Ich wette, die meisten Eltern tun es. Heimlich, leise und ohne viele Aufhebens drum zu machen. Denn niemand spricht gern darüber oder erzählt gar voller Stolz. „Heute habe ich meinem Kind den Fernseher angemacht!“ oder „Wie schön er sich wieder mit dem iPad beschäftigt hat!“ Nein, das ist in etwas so angesagt wie: „Ich gebe meinem Kind Cola zu trinken“. Und so habe ich schon oft geflunkert, wenn nach unserem Fernsehverhalten gefragt wurde: „Ja, ab und an mal eine Folge Peppa oder Bobo, die gehen ja auch nur 15 Minuten.“ Aber warum versuche ich die Häufigkeit zu vertuschen? Weil wir auch 2017 immer noch Angst haben, unser Kind würde durch das Fernsehen dumm werden? Den Spaß an anderen Freizeitaktivitäten gänzlich verlieren? Ich ließ mich also vom Wunsch meines Sohnes nach Fernsehen genauso verunsichern, wie vermutlich die meisten jungen Eltern da draußen. Bis ich diesen schlauen Satz gelesen habe: „Dabei wäre es mir nie in den Sinn gekommen, auch nur den Hauch von Befürchtung zu haben, wenn die Kinder sich völlig in irgendwas anderes doll vertieft hätten, egal wie stupide es ist.“ Denn die Fähigkeit, sich auf etwas zu konzentrieren, völlig einzutauchen, sich auf etwas einzulassen, ist doch etwas Tolles, oder nicht?

Wir sagen also: „Schau mal, wie versunken er in das Buch, das Spielen mit Duplo etc. ist.“, schaut das Kind aber etwas im Fernsehen oder auf dem iPad, heißt es gern am es sähe dabei aus „wie ein Zombie“. Und ich bin abends oft selbst so ein Zombie,

nicht nur wenn ich „The Walking dead“ schaue. Denn ich liebe es sehr, mit meinem Mann auf dem Sofa zu sitzen und irgendeine super spannende Serie zu schauen, ich bin aber trotzdem genauso gern „auf Achse“ oder lese ein Buch. Es bedeutet also nicht, dass ich dem Fernsehen „verfallen“ bin. Ich beobachte das auch bei Louis schon. Natürlich versuche ich in seinem jungen Alter den Konsum zu beschränken, wenn ich das aber nicht tue, verliert er von allein das Interesse. Und damit meine ich nicht nach drei Stunden. Nein, er sieht dann plötzlich sein Spielzeug und hat mehr Lust, sich damit zu beschäftigen. Dies passiert meistens nach etwa 30 Minuten von ganz allein.

Mamarazzi Blog

Louis ist also fast zwei Jahre alt. Und er weiß schon ganz genau, was er will. An irgendeinem Punkt am Tag ruft er mir also „kuckeeeen“ entgegen, weil es das ist, was er in dem Moment gern machen möchte. Und das ist nicht in Situationrn, in denen er „einfach mal abschalten will“ und sonst zu nichts mehr in der Lage ist, so wie es bei uns Erwachsenen ist. Nein, Fernsehen ist für ihn viel aktiver. Auch, weil es noch so viel zu entdecken gibt. So liebt er zