gemacht habe, durch nichts hat sie sich beruhigen lassen. Alle Blicke in dem Café waren auf uns gerichtet… Mir wurde so heiß, als hätten wir Hochsommer in Italien. Ich habe mich in dem Moment so unangenehm gefühlt und musste aber irgendwie die Ruhe bewahren… das Schlimmste dabei war Emilia so weinen zu hören, es hat mich fast zum Weinen gebracht denn es tat mir so leid nicht gemerkt zu haben, dass sie nicht bereit war, dass für sie so viele Menschen an einem Platz, so viele Geräusche und Gerüche einfach zu viel war. Und so stand ich da mit meinem Baby im Arm die das ganze Café zusammen geschrien hatte und ich hin und her lief um zu versuchen sie zu beruhigen. Mein Mami-Herz war in tausend Stücke gebrochen. Letztendlich ist sie nach knapp einer Stunde vor Müdigkeit durch das Weinen eingeschlafen und so konnte ich sie schnell wieder anziehen in den Kinderwagen setzen und nach Hause fahren. Als ich dann im Auto saß und auf dem Heimweg war ließ ich los und musste einfach weinen. Ich fühlte mich schlecht und diese Blicke die auf mich gerichtet waren… als hätte ich deren Gedanken lesen können. Es war für mich traurig und unangenehm zugleich. Ich hatte keine Kontrolle über die Situation und das ist etwas womit ich mich recht schwer tue… Die Kontrolle zu verlieren. Einige von euch die das hier nun gelesen haben denken sich: „Oh ja, das hatte ich schon mal!“ Einige noch nicht und werden es vielleicht noch erleben. Ich denke aber so ist das nun mal mit Kindern, sie werden uns immer wieder aufs Neue überraschen mal positiv mal negativ, aber nur so lernt man auch einander kennen… und am Ende des Tages lachen wir drüber denn man sagt ja nicht umsonst, Lachen ist gesund! Wie war es bei euch? Schreibt mir, ich bin ganz gespannt auf eure Geschichten!

Bis dann ihr Lieben!

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Manuela:

Warum mir das (nicht) peinlich ist…

Peinlich…meine Kinder sind mir nicht peinlich! Schließlich sind Kinder das ehrlichste und unvoreingenommenste auf der Welt, da könnte sich so mancher Erwachsener eine Scheibe abschneiden. Kinder handeln noch aus dem Bauch heraus, sagen was sie denken und das stößt manche Menschen vielleicht vor den Kopf oder bringt sie in Verlegenheit…in solchen Momenten ist es als Mama oft schwierig den richtigen Weg zwischen „laut loslachen“ oder „bestimmt aufklären“ zu finden. Ich zähle mich hier eher zu den Mamas die lachen müssen.

