2 In Motherhood

Mami-Talk // Elterngeld

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Seit Mitte 2015 haben Eltern viel mehr Möglichkeiten, Kindererziehung und Beruf zu vereinbaren. Allerdings ist es schwierig den Überblick zu behalten und für sich das passende Modell zu finden. Wir haben drei Mamis gefragt, für welche Option sie sich entschieden haben und warum.

Vorweg noch ein paar nützliche Infos:

  • Die Höhe des Elterngeldes orientiert sich am monatlichen Nettoeinkommen, das der betreuende Elternteil vor der Geburt des Kindes hatte. Das Elterngeld ersetzt das nach der Geburt des Kindes das wegfallende Einkommen zu 65%, bei höhrem Voreinkommen und bis zu 100% bei niedrigem Voreinkommen.
  • Das Elterngeld muss schriftlich bei der jeweiligen Elterngeldstelle beantragt werden.
  • Verschiedene Möglichkeiten des Elterngeldes: Basiselterngeld, Elterngeld Plus und Partnerschaftsmonate.
  • Elterngeld kann innerhalb der ersten 14 Lebensmonate eines Kindes beantragt werden. Rückwirkend wird das Geld jedoch nur für die letzten drei Monate ausgezahlt.
  • Folgende Unterlagen sind für die Elterngeldbeantragung nötig: Geburtsbescheinigung des Kinder, von beiden Elternteilen eine Kopie des Personalausweises, alle Einkommensnachweise für den Bemessungszeitraum, Nachweis über die vom Arbeitgeber gewährte Elternzeit und Bewilligungs- und Ablehnungsbescheid über das Mutterschaftsgeld der gesetzlichen Krankenkassen vor und nach der Entbindung.

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Tami, ein Kind. (Basis Elterngeld)

Geld regiert die Welt. Und so ist es leider auch, wenn es heutzutage darum geht seine Elternzeit und das Elterngeld zu planen. Ich bin Kommunalbeamtin und nebenberuflich selbstständige Fotografin. Für uns stand von vornherein fest, dass wir das klassische Elterngeldsystem präferieren. Bedeutet 12 bzw. 24 Monate bezahlte Elternzeit für mich und gegebenenfalls 2 Monate für meinen Mann. Vom Hörensagen wussten wir, dass es sich oftmals lohnt vor bzw. während der Schwangerschaft die Steuerklasse zu wechseln, da das Elterngeld vom Netto-Einkommen berechnet wird. Ich war bereits im dritten Monat schwanger, aber nach genauerer Information stand fest, wenn der Entbindungstermin so bleiben würde (und nicht immens nach vorne rutscht), würde sich ein Steuerklassenwechsel der Mutter in die bessere Klasse für uns lohnen. Man muss nämlich mindestens die Hälfte des Berechnungszeitraumes in der besseren Steuerklasse gewesen sein, damit  diese für das Elterngeld berücksichtigt werden kann. Dann galt es die Frage zu klären, über welchen Zeitraum ich mir das Geld auszahlen lasse. Als selbstständige Fotografin hat meine Elterngeld-Stelle mir empfohlen, nur ein Jahr Elterngeld zu beziehen und das Geld lieber privat beiseite zu legen damit ich im zweiten Jahr Elternzeit etwas dazu verdienen kann. Ansonsten wird alles Verdiente im zweiten Jahr 1 zu 1 vom Elterngeld abgezogen. Da ich definitiv nur ein Jahr komplett pausieren wollte, haben wir uns dann auch für diese Variante entschieden.

Der Entbindungstermin war ET+5 somit haben sich all unsere Überlegungen im wahrsten Sinne des Wortes ausgezahlt. Und noch ein wichtiger Hinweis: Das Elterngeld ist zwar zunächst steuerfrei aber am Ende des Jahres wird es doch als Einkommen gewertet und versteuert (Progressionsvorbehalt). Wir haben dafür ebenfalls Betrag xy vom Elterngeld beiseite gelegt.

