Der Weg bis zu einer Schwangerschaft ist manchmal nicht leicht. Wie ihr alle wisst, lief bei mir selbst nicht alles nach Plan, ihr könnt meine Geschichte gern hier noch einmal nachlesen. Daraufhin erhielt ich viele Kommentare und Nachrichten von Frauen, denen es ähnlich erging oder die mir einfach nur ihre Erfahrungen erzählen wollten.  Deshalb dreht sich dieser Mami-Talk ganz um das Thema „Kinderwunsch“ und die Höhen und Tiefen, die er mit sich bringen kann. Bei den einen, klappte es dann doch recht unkompliziert, andere sind den Weg über eine Klinik gegangen. Ihr müsst entschuldigen, dass die Beiträge der Gastautorinnen dieses Mal etwas länger ausgefallen sind, aber so etwas, lässt sich kaum kurz fassen. Nehmt euch die Zeit, es lohnt sich.

Verena: 4 Jahre

Bis zu unserer Hochzeit im September 2011 lebte ich ein ganz normales Leben – ich war 31 Jahre alt, über 6 Jahre fest liiert, arbeitete nach Ausbildung und Studium in der Apotheke meiner Mutter und eigentlich war alles perfekt wie es war. Als sich nach der Hochzeit die Fragen nach einem Kind mehrten, überlegten wir, ob es wohl einen geeigneten Zeitpunkt gäbe, die Pille abzusetzen. Drei Freundinnen waren direkt danach schwanger geworden und vielleicht passierte uns das ja auch. Aber einen wirklichen Kinderwunsch verspürte ich zu dem Zeitpunkt noch nicht. Im April 2012 war es dann soweit und es begann eine aufregende Zeit. Schließlich hatten wir in all den Jahren zuvor alles getan, um nicht schwanger zu werden.

Ungefähr zur selben Zeit erfuhr ich von zwei Freundinnen, die nach monate- bzw. jahrelangem Kinderwunsch in eine Kinderwunschklinik gingen. Und wenn ich ehrlich bin, bekam ich damals schon so ein Gefühl, dass auch unser Weg zum Wunschkind gerade erst begonnen hatte.

Mein Zyklus war mehr als unregelmäßig (alles zwischen 27 und 100 Tagen war dabei) und ich fing an morgens vor dem Aufstehen die Temperatur zu messen, um einen Eisprung voraussagen zu können. Ich erstellte Monat für Monat Temperatur-Tabellen, aber nichts passierte. Wir machten tolle Urlaube, immer mit dem Gedanken, es könnte ja der letzte zu zweit sein. Und obwohl ich nicht schwanger wurde, war es eine intensive partnerschaftliche Zeit, in der wir immer mehr zusammenwuchsen.

2013 fing ich dann an, Ovulationstests zu verwenden, denn das morgendliche Temperaturmessen nervte mich zunehmend. Und ich wechselte im Sommer zu meinem jetzigen Gynäkologen. Er schlug mir vor, ein Hormonpräparat zur Eizellreifung einzunehmen. 6 Zyklen könne man das probieren, bei mir war im 5. Zyklus Schluss, als sich eine Zyste bildete. So führte uns unser Weg nun tatsächlich in eine Kinderwunschklinik. 3 Monate mussten wir auf einen Termin warten und hatten dann im Sommer 2014 zunächst ein Beratungsgespräch. Es folgte eine gründliche Blut- und Ultraschalluntersuchung bei mir und eine Blutuntersuchung sowie ein Spermiogramm bei meinem Mann mit dem Ergebnis, dass eigentlich alles ok sei. Zwar keine Top Werte, aber auch keine Ursache für unsere Kinderlosigkeit.

