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Mami-Talk: Meine Geburtsberichte! Es war all die Strapazen wert

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Die Geburt. Wie beschreibt man eine Geburt? Ein Augenblick? Eine lange Reise? Ein Zustand?
In jedem Fall ist es ein Ereignis, was von jetzt auf gleich dein Leben verändert. Ein Ereignis bei dem man an seine Grenzen stößt und man sich am Ende tatsächlich fragt: War ich das ? Habe ich das geschafft? Es ist ein hinauswachsen über sich selbst, ein Erstaunt sein über seine Fähigkeiten, ein „Ich-klopf-mir-auf-die-Schulter-und-bin-mächtig-stolz-auf-mich!
Meine erste Geburt liegt inzwischen rund 2 ½ Jahre zurück. Der Kinderwunsch war da, ich bin schwanger geworden. Ich hatte eine tolle Schwangerschaft. Voller Vorfreude haben wir den bekannten „Nestbau“ betrieben und an einem klassischen Vorbereitungskurs teilgenommen. Dort wurden Themen angesprochen wie : Welche Art von Wehen gibt es? Wie merke ich wann es los geht? Klang soweit alles plausibel und logisch. Meine Schwangerschaft ging aufs Ende zu. Beim Arzt immer wieder unreife Befunde. Also wurde mit der Ärztin abgesprochen, dass bei mir eine Einleitung stattfinden muss. Bei 40+7 bin ich also ins Krankenhaus eingewiesen worden und die Einleitung begann.

Es sei die sanfte Methode der Einleitung – so die Ärzte. Ich musste Tabletten schlucken. Jeden Tag drei. Es verging der erste Tag. Das CTG zeigte keine Wehen. Es verging der zweite Tag, keine Wehen. Meine Psyche und meine Laune waren am Boden. Ich war frustriert, sauer auf meinen Körper und weinte den ganzen Abend. In Der dritten Nacht nach Einleitung habe ich doch tatsächlich Wehen bekommen. Es war elf Uhr abends und ich musste sowieso zur Kontrolle in den Kreissaal. Beim Blick aufs CTG sagte die Hebamme „Ja, da sind Wehen aber die Bewirken noch nicht viel. Der Befund ist immer noch sehr unreif.“ Ich war wieder am Boden zerstört, mir ging es auf gut Deutsch gesagt beschissen. Ich hatte unglaublich starke Wehen. Die Hebamme gab mir die sogenannte „Scheiss-egal-Spritze“ und schickte mich mit den Worten „Gehen sie sofort ins Zimmer und legen sie sich hin. Diese Spritze kann sie umhauen“ aufs Zimmer. Dort angekommen legte ich mich ins Bett und hatte das Gefühl eine ganze Kneipe leer gesoffen zu haben. So schlecht war mir noch nie in meinem Leben. Ich entledigte mich mehrmals meines Mageninhaltes und habe die Nacht mehr schlecht als recht hinter mich gebracht. Am nächsten Morgen musste ich um 7 Uhr wieder in den Kreißsaal. Ich bin dort rein mit den Worten „Wenn mein Baby heute nicht kommt, müssen sie einen Kaiserschnitt machen“. Nach einer weiteren CTG Kontrolle und anderen Untersuchungen sagte die Hebamme. „Ich habe jetzt Dienstschluss, aber ich verspreche Ihnen, Ihr Baby wird heute kommen.“ Endlich war der Befund geburtsreif, die anstrengende Nacht hatte sich gelohnt und wir würden nun endlich belohnt werden. Ich bekam eine PDA um Kraft zu sammeln und konnte endlich etwas durchatmen. Es folgten sieben weitere Stunden im Kreißsaal. Ich habe geturnt und gemacht, was mir nahe gelegt wurde. Zum Schluss standen sieben Leute im Kreißsaal-von Hebamme über Oberärztin bis hin zur Kinderärztin. Es war inzwischen 14 Uhr, die Herztöne des Babys wurden schlechter und es blieb nur noch eine Möglichkeit: wenn es mit der Saugglocke nicht funktioniert, muss eine Not-OP stattfinden. Die Saugglocke wurde angesetzt, es dauerte noch eine Wehe und dann war es endlich da: Unser Baby !!!! Ausgelaugt, kraftlos und völlig k.o., aber wir waren die glücklichsten Menschen auf dieser Erde. Unser Baby war da und auch wenn es wirklich blöd klingt: die Schmerzen, das Leiden, das Auf und Ab – ich habe es so schnell vergessen.