Hier findet ihr Tami bei Instagram

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Lina, ein Kind.  (Elterngeld Plus)

Für mich stand und steht Familie immer an erster Stelle – keine Frage, jedoch stellt sich bei der Familienplanung auch die Frage: Wie geht es mit Kind beruflich weiter? Wie gestalten wir unseren Alltag? Wie bekommen wir Berufliches und Privates unter einen Hut? Leben wir einfach nur noch von Luft und Liebe? Jeder möchte ja seine Kinder so lange wie möglich aufwachsen sehen und die Zeit genießen. Auch ich möchte das, aber bin ich eine schlechtere Mutter, weil ich nach 6 Monaten wieder arbeiten gehe? Vielleicht geht es einigen Müttern genauso – wissen nicht was sie machen sollen, was es alles für Möglichkeiten gibt und sind mit diesem ganzen Papierkram überfordert. Ich möchte gerne das „neue“ Elterngeld Plus erklären, denn ich denke viele wissen nicht genau was das ist und welche Vorteile es mit sich bringt. Also einmal der Reihe nach und mit Zahlen als Beispiel.

Generell hat man Anspruch auf 1 Jahr Basis Elterngeld, sagen wir 1000€. Dies kann man auf 2 Jahre verlängern, somit hat man im Monat aber nur noch die Hälfte, also 500€. Natürlich kann man auch länger in Elternzeit bleiben und sich nur das erste Jahr, mit 1000€ monatlich auszahlen lassen. Da gibt es viele Varianten. Zu dem Basis Elterngeld darf man, nur nach Rücksprache, auf Mini-Job-Basis dazuverdienen. Man muss bei der Höhe aufpassen, nicht dass einem noch das Basis Elterngeld gekürzt wird. Nun hat der Gesetzgeber beschlossen berufstätige Mütter zu unterstützen. Das Betreuungsgeld wurde abgeschafft und für alle Kinder die nach dem 01.07.2015 geboren werden besteht ein Anspruch auf Elterngeld Plus. Für uns kam das wie gerufen! Mein Arbeitgeber teilte mir mit, dass meine Stelle nur ein halbes Jahr freigehalten werden kann. Ein Schlag, den mein Mann und ich erst einmal verarbeiten mussten. Was machen wir? Ich wollte doch gerne länger zu Hause bleiben, finanziell wäre das doch auch kein Problem – aber wofür habe ich dann alles gelernt und mich dahin gearbeitet wo ich nun bin? Ich möchte ja auch wieder zurück in meinen Beruf … nur durch die Geburt meine tolle Stelle zu verlieren? JA schwere Entscheidung.

Bei Elterngeld Plus halbiert sich das Elterngeld, aber die Elternzeit verdoppelt sich und man darf bis max. 30 Std. wöchentlich dazu verdienen. Die Höhe des Einkommens spielt dabei keine Rolle. Ich bin ein halbes Jahr zu Hause geblieben und habe mein Basis Elterngeld bezogen. Blieben mir weitere 6 Monate Basis Elterngeld übrig. Diese verdoppelt man, also hat man 12 Monate, jedoch bekam ich in dieser Zeit nur das halbe Elterngeld (lt. Beispiel 500€). Somit war ich insgesamt 18 Monate in Elternzeit und konnte aber noch etwas dazu verdienen und wie in unserem Fall, meine Stelle wahren. Auch bei Elterngeld Plus gibt es viele Varianten. Man kann auch 10 Monate Basis Elterngeld beziehen, bleiben einem 2 Monate übrig. Diese verdoppeln sich beim Elterngeld Plus und somit ist man 14 Monate in Elternzeit. Dies lässt beliebig hin und her rechnen. Auch bei Elterngeld Plus können die Väter parallel ihre 2 Monate Elternzeit nehmen und auch dort kann man die Elternzeit auf 4 Monate verdoppeln. Mal angenommen der Vater geht Teilzeit (25 Std.) arbeiten, somit bekommt er seinen (Teilzeit-) Lohn und das halbe Elterngeld. Es ist etwas kompliziert und man muss sich mit der Materie beschäftigen, dann kann man es individuell auf seine eigenen Bedürfnisse prima anpassen. Zudem sollte man auch wissen, dass es spezielle Beratungsstellen zum Thema Schwangerschaft & Elternzeit gibt, die einem kostenfrei bei der Antragsstellung helfen.

Hier geht’s zu Linas Instagram-Account.