Meine Ärztin schlug uns vor, meine Eizellproduktion mit Hormonspritzen zu stimulieren. Das heißt ich spritzte einige Tage eine festgelegte Dosis an Hormonen, ging dann zum Ultraschall, um zu überprüfen, dass nicht gerade mehrere Eizellen heran reiften, sondern bestenfalls nur eine. Dann wurde festgelegt, wann ich den Eisprung auslösen würde (wieder mit einer Spritze) und wann mein Mann und ich dann Sex haben sollten. Klingt nicht grad romantisch? War es auch ehrlich gesagt nicht. So auf Knopfdruck genau um 22.15 Uhr und am besten dann noch einmal morgens gegen 6 Uhr Lust zu verspüren ist schon etwas ‚anders‘. Aber wir haben das beste draus gemacht.

14 Tage später ging es dann zum Bluttest. Die Wartezeit war immer das schlimmste. Vorher konnte man was tun und wenn es nur das Spritzen setzen abends war. Aber in der Warteschleife musste man einfach nur seinem Körper vertrauen, glauben, hoffen, beten und versuchen nicht durchzudrehen. Mittags kam der Anruf meiner Ärztin. Ich hörte es schon an ihrer Stimme. Jedes Mal. ‚Frau M., es tut mir leid. Sie sind nicht schwanger.‘

Meistens war ich sehr gefasst. Wir machten bis Mai 2015 insgesamt 4 dieser Versuche, bis wir gemeinsam mit der Ärztin den nächsten Schritt besprachen. Wir übersprangen den eigentlich nächsten Schritt, die Insemination und gingen direkt zur ICSI über, da wir uns alle höhere Erfolgschancen davon versprachen. Vorher musste jedoch alles von der Krankenkasse genehmigt werden, wir haben sogar extra die Krankenkasse gewechselt, da unsere vorherige nur den gesetzlich vorgeschriebenen Pflichtanteil übernahm und die neue Krankenkasse zu diesem Zeitpunkt 100% finanzierte.

Im Juni 2015 ging es los. ‚Der erste Versuch ist immer ein Testlauf‘, sagte meine Ärztin. Dieses Mal gab es wieder Hormonspritzen, nur die Dosis war höher, weil man ja für die künstliche Befruchtung möglichst viele Eizellen gewinnen möchte. Alle paar Tage ging es zur Ultraschallkontrolle, die Dosis wurde gegebenenfalls angepasst. Dann war es soweit. Mein Mann und ich gingen morgens in die Klinik. Ich war nüchtern, da die Eizellgewinnung unter Vollnarkose durchgeführt wird. In der selben Zeit geht der Mann mit seinem Becherchen in den Samenabgabe Raum. Das Sperma wird dann im Labor aufbereitet und anschließend die besten Samenzellen für die Befruchtung ausgewählt. Bei der ICSI wird dann eine einzelne Samenzelle mit einer sehr feinen Nadel direkt in eine Eizelle injiziert.

Nun zurück zu uns. Ich lag also da im Aufwachraum, mein Mann war schon bei mir, als irgendwann die Biologin reinkam und mir das vorläufige Ergebnis und weiteres Vorgehen erläuterte. Nach dem Transfer der befruchteten Eizelle – immerhin konnten 2 von 3 Eizellen befruchtet werden, allerdings hatte sich nur eine weiterentwickelt – sagte mir mein Gefühl, dass es nicht geklappt hätte und ich stürzte mich in die Renovierung unseres Hauses. Ich behielt Recht und brauchte eine Pause. Eine Pause, um wieder atmen zu können, um nicht permanent nur an den Kinderwunsch zu denken. Ich steckte mittendrin in diesem Strudel, in dem ich nie sein wollte. Ich sah überall nur Schwangere und Kinderwagen, auf der Arbeit in der Apotheke, die mich eigentlich ablenken sollte, ließ mich jeder verkaufte Schwangerschaftstest oder jede abgegebene Pille danach nur noch mehr an mir und meinem Körper zweifeln und führte mir mein Versagen vor Augen.

Und reden konnte ich eigentlich nur mit meinem Mann und meiner Mutter. Sonst wusste es kaum jemand. Meine Freundin, die dasselbe durchgemacht hatte, war gerade schwanger geworden und so passten unsere Lebenssituationen grad einfach nicht zusammen. Glücklicherweise traf ich zu diesem Zeitpunkt jede Menge ‚KiWu-Mädels‘ auf Instagram. Obwohl wir uns nicht kannten, verband uns so viel. Der Austausch mit einigen von ihnen hat mir so gut getan und in dieser Zeit sehr geholfen.

