6 In Kolumne

Mama Kolumna // Warum mein Kind nicht brav sein soll

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„Sei frech und wild und wunderbar!“ – Astrid Lindgren

Dieses Zitat hat es auch in die Spielecke meines Sohnes geschafft. Es klingt bezaubernd oder besser gesagt, es IST ein ganz bezaubernder Spruch. Aber wünschen wir Eltern uns nicht oft viel mehr „Sei lieb und brav und umgänglich“? Ich muss gestehen, die Antwort lautet „Ja“! Ich habe mich selbst schon erwischt, wie ich zu anderen Kindern bei der Verabschiedung sagte: „Schön lieb sein!“ Warum sage ich sowas? Weil ich die Eltern des Kindes mag und ihnen einen angenehmen Tag oder Abend wünsche?!

Ich schätze, das ist der Knackpunkt. Ein Kind großzuziehen

ist wirklich ein wahnsinnig anspruchsvoller und kräftezehrender Job und auch ich berichte meinen Mami-Freundinnen abends in etwa so: „Louis war heute total anstrengend, hat viel geweint, Dinge durch den Raum geworfen, meine Orchidee zerpflückt …“ Und dann über mich selbst: „Mir war das heute alles zu viel, ich wollte dies und das erledigen und bin ja zusätzlich auch noch erkältet …“ Und so sieht’s nämlich aus! Wir Erwachsenen leben all unsere Emotionen komplett aus, ganz egal, ob die Arbeit nervt, man schon wieder kränkelt, es regnet oder das Konto leer ist. Ist halt kacke und das merkt man uns auch an. Kann auch jeder nachvollziehen. Unser Nachwuchs soll aber bitte stets gut gelaunt und umgänglich sein, uns mit Liebe überschütten, schön aufessen und ohne Probleme die Nachtruhe antreten.

Dabei kann mein 14 Monate alter Sohn mir nicht mal sagen, ob er Kopfschmerzen hat, Zähne bekommt, sein Lieblingsspielzeug nicht finden kann, ihm das Essen nicht schmeckt oder er vom Dauerregen genervt ist. Indem ich ihm auferlege „brav“ zu sein, entmündige ich ihn sogar ein Stück weit, seinen Emotionen freien Lauf zu lassen. Dabei ist er seine ganz eigene Persönlichkeit und kennt mit Sicherheit schon kleine und große Wehwehchen, die ihn nerven. Ich muss mich also immer wieder daran erinnern, dass er nicht hier ist, um mir eine Freude zu machen. Sondern, um seinen eigenen Weg zu gehen, mit all den Höhen und Tiefen, die dazu gehören.

Ich spreche also von Augenhöhe, Einfühlungsvermögen und Rücksicht auf die Befindlichkeiten meines Kindes – ganz ohne erhobenen Zeigefinger! Und wenn ich mal spüre, dass ich gereizt bin und im Begriff, unfair zu werden: Einfach mal kurz den Raum verlassen und tiiiiiief durchatmen. Klappt nicht immer, aber immer besser! 😉

Eure Melli

Mamarazzi Blog Melanie Matthieu

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6 Comments

  • Reply
    Tini Busch
    19. März 2017 at 18:08

    Genau so ist es! Dein Beitrag ist super ♡

    • Reply
      Melli
      19. März 2017 at 21:18

      Vielen Dank ❤😘

  • Reply
    Meri
    21. März 2017 at 14:56

    Gelsen und für wirklich gut empfunden 🙂 Toll ausgedrückt!

    • Reply
      Melli
      22. März 2017 at 11:34

      Vielen Dank 🙂

  • Reply
    Resi
    27. April 2017 at 20:36

    Unsere Kids werden irgendwie schon genug in eine Richtung gedrängt. Danke für den tollen Artikel, bestärkt mich vielmehr, das zu tun, was mein Bauchgefühl schon immer gewusst hatte! Ich spiele sehr gern und viel mit meinem 9 Monate alten Sohn, und wenn ich einfach nur im Laufgitter mit sitze.

    • Reply
      Melli
      7. Mai 2017 at 12:01

      Freut mich, dass mein Artikel dir Rückhalt gibt. Ganz liebe Grüße 🙂

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