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Und ja was soll ich sagen: Fast genau zwei Jahre später war es wieder soweit. Viele Bekannte fragten mich „Hast du Angst vor der Geburt, jetzt wo du weißt, was auf dich zukommt?“ Nein, ich hatte keine Angst. Ich war gespannt auf unser Baby und wollte es nun auch endlich in den Armen halten. Wie auch bei der ersten Schwangerschaft bekam ich von alleine keine Wehen und musste wieder eingeleitet werden. Da mich die erste Geburt durch das lange Einleiten psychisch doch etwas mitgenommen hat, habe ich diesmal gesagt, dass ich diese Art von Einleitung nicht nochmal haben möchte. Die Oberärztin bat mir eine Möglichkeit an, die wohl sehr heftig sein sollte und innerhalb von 24 Stunden die Geburt auslösen würde. Mir war alles lieber, als wieder so lange zu warten. Wir vereinbarten einen Termin für den Beginn der Einleitung. Der Befund war zu diesem Zeitpunkt ebenfalls wieder sehr unreif. Morgens um 9 Uhr wurde mir ein Band mit Hormonen vor den Muttermund gelegt. Dieses hatte nun 24 Stunden Zeit um zu wirken.Wäre dies nicht der Fall, wäre ein Kaiserschnitt von Nöten. Nach der Einleitung wurden mein Mann und ich aufs Zimmer geschickt mit der Vereinbarung alle vier Stunden zum CTG zu erscheinen. Um 13 Uhr stand die erste CTG Kontrolle an. Keine einzige Wehe sichtbar. Also wieder aufs Zimmer. Gegen 16.30 Uhr merkte ich wieder im Rücken ein Ziehen und sagte noch locker zu meinem Mann „Oh, ich glaube da kommen leichte Wehen“. Um 16.45 Uhr konnte ich kaum noch laufen vor Wehenschmerzen und wir machten uns auf den Weg zum Kreißsaal. Das CTG zeigte Wehen, der Muttermund war aber erst bei 2 cm. Die Hebamme schlug mir vor ein Entspannungsbad zu nehmen. Die Möglichkeit nahm ich gerne wahr, denn ich hatte im Kopf grob überschlagen: 1 cm die Stunde, also hatte ich noch acht heftige Stunden vor mir. In der Badewanne dachte ich, mir zieht das heiße Wasser alles aus meinem Körper. Ich hielt es nicht aus und bin nach fünf Minuten völlig fertig aus der Wanne gestiegen. Inzwischen musste ich im Minutentakt Wehen veratmen. Die Hebamme untersuchte mich, sah mich mit grossen Augen an und sagte „Der Muttermund ist auf 5 cm.“ Innerhalb von fünf Minuten in der Badewanne hatte sich der Muttermund also nochmal um 3 cm geöffnet. Ich bekam eine PDA und fühlte mich wie auf Wolken. Endlich konnte ich durchatmen, die Wehen kamen im 5-Minuten Takt und nicht mehr minütlich. Dieser Zustand hielt ungefähr 5 Minuten an. Es war Schichtwechsel, die nächste Hebamme kam herein, untersuchte mich und sagte „Der Muttermund ist bei 9 cm. Ihr Kind kommt gleich“. Ab da dauerte es noch drei Presswehen und es war geschafft. Unser zweites Baby war da. Ich hielt unser Baby im Arm und fragte meinen Mann, ob das gerade alles tatsächlich so passiert ist. Das ganze ging am Ende wirklich so unfassbar schnell, dass ich gedanklich überhaupt nicht dabei war. Es war vom Gefühl her als wenn ich mir einen Film angesehen hätte. Die Ärztin hatte recht: Diese Art der Einleitung ist wirklich mega heftig, aber ich würde es immer wieder so machen.
Die Strapazen einer Geburt sind es absolut lohnenswert und ich bin auch heute noch vollkommen erstaunt darüber, was Mutter Natur da möglich gemacht hat und wozu man überhaupt in der Lage ist und ja, der Mensch vergisst. Ich habe das ganze ja auch zweimal gemacht.

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