Nach dem Umzug in unser Haus wagten wir einen neuen Versuch, dieses Mal mit dem sogenannten langen Protokoll. Die Spritzen begannen noch im alten Jahr, die Punktion und die restliche Prozedur folgte Anfang 2016. Neues Jahr – neues Glück. So sagt man doch. Es sah auch alles sehr vielversprechend aus: Dieses Mal konnten 12 Eizellen punktiert werden, auch fand der Transfer erst zu einem späteren Zeitpunkt statt, wo die befruchteten Eizellen bereits ein weiteres Stadium erreicht hatten. Es wurden 2 Blastozysten eingesetzt und ich war voller Hoffnung.

Als nach dem Bluttest der Anruf meiner Ärztin kam, war ich auf der Arbeit. Erneut hörte ich es an ihrer Stimme: ‚Frau M., ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute ist, sie sind schwanger, die schlechte ist, dass der Wert so niedrig ist, dass sie es vermutlich nicht bleiben!‘ Wir vereinbarten einen Termin für einen weiteren Bluttest und einen für ein Gespräch. Dann zog es mir den Boden unter den Füßen weg. Ich fuhr nach Hause. Auf dem Weg kam ich an einem Haus vorbei, wo im Vorgarten ein Storch aufgestellt war und Babyklamotten hingen. Ich verfluchte Gott, mein Schicksal, meinen Körper, die ganze Welt und brauchte Wochen, um wieder lachen zu können. Was mit half war nur der tiefe Glaube daran, dass alles irgendwann einen Sinn macht. Dieses verewigte ich mir im April 2016 auf meinem Arm: ‚Everything happens for a reason‘ – mein Lebensmotto und mein Anker.

Nach einem Gentest, der völlig unauffällig war, starteten wir im Sommer 2016 den 3. Versuch. Die Warteschleife war nervenaufreibender denn je. Am Tag des Bluttests nahm ich mir einen Tag Urlaub und wartete auf den Anruf meiner Ärztin, der ab 12 Uhr erfolgen sollte. Um 14 Uhr rief ich in der Klinik an, ob sie mich vergessen hätten. Nein, die Ärztin würde noch anrufen. Das tat sie dann um 15 Uhr. Ihre Stimme. Sie war anders. Sie war gelassen. ‚Herzlichen Glückwunsch, Frau M., sie sind schwanger.‘ Ich weinte Freudentränen. Wir waren noch lange nicht am Ziel, aber ab dem Zeitpunkt war ich hoffnungslos hoffnungsvoll. Alle Steine und Hürden, die auf unserem Weg lagen, hatten wir nun hinter uns gelassen. Jetzt gehörten wir nach über 4 Jahren plötzlich zur anderen Seite.

Unser Wunder – was es für uns immer sein wird – kam im April 2017 zur Welt. Und obwohl ich jetzt eine Mama bin, werde ich im Herzen immer ein KiWu-Mädchen bleiben.

 

Diana: 6 Monate

Bei dem Gedanken meinen Liebsten irgendwann zu heiraten, machte sich jedes Mal ein riesen Grinsen auf meinem Gesicht breit. Wir waren bereits 10 Jahre sehr glücklich zusammen und allmählich konnte der nächste Schritt kommen. Von einem Antrag oder gar einer Hochzeit war aber absolut nicht die Rede.

So langsam machten sich so einige Nichten und Neffen in der Familie breit und auch Freunde von uns waren im „gebärfähigen Alter“ und somit wurde die Familienplanung immer öfter zu einem Thema bei uns. Ich war schon längst bereit dafür und mein Mann schien auch immer mehr Herzflattern bei dem Gedanken zu bekommen, bald einen eigenen kleinen Menschen im Arm zu halten. Und so entschieden wir im August 2014 ganz locker die Pille abzusetzen und einfach mal zu schauen, wie sich das ganze mit der Familienplanung so entwickelt. Für den Rest des Jahres tat sich nicht viel an der Babyfront, aber wir waren entspannt und konnten das „Trainingslager“ noch in vollen Zügen genießen.

