Wenn wir von unserer Schwangerschaft erfahren, erscheint das Thema zwar noch Lichtjahre entfernt: „Ab wann soll mein Kind in eine Kindertagestätte gehen? Oder soll mein Nachwuchs überhaupt gehen?“ Trotzdem müssen wir uns meist noch in dieser Zeit entscheiden und unserem Arbeitgeber mitteilen, wann er wieder mit uns rechnen darf –  sprich, wie lange wir die Elternzeit in Anspruch nehmen wollen. Das Ganze ist also ein ziemliches Lesen im Kaffeesatz! Wir sollen über einen Menschen entscheiden, den wir zu dem Zeitpunkt noch gar nicht kennen. Wenn der erste KiTa-Tag dann gekommen ist (und ich kann euch sagen, das erste Jahr rast nur so an einem vorbei), fällt einigen die Trennung (auf Zeit) dann leicht, für andere ist es dann doch ein harter Weg. Es gibt aber auch Mütter, die nicht arbeiten gehen und ihr Kind in eine Betreuung geben, um endlich wieder ein bisschen Zeit zur Verfügung zu haben. Oder Eltern, deren Kinder erst in der Schule „fremdbetreut“ werdein. Wie immer, sind die Erfahrungen und Meinungen sehr unterschiedlich –  auf geht’s in die nächste Runde Mami-Talk.

Nadine mit Leni (18 Monate alt):

Seit genau 555 Tagen bin ich Mama. Die schönsten 555 Tage in meinem Leben und ich genieße jeden Tag mit unserer Tochter Leni. Ein absolutes Wunschkind und unser Sonnenschein. Ich kenne keinen Menschen der jeden Tag so gut gelaunt und fröhlich ist wie sie. Daher war die Überlegung wann und ob Leni in eine Kita soll, lange kein Thema für mich. Ich wollte sie bei mir haben, Tag und Nacht! Zudem hatte bzw. habe ich auch das Glück, dass ich erst mal nicht wieder arbeiten gehen muss und so die Zeit mit ihr genießen kann. Leni ist jetzt 18 Monate und manchmal spürte ich (und mein Mann auch), dass sie immer mehr Abwechslung braucht, zudem es liebt mit anderen Kindern zu spielen. Wenn wir von Freunden mit Kindern Besuch bekommen haben, hat sie oft einen 30-minütigen Freudentanz aufgeführt und war total aufgedreht und überglücklich!

Als mein Mann immer wieder anfing zu sagen, dass er von Freunden gehört habe, wie gerne die Kinder in die Kita gehen würden, fing ich auch an darüber nachzudenken.

Ich war Hin und Her gerissen und so unsicher… also erkundigte ich mich und sammelte Erfahrungen und Feedback. Auf der einen Seite lernen die Kinder dort viel, werden gefördert, haben Abwechslung, werden Selbstständig und können mit vielen anderen Kindern spielen. Auf der anderen Seite, dachte ich sie ist noch zu jung und braucht ihre Mama, ihr zu Hause. Ich muss auch gestehen der Gedanke, dass sie von mir jeden Tag so viele Stunden getrennt ist, bringt mich fast zum Weinen und breitet mir Unbehagen.

Das Feedback der anderen Mütter, deren Kinder bereits in eine Kita gehen (U3), war zu 95% extrem positiv! Fast alle rieten mir dazu! Also machten wir Besichtigungstermine aus. Voller guter Erwartungen gingen wir zur ersten Besichtigung, aber leider war ich danach nur noch verwirrter und geschockt!! Schmutzig, usselig, kühl, es hat extrem gestunken, kaputte und alte Spielsachen, Schimmel an der Wand, alles alt und defekt. Im Leben würde ich meine Tochter dort nicht hingeben! Hinzu kam das sie für dafür auch noch 700€ für einen Halbtagsplatz verlangt haben! Gott sei Dank war mein Mann genau derselben Meinung und meinte „NIE NIE NIEMALS!“

Zum Glück hat unsere liebe Nachbarin uns ermutigt die Kita anzuschauen, wo ihr Sohn hingeht. Keine 5 Minuten von uns. Als sie mir dann noch sagte, es wird bald wieder ein Platz frei und sie habe schon mit den Betreuerinnen gesprochen, rief ich dort an. Schon am Telefon war die Inhaberin extrem nett und erklärte mir ihr Konzept: Dort sind maximal 9 Kinder mit 2 Betreuerinnen. Jeden Tag gehen Sie mit den Kindern mehrere Stunden an die frische Luft (außer natürlich es regnet in Strömen), jeden Mittag wird frisch gekocht, die Eingewöhnung richtet sich nach dem Kind (2-4 Wochen) und ich kann Leni auch mal früher abholen, wenn ich will. Es ist dort wirklich schön, sauber, tolle Spielsachen, gemütlich, hell, ein eigener Garten, Himmelbetten, liebe Erzieherinnen und es riecht gut!

Leni wird dort ab Februar ihre Eingewöhnung haben, dann ist sie fast 20 Monate, ein gutes Alter wie ich finde UND ich habe noch etwas Zeit mich an den Gedanken zu gewöhnen, denn schwer fällt es mir jetzt schon! Ich bin so gespannt wie sie es finden wird und ob sie sich schnell eingewöhnt! Mein kleines Mädchen wird erwachsen!

Melanie mit Lilian (14 Monate):

„Ich bin so froh dass ich 2 Jahre Elternzeit genommen habe und mein Kind nicht in die Krippe abschieben muss“ – Genau das war vor wenigen Wochen ein Facebook Post einer Bekannten und dieser Satz hat mich und mein Mama-Herz irgendwie wieder völlig aus der Bahn geworfen. Vor und während der Schwangerschaft war für mich immer klar „nein, mein Kind geht nicht in die Krippe, ich werde auf jeden Fall 3 Jahre daheim bleiben“.

Bekanntlich kommt es dann aber doch oft anders als man denkt.

Unsere Kinder sind noch so klein. Sie wachsen und lernen so schnell und diese so kostbare Zeit ist wirklich schnell vorbei. Trotzdem hatte ich das Gefühl meiner Tochter irgendwann nicht mehr ausreichend Action bieten zu können. Selbstverständlich könnte ich ja auch zum Kinderturnen mit ihr gehen oder andere Gruppen besuchen. All das haben wir auch gemacht und werden wir auch weiterhin machen aber meist ist das Vergnügen nach einer Stunde leider schon vorbei.

Seit sie dann mit 10 Monaten laufen konnte ist sie immer nur den größeren Kindern hinterher gerannt und war überglücklich dabei. Da wusste ich dann, dass es kein Fehler sein wird mit der Krippen Eingewöhnung zu Beginnen.

Meine Tochter Lillian ist heute 14 Monate und mit 11 Monaten begann „unsere“ Eingewöhnung in der Krippe und es war wirklich schrecklich für mich. Ich wollte noch nicht so früh mit der Eingewöhnung starten, doch leider waren mir die Hände gebunden und ich konnte mich glücklich schätzen überhaupt einen Platz in der beliebten Krippe ergattert zu haben. Lillian geht in die Firmen Kita der Firma meines Mannes und leider sind die Plätze da recht begrenzt. Für diese Krippe hatten wir uns entschieden weil sie

  1. a) in unserer Nähe ist und ich mit meinem Kind nicht durch den Großstadtverkehr pendeln muss
  2. b) es ist eine recht kleine Kita mit nur 20 Krippen Kindern und 20 Kindergartenkinder
  3. c) ich konnte mir die Zeiten Flexibel gestalten und aussuchen.

 

Ich arbeite vorerst nämlich nur 3 Tage die Woche und bringe Lillian auch nur an diesen 3 Tagen von 08.30 Uhr bis 14:30 Uhr in die Krippe. Ich möchte gerne meine 2 freien Tage mit ihr verbringen und sie nicht auch an diesen Tagen, an denen ich daheim bin in die Krippe bringen müssen. In den meisten anderen Krippen hier in der Umgebung muss das Kind nämlich 5 Tage die Krippe besuchen. Super finde ich auch, dass wir auch nur die Tage bezahlen an denen sie in der Krippe ist und keine 5 Tage.

Da unsere Krippe, all diese für mich wichtigen Kriterien erfüllt, ich das Team als sehr nettes, vertrauensvolles und zuverlässiges Team kennengelernt habe und auch die Kita sauber und gepflegt ist, machte es mir es ein wenig einfacher mit Lillian die Eingewöhnung zu beginnen. Ich hatte nicht das Gefühl mein Kind abzuschieben aber irgendwie hatte mich dieser Post doch schwer getroffen.

Ich glaube es gibt bei diesem Thema kein richtig oder falsch. Kein zu früh oder zu spät. Jedes Kind ist anders und nicht für jedes Kind ist es vielleicht richtig oder gut so früh in die Krippe zu gehen. Hätte ich gemerkt es funktioniert gar nicht, sie kann sich nicht trennen und weint extrem viel, dann hätte ich einfach alles abgebrochen und auch meinem Chef mitgeteilt dass ich meine Elternzeit verlängern möchte. Diese Option habe ich mir stets vorbehalten.

Ich habe mir im Vorfeld so viele Sorgen gemacht und mein Kind hat mir wieder einmal gezeigt, dass meine Sorgen völlig unberechtigt waren und sie das alles super macht. Ich habe mich immer gefragt wie es wohl mit dem Einschlafen in der Krippe mit all den Kindern klappen wird, ob sie das Schläfchen morgens nicht vermissen wird, ob sie dort essen wird und sich wickeln lässt und es war alles, dank lieber Betreuer – gar kein Problem. Lillian ist sehr aufgeschlossen und hat ihre Betreuer schnell ins Herz geschlossen. Sie findet es super mit den Kindern zu tanzen, zu spielen und ist ganz stolz wenn sie mit den anderen Kindern gemeinsam am Tisch sitzt um zu essen. Mein Kind hat es mir wirklich einfach gemacht und ich glaube, manchmal ist es für die Eltern fast noch schwerer loszulassen als für die Kinder.

Melli mit Louis (1 Jahr):

Vor ein paar Wochen ist Louis ein Jahr alt geworden und ich weiß, dass viele Mütter bei diesem Satz einen Blutsturz bekommen werden: wir haben uns noch nicht um einen KiTa-Platz bemüht. Zu allererst war für mich klar, dass ich nicht nach einem Jahr wieder Vollzeit arbeiten gehen werde, sondern für unbestimmte Zeit erst mal hauptberuflich Mama bin. Und ich bin sehr dankbar, dass mir das möglich ist. Denn wenn ich den kleinen Keks jetzt, mit einem Jahr, wo er weder sprechen noch laufen kann, täglich hergeben müsste, würde mir das wirklich sehr schwer fallen. Ich plane allerdings in nächster Zeit zwei Nachmittage arbeiten zu gehen, das kann ich aber nur durch die Unterstützung meiner Familie. Zwei Omas und zwei Tanten sind doch wirklich Gold wert! KiTa könnte ich mir dann so mit 2,5 Jahren  für Louis vorstellen, wenn wir bis dahin irgendwo unterkommen. Ich habe aber im Ohr, dass jedem Kind ab 3 Jahren ein Platz zusteht?! Müsste ich noch mal recherchieren. Ihr merkt schon, das Thema hat für mich irgendwie gar keine Priorität. Eine Mitschuld trägt daran sicherlich auch die Mitarbeiterin des Jugendamtes Essen, die uns wenige Wochen nach Louis‘ Geburt besucht hat. Versteht mich nicht falsch, die Dame war wirklich sehr nett, aber sie zeichnete ein schwarzes Bild zur Betreuungssituation in unserer Stadt. Ich saß also da, mit meinem Neugeborenen auf dem Schoß und sie fragte mich, wann der Kleine denn in die KiTa gehen soll und ob wir ein oder mehrere Wunscheinrichtungen hätten? Ich habe wohl geguckt wie ein Auto: „Ähm ja, hier in der Parallelstraße ist ja eine.“ – „Oh, die KiTA so und so, ja die sind immer sehr voll, kennen sie schon die und die und die und die?“ Dann hat sie weitergeredet, dass man bei seiner Wunsch-KiTa Präsenz zeigen soll, ins Mami-Café dort gehen soll, Hilfe bei Festen anbieten, außerhalb der Reihe einen Kuchen backen und immer mal wieder nachfragen, wie die Chancen denn so stehen. „Rufen sie sich ins Gedächtnis!“ Und ich dachte nur: „Wir reden hier aber nicht von einem Harvard-Stipendium, oder?“ Nun ja, nach dieser Offenbarung, ist das KiTa-Thema dann wohl noch weiter in meinen Hinterkopf gerutscht, hängengeblieben ist eigentlich nur der Satz: „Ab 3 Jahren haben sie einen Anspruch!“ Und jetzt hoffe ich einfach mal, dass das stimmt! Bis dahin, wird Louis von seiner Familie betreut… Noch bin ich dankbar, für die Zeit, die ich mit ihm habe. Ich kann mir allerdings auch vorstellen, dass so ein kinderfreier Vormittag sehr reizvoll sein kann. Noch 2-3 Höllentage wie heute (bei uns fängt die Trotzphase wohl schon mit einem Jahr an) und ich werde wohl Gas geben, dass wir einen Betreuungsplatz bekommen. 😉 Ich muss aber auch zugeben, dass genau das auch eine Frage ist, die ich mir stelle: Kann ich eine „fremde“ Person guten Gewissens den Launen und Macken meines Kindes aussetzen?

Anna mit Ben (13 Monate alt):

„Das Ben Kind geht zur KiTa!“ Ein Entschluss, der meinem Mann und mir alles andere als leicht fiel. Um ehrlich zu sein, konnten wir uns beide mit der Tatsache, dass unser ‚Baby‘ bereits mit einem Jahr zur KiTa gehen soll, zu Beginn absolut nicht anfreunden und hatten teils auch starke Schuldgefühle. – Würde Ben überhaupt schon verstehen, wo er dort ist? Bei wem er dort ist (wir haben das große Glück, dass eine liebe Freundin Ben’s Krippen-Gruppe leitet) und was er dort soll? Wie dem auch sei, trotz anfänglicher Bedenken hatten wir keine andere Wahl, denn ‚erstens kommt es anders… Und zweitens als man denkt!‘ Nachdem der Sprung ins kalte Wasser, das 3-Tage-Fieber verkürzte die ohnehin schon recht knappe Eingewöhnung auf nur wenige Tage, geglückt war und Ben begonnen hat sich so richtig wohl zu fühlen, war jedoch jeder Zweifel verflogen. Und nicht einmal drei Monate nach Ben’s KiTa-Start kann ich mit Überzeugung sagen, dass die anfangs nicht ganz freiwillige Entscheidung, unser 12 Monate altes ‚Baby‘ zu einem KiTa-Kind werden zu lassen, die beste überhaupt war. Die KiTa scheint eine Art Entwicklungs-Turbo für unseren kleinen Mann zu sein, den sowohl er, als auch wir als Eltern, in vollen Zügen genießen und wovon wir auch in den eigenen Wänden profitieren. Sieht man von der Gefahr, sich eine ‚Erkrankung‘ nach der anderen nach Hause zu holen (zuletzt hatten wir das Pech, mit dem Norovirus Bekanntschaft machen zu ‚dürfen‘) kann ich allen Eltern, die mit dem frühen KiTa-Gedanke spielen, nur raten, diesen Schritt zu wagen. Ihr werdet es nicht bereuen! Sicher wird es immer wieder gewisse Höhen und Tiefen geben, doch das ist das Leben, welches wir unseren Kindern doch gerne möglichst realistisch, wenn auch behütet und von Herzen geliebt, beibringen wollen, oder? Eure Kinder werden es euch danken!

 

Hallo, ich bin Melli, an meiner Seite sind der kleine Louis und mein Mann Björn. Bevor ich Mama wurde, habe ich Modejournalismus studiert und arbeitete anschließend in einer Promi-Redaktion. Gab es zu der Zeit für mich nichts Spannenderes als: „Welches Kleid trägt XY zu den Oscars“ und „Hat Promi ZZ tatsächlich eine Affäre“, interessiere ich mich heute brennend dafür, wann unser kleiner Mann seine ersten Schritte macht und ob Pampers Baby Dry Night wirklich länger trocken halten?! Louis ist eindeutig der Star in unserem Haushalt und wie es sich für eine richtige Diva gehört, hat er sich Zeit gelassen, in unser Leben zu treten. Erst, als ich schon daran zweifelte, dass bei uns alles auf natürlichem Wege laufen würde, passierte „es“ in einer feucht-fröhlichen Nacht. Und so begann die aufregendste Reise meines Lebens… Jetzt ist der kleine Keks schon ein Kleinkind und hat unser Leben bereits ordentlich auf den Kopf gestellt.