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Lina, zwei Kinder (Basis Elterngeld)

Als ich zum ersten Mal schwanger wurde, war ich der glücklichste Mensch überhaupt. Ein Traum ging in Erfüllung. Die Wochen vergingen, der Bauch wuchs und der Bürokratieberg kam immer näher. Zur Bürokratie zählen die Themen ElternZEIT und ElternGELD. Meine Tochter wurde im November 2014 geboren. Ich hatte grade erst ein Jahr auf der Intensivstation gearbeitet, liebte meine Arbeit und hatte Angst, dass ich meine Stelle nicht wiederbekommen würde, also entschied ich mich für ein Jahr Elternzeit. Ich beantragte das Basis- Elterngeld. Das bedeutet, dass ich 65% von meinem Nettoeinkommen, verteilt auf 12 Monate, ausgezahlt bekam. Eigentlich sind es ja nur 10 Monate, in denen man Elterngeld bekommt, denn vorher werden die 8 Wochen Mutterschaftsgeld von der Krankenkasse gezahlt. Wir wollten Nachwuchs, dass dieser sich jedoch schon 8 Monate nach der ersten Geburt auf den Weg machte, war eine Überraschung für uns! Ich machte mir Sorgen um meine Stelle im Krankenhaus, um das Finanzielle, um die letzten vier Monate der Elternzeit. Wie würde sich das alles gestalten? Was würde mir an Geld zustehen? Hätten wir jetzt einen Nachteil? Muss man nicht ein Jahr wieder gearbeitet haben, um Anspruch auf Elterngeld zu haben? Es gibt wirklich viel was so erzählt wird!

Dieses Baby war finanziell gesehen ein kleiner Jackpot. Direkt informierte ich mich bei der Elterngeldstelle. Meine Elternzeit lief bis November 2015 normal weiter und ich bekamElterngeld. Vorab informierte ich meinen Arbeitgeber über die erneute Schwangerschaft und unterschrieb KEINEN neuen Vertrag. Ich behielt also meine 100% Stelle. Da ich Krankenschwester bin und ins Beschäftigungsverbot geschickt werde, sobald ich schwanger bin, verdiente ich weiterhin mein normales Gehalt, jedoch ohne Schichtzulagen und dufte weiterhin Zuhause bleiben und mich um meine Tochter kümmern. Der Entbindungstermin des zweiten Babys sollte der 12.04.2016 sein. Ab dem 01.03.2016 war ich im Mutterschutz. Ich verdiente also von November ´15 bis Februar ´16 mein normales 100% Gehalt und bekam anschließend Mutterschaftsgeld. Diesmal entschied ich mich 14 Monate Elternzeit zu nehmen, aber nur 12 Monate Basis- Elterngeld. Die Berechnung für das Elterngeld lief also folgendermaßen: Die Gehälter von Nov´15-Feb´16 wurden berücksichtig UND die 8 letzten Gehälter aus dem Jahr 2014, wo ich auch schon im Beschäftigungsverbot war, aufgrund der ersten Schwangerschaft. Außerdem erhält man noch einen Geschwisterbonus von 10% auf das Nettoeinkommen von den 65%. Im Endeffekt hatte ich mehr Elterngeld als beim ersten Mal, durfte weiterhin zu Hause bleiben und mein Mamasein genießen.

Ich bin jetzt seit 3 Jahren zu Hause, hatte keine finanziellen Einbußen und besitze immer noch meinen 100% Vertrag. Dieses Jahr werde ich wohl wieder los müssen und somit auch meine Stelle reduzieren. Viele wissen einfach nicht was ihnen zusteht, oder wie das ganze System läuft. Wenn man mit einem Kind zurück in den Job geht, dann gehen die allerwenigsten Frauen wieder Vollzeit arbeiten- vor allem in dem Beruf der Krankenschwester, verbunden mit Schichtdienst, ist das sehr schwer mit Kind zu vereinbaren. Man reduziert seinen Vertrag und im Fall einer zweiten Schwangerschaft hat man dann noch weniger Elterngeld zur Verfügung.

Hier gehts zu Linas Instagram Account.

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2 Comments

  • Reply
    Antonia
    23. April 2017 at 16:56

    Weiß jemand wie das ist, wenn man 2 Jahre Elternzeit nimmt, aber nur 12 Monate Basis Elterngeld und dann bspw. nach den insgesamt 24 Monaten ein weiteres Kind bekommt. Dann hat man ja die 12 Monate zuvor 0 Euro bekommen, heißt das man bekommt für’s zweite Kind kein Elterngeld?

  • Reply
    Mark
    24. April 2017 at 20:36

    Das mit dem Elterngeld Plus stimmt so leider nicht. Man bekommt bis zu 65% des weggefallenen Einkommens (zB Teilzeit zu Vollzeit).
    Die Grenze dabei liegt bei 2700 ( ist glaube ich auf 2770 erhöht worden) zu berechnendes Vollzeit Einkommen.

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