Bis zu dem Abend des 19. Dezembers. Wir waren mit Freunden zum Kino verabredet und mein Mann war irgendwie komisch drauf. Das bemerkte ich zwar, aber es war eine anstrengende Zeit im Büro, es war kurz vor Weihnachten und wir waren einfach k.o. Somit habe ich dem keine weitere Beachtung geschenkt und den Abend im Kinosessel entspannt. Auf dem Nachhauseweg überkam mich die Müdigkeit und meinen Liebsten ein Laberflash. Was war los mit dem Kerl? Zu viel Koffein? Ich wollte nur noch ins Bett und schmiss mich in den verschlabbersten Look, den mein Kleiderschrank wohl besaß. Abgeschminkt und mit Augenringen bis zu den Kniekehlen wollte aber mein aufgedrehter Freund noch schnell was mit mir besprechen und lockte mich nochmal eine Etage höher. Dort angekommen erwartete mich ein Meer von Rosen und Kerzen und ein wundervoller, romantischer und perfekter Heiratsantrag. Ich war auf Wolke 7 und konnte es nicht fassen, dass ich tatsächlich einen traumhaft schönen Ring am Finger trug, der meine Verlobung symbolisierte. Verrückt…

Ich war also vollkommen im Verlobungsglück und Hochzeitsrausch. Wir ließen Weihnachten und Silvester an uns vorbeiziehen und im neuen Jahr fingen wir an unsere Hochzeitspläne zu schmieden. Ach was habe ich es geliebt zu recherchieren und zu organisieren und zu basteln und zwischendurch auch mal an dem Babythema zu arbeiten. Anfang Februar hatte ich einen Routinetermin bei meinem Gynäkologen, den ich in unsere Babypläne einweihte. Zufälligerweise konnte er am Ultraschall feststellen, dass mein Eisprung kurz bevor stand und somit die Chancen für eine Befruchtung sehr gut standen. Ok, gut. Gesagt – getan! Ehrlicherweise hatte ich zu diesem Zeitpunkt meine Eisprungkalender-App gar nicht mehr auf dem Schirm, was drei Monate zuvor mein täglicher Begleiter war. Mein Fokus lag im Moment tatsächlich mehr auf meiner bevorstehenden Hochzeit im Juni. Ich würde gern schwanger heiraten, aber hätte auch nichts dagegen mein Fest der Liebe mit Sekt und Prosecco und Weinchen zu begießen. Wir hatten also ganz viel Kopf und eine Menge Spaß bei unseren Hochzeitsvorbereitungen.

Da fiel es mir auch erst einmal gar nicht auf, dass meine Periode schon einige Tage überfällig war und ich immer mal wieder eine leichte Übelkeit nach meinen Mahlzeiten verspürte. Ich wollte es nicht überbewerten, denn in den ersten Monaten, nach dem ich die Pille abgesetzt hatte, hatte ich schon super eindeutige Schwangerschaftsanzeichen, die keinen Zweifel ließen, dass es auf jeden Fall geklappt haben muss. Dem war aber nicht so und es gehört wohl auch einfach dazu, dass man sehr sensibel in seinen Körper hinein hört und alles sofort auf eine mögliche Schwangerschaft schiebt.

Ich ignorierte also die ersten, wahren Anzeichen und somit verstrichen noch einige Tage, bis wir uns trauten einen Test zu machen. Es war ein Samstag Morgen – um genau zu sein, der 21. Februar und vor lauter Aufregung konnte ich ab 6.00 Uhr nicht mehr schlafen. Kaum hatte ich auf den Test gepieselt, waren da auch schon zwei Streifen zu sehen. Wow- zwei Streifen. Warte mal, was bedeutet das nochmal??? Das Prinzip eines Schwangerschaftstests ist ja nun wirklich sehr simpel, aber ich musste trotzdem nochmal in der Packungsbeilage nachlesen, was nochmal diese Streifen genau bedeuteten.