 Unangenehme Momente gab es aber schon…zum Beispiel diese verhexte Trotzphase mit ihren unberechenbaren Wutanfällen…diese Wutanfälle, Schreiattacken, Treten, Beißen und alle anderen, nennen wir sie mal sarkastisch „nicht-gesellschaftsüblichen Reaktionen“, die überall zuschlagen können…auch im Supermarkt, in öffentlichen Verkehrsmitteln, beim Arzt, wenn man als Mama schon schwitzt, müde ist und laut losheulen könnte, weil es einfach Tage gibt an denen nicht alles so läuft wie man es gerne hätte. Genau dann kann man sich noch unangebrachte Kommentare anhören wie „irgendwo muss das Kind dass doch gesehen haben“, „das Kind hat Hunger“, „dem Kind ist heiß“, usw.
Es gibt mit Sicherheit angenehmere Mama-Momente.
Das bringt mich wieder zurück zum Thema „peinlich“… denn DAS finde ich peinlich!
Warum denken so viele Leute besser über ein fremdes Kind bescheid zu wissen als die eigenen Eltern?
Da wird getuschelt und beurteilt und immer wieder geht es um Dinge wie…
Warum schläft das Kind (nicht) im Bett der Eltern?
Warum muss/darf ein Kind (nicht) mit 14 Monaten eine Kinderbetreuung besuchen?
Warum will/kann eine Mama (nicht) (lange) stillen?
Warum impft man sein Kind (nicht)?
… um nur ein paar zu nennen.
Ich denke keine Mutter macht sich eine Entscheidung leicht – egal um was es geht. Man versucht nach bestem Gewissen zu handeln und gibt was man kann. Es geht hier schließlich um diesen besonderen Menschen, den wir so sehr lieben und der uns so unfassbar stolz macht. Jede Mama will das Beste für ihr Kind – aber es gibt verschiedene Arten von „das Beste“ und das ist sehr gut so. Nicht immer passt die eigene Entscheidung auch für ein anderes Kind, aber deswegen wird es sicher nicht weniger geliebt.
Vorurteile? Sind irgendwie menschlich und keine große Überraschung in Zeiten von Perfektionismus, gesellschaftlichem Druck und einer hohen Erwartungshaltung (teilweise nicht nur) einem selbst gegenüber.
Würde es auch reichen anstelle von Vorurteilen einfach „nur“ eine Meinung zu haben?
Natürlich hab ich mich auch schon selbst dabei erwischt: Schubladendenken, nicht darüber nachgedacht, aber einige Begegnungen und Gespräche über das „warum“ haben es leicht gemacht vieles anders zu sehen.
Hinter jeder Entscheidung steckt schließlich ein Gedanke, eine Geschichte, Hoffnung und der Wunsch, dass die Entscheidung, die man für sein Kind trifft, gut ist. Die Wörter „richtig“ und „falsch“ sind hier fehl am Platz.
Und am Wichtigsten: die Liebe zum Kind.
Vielleicht ist es eine gute Chance am Ende des Jahres an ein paar Mama-Momente zurück zu denken. Sich vor Augen zu halten, dass Themen wie Gesundheit, Wünsche, Wohnen, Leben, Urlaub, Essen, Arbeit, Existenz, Freizeit, Geld – wahrscheinlich die meisten Familien beschäftigen. Aber jedes Thema, für jede Familie, eine eigene Wertigkeit hat.
Wir Mamas sitzen im selben Boot. An manchen Tagen scheint die Sonne und an manchen ist es eher stürmisch. Wir alle kennen das und gerade deswegen sollte es uns doch leichter fallen uns gegenseitig mehr wertzuschätzen.
Nicht zu urteilen. Die andere einfach so behandeln wie man selbst gerne behandelt werden möchte. Vielleicht mit einem Rat zur Seite stehen oder nur zuhören. Kurz gesagt: Einfach mal die Meinung (nicht) für sich behalten…
Hallo, ich bin Melli, an meiner Seite sind der kleine Louis und mein Mann Björn. Bevor ich Mama wurde, habe ich Modejournalismus studiert und arbeitete anschließend in einer Promi-Redaktion. Gab es zu der Zeit für mich nichts Spannenderes als: „Welches Kleid trägt XY zu den Oscars“ und „Hat Promi ZZ tatsächlich eine Affäre“, interessiere ich mich heute brennend dafür, wann unser kleiner Mann seine ersten Schritte macht und ob Pampers Baby Dry Night wirklich länger trocken halten?! Louis ist eindeutig der Star in unserem Haushalt und wie es sich für eine richtige Diva gehört, hat er sich Zeit gelassen, in unser Leben zu treten. Erst, als ich schon daran zweifelte, dass bei uns alles auf natürlichem Wege laufen würde, passierte „es“ in einer feucht-fröhlichen Nacht. Und so begann die aufregendste Reise meines Lebens… Jetzt ist der kleine Keks schon ein Kleinkind und hat unser Leben bereits ordentlich auf den Kopf gestellt.