Das Ergebnis zeigte also an, dass ich schwanger war, WOW. Dieses Gefühl ist einfach flashig und unbeschreiblich. Der absolute Wahnsinn! Wir erwarten ein Baby. Wir waren vollkommen aus dem Häuschen und so so glücklich. Bald würden wir also zu Dritt sein. Was freute ich mich darauf an meiner Hochzeit mein Baby und meinen Mann ordentlich mit Sprudelwasser zu feiern und unsere Liebe zu begießen.

Ich wurde an dem Tag schwanger, an dem ich beim Frauenarzt war und er mir sagte, dass ich meinen Verlobten doch mal ganz dolle lieb haben sollte. Klar war es nicht ein „Oh, es hat sich so ganz romantisch von ganz allein ergeben“- Ding, aber es hat geklappt. Nach 6 Monaten. Und ich glaube es lag daran, dass wir weiterhin recht entspannt waren und den Fokus tatsächlich zu der Zeit mehr auf die Hochzeit als auf ein Baby legten. Und einen perfekten Zeitpunkt erwischt hatten.

 

Elisa:  3 Jahre

„Wir wollen ein Baby.“ – Unser Weg zum Wunschkind.

Als mein Mann und ich uns im Dezember 2012 kennenlernten, stand schnell fest, dass wir bald zusammen ziehen wollen. Im März 2013 haben wir es gewagt und sind zusammen in unsere erste gemeinsame Wohnung gezogen. Zu unserem Liebesglück machten uns zwei kleine Katzen und bald darauf auch ein Hund glücklich. Unser Glück – unser Leben schien perfekt. Zu unserem wunderbaren Leben aber fehlte noch eins: Ein Wunschkind. So beschlossen wir ab Dezember 2013 nicht mehr zu verhüten. Wir schmiedeten fleißig Pläne, wie unser Kind heißen würde, welche Babymöbel, Kinderwagen usw. wir haben wollten. Alles war so aufregend, einfach nicht mehr zu verhüten und ein Baby zu „planen“. Doch da war es: Das Schicksal. Das Schicksal sagte uns, dass das Leben eben nicht nach Plan läuft. Aber wieso ? Bis jetzt ist bei uns doch alles nach Plan gelaufen. Es klappte einfach nicht. Nach (erst) 4 Monaten fleißig am „Üben“, merkte ich: da stimmt doch etwas nicht. Nachdem ich beim Frauenarzt mich untersuchen ließ, meinte sie nur „ Frau W. – es ist bei Ihnen alles in Ordnung und außerdem kann es bis zu einem Jahr dauern bis man Schwanger wurde.“ Ein Jahr ? Ein Jahr sollen wir es einfach so probieren? Ich hatte da ein Gefühl, das mir sagte da  stimmt einfach etwas nicht. Wir sind beide 23, „kerngesund“ und es funktioniert nicht. Ich sagte zu meinem, damals noch Freund,  er sollte sich untersuchen lassen. Er willigte auch schnell ein und so hatte A. einen Untersuchungstermin. Ein sogenanntes Spermiogramm wurde gemacht. Ca. eine Woche später sollte er zur Besprechung. Wir haben zuhause noch Scherze darüber gemacht und lachten über die bevorstehende Besprechung. Wir wussten zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass das Lachen uns bald sehr schnell vergehen würde. Als wir im Untersuchungsraum saßen, meinte der Arzt „ Ja Herr D. , so wie es aussieht klappt es nicht auf natürlichen Weg – sie brauchen eine künstliche Befruchtung.“

Stille.

Diese Stille kam mir wie eine ganze Ewigkeit vor. Mein Freund und ich antworteten darauf nichts. Uns blieb die Sprache weg. Der Arzt meinte dann nur noch ganz euphorisch. „Ach, sie sind beide jung, sie probieren es einfach trotzdem.“ Eine rießen große Leere und Angst machte sich in mich breit. Ich hatte das Gefühl, das sei das Schlimmste in meinem Leben was bisher geschah. Wirklich drüber reden konnte ich mit A. auch nicht. Ich glaube, er war selbst zu sehr geschockt. Über einige Zeit, haben wir es ganz fest geheim gehalten. Es ist ein Tabuthema – es ist etwas schlechtes- es ist nicht normal – es ist zum Schämen. Ja genau, diese Gedanken hatten wir. Im Internet machten wir uns schlau bezüglich künstlicher Befruchtung. Damit die Krankenkassen 50% der Kosten übernehmen , sind die Bedingungen  verheiratet zu sein und ein Mindestalter von 25 Jahre. Okay, das Thema Kinderwunsch und unser größter Herzenswunsch wurde erst mal hinter einer sehnsüchtigen Türe verschlossen. Wir waren gezwungen, diesen Wunsch erst mal zu verdrängen. Finanziell hätten wir uns das nie leisten können, es aus eigener Tasche komplett 100% zu übernehmen. So wurde aus dem großen Herzenswunsch eine kleine Seifenblase , die einfach zerplatzte und 2 Jahre lang erst mal ruhen musste. Wirklich geruht hat diese Sehnsucht natürlich trotzdem nicht. Monat für Monat habe ich trotzdem gehofft, dass es vielleicht ja doch auf natürlichen Weg funktionieren könnte. In dieser Zeit , sind etliche Arbeitskolleginnen und Freundinnen schwanger geworden. Natürlich freut man sich darüber , aber da kommt doch einfach immer wieder die Frage „ Warum?“ – „Warum- klappt es bei denen und warum bei uns nicht ?“ Am Allerschlimmsten empfinde ich es aber bei „Ups, es war ein Ausrutscher und dann war ich schwanger.“ Oder „ Eigentlich wollten wir nie Kinder und dann passierte es einfach“ – „ Bei mir klappte es beim ersten Versuch .“ Schnell war klar, wir möchten über unseren Kinderwunsch ganz offen sprechen. Es fühlte sich viel freier an. Ich wusste sehr schnell, Kinderwunsch und Unfruchtbarkeit ist kein Tabuthema. Ich lernte immer mehr Menschen, auch sehr viele junge Menschen kennen ,  denen es genau so oder ähnlich ergangen ist wie uns. Künstliche Befruchtung ist kein Grund für Scham oder für große Geheimnistuerei. Gemeinsam mit A. beschlossen wir diesen Weg positiv zu gehen. Und dazu gehört es auch, es jedem zu erzählen. Keiner hat darauf schlecht reagiert oder uns bemitleidet. Die künstliche Befruchtung und der Kinderwunsch gehört einfach jetzt zu unserer Beziehung dazu. Das Leben läuft eben nicht Plan, aber aus Steinen die einem in den Weg gelegt werden, kann man trotzdem etwas schönes bauen.

So beschlossen wir im Sommer 2016 zu heiraten. Um eine Kinderwunschklinik machten wir uns auch schlau. Da ich sehr viel Zeit hatte mich mit dem Thema „künstliche Befruchtung“ auseinander zu setzen, haben wir uns für eine Kinderwunschklinik mit einem sehr guten Ruf in Österreich entschieden. Ich rief also in der Kinderwunschklinik an. richtig nervös wurde ich, doch die nette Dame am Telefon war so freundlich und erklärte mir erst mal die formellen Sachen. Ein paar Dinge wie z.B.: Untersuchungsberichte sollten wir vor unserem Erstgespräch hinschicken. Kurze Zeit darauf hatten wir dann das sogenannte Erstgespräch mit dem Arzt. Er nahm sich sehr viel Zeit und klärte uns auf. Nachdem mein Mann nochmal ein Spermiogramm hat machen lassen, stand fest wir benötigen die sog. „ICSI“ . Die ICSI (Intrazytoplasmatische Spermieninjektion) ist die häufigste Methode einer künstlichen Befruchtung. Bei einer ICSI wird eine einzelne Samenzelle mit einer sehr feinen Nadel direkt in eine Eizelle eingeführt (injiziert), die zuvor dem Eierstock der Frau entnommen wurde.

Bei einem weiteren Termin bekam ich einen Medikamentenplan und ein Rezept mit den ganzen Medikamenten. Die ganzen Spritzen machten mir zunächst Angst,  aber es sieht schlimmer aus als es ist. Jeden Tag Hormontabletten und Spritzen. Das macht den Körper ganz schön zu schaffen. Nebenwirkungen wie starke Kopfschmerzen, Unterleibsschmerzen und Stimmungsschwankungen gehören wohl dazu. Um zu sehen wie die Hormone auf den Körper reagieren, muss man regelmäßig zum Ultraschall um zu sehen wie viele Follikel heranwachsen. Follikel ist quasi die Hülle der reifenden Eizelle im Eierstock. Schnell bemerkte der Arzt , mein Körper reagiert etwas über . Schon über 36 Follikel produzierte er – die Norm hingegen sind 5-10 Follikel. Die Hormone wurden reduziert. Bei der Eizellentnahme, auch Punktion genannt, war ich bei vollen Bewusstsein. Leider stellte sich heraus es waren nur 4 Eizellen reif. Die anderen Follikel waren alle leer. Ich war zunächst sehr enttäuscht und hatte Angst, es würde nicht ausreichen. Der Arzt nahm mir aber die Angst und meinte, es käme nicht auf die Quantität sondern Qualität an. Jetzt kam eine weitere spannende Zeit: wie viele der Eizellen ließen sich befruchten. Am nächsten Tag kam dann der erlösende Anruf, 2 von 4 Eizellen haben sich befruchten lassen. Ich habe mich sehr gefreut. Da mein Körper unter einer sogenannten „Überstimulation“ (Überreaktion der Eierstöcke) gelitten hat, musste ich einen Zyklus pausieren. Die beiden befruchteten Eizellen wurden eingefroren. In den Foren nennt man das umgangssprachlich auch „Eisbabys“ . Nachdem ich einen Zyklus aussetze, war dann der entscheidende Moment. Der Transfer stand an, das Einsetzen der befruchteten Eizellen. Ich war total aufgeregt. In demselben Op-Raum lag ich also da, und bekomm mein kleines Eisbaby zurück. An einem Bildschirm sah ich diesen kleinen winzigen Punkt. Ab dem Zeitpunkt blieb mir nichts anderes mehr übrig, als hoffen und beten dass der kleine Krümel sich schön festbeißt. Ich habe von Anfang mit „ihm“ gesprochen und versuchte immer ganz fest positiv zu denken . Und das hat auch gut geklappt. Denn am 18.September 2016 hielt ich meinen ersten positiven Schwangerschaftstest in der Hand. ICH WAR ENDLICH SCHWANGER.

Auch wenn ich immer gedacht habe, dieser Weg ist ein schlimmes Schicksal, so ist mir jetzt ganz klar: Es ist wie es ist, und für uns ist es perfekt.

 

Hallo, ich bin Melli, an meiner Seite sind der kleine Louis und mein Mann Björn. Bevor ich Mama wurde, habe ich Modejournalismus studiert und arbeitete anschließend in einer Promi-Redaktion. Gab es zu der Zeit für mich nichts Spannenderes als: „Welches Kleid trägt XY zu den Oscars“ und „Hat Promi ZZ tatsächlich eine Affäre“, interessiere ich mich heute brennend dafür, wann unser kleiner Mann seine ersten Schritte macht und ob Pampers Baby Dry Night wirklich länger trocken halten?! Louis ist eindeutig der Star in unserem Haushalt und wie es sich für eine richtige Diva gehört, hat er sich Zeit gelassen, in unser Leben zu treten. Erst, als ich schon daran zweifelte, dass bei uns alles auf natürlichem Wege laufen würde, passierte „es“ in einer feucht-fröhlichen Nacht. Und so begann die aufregendste Reise meines Lebens… Jetzt ist der kleine Keks schon ein Kleinkind und hat unser Leben bereits ordentlich auf den Kopf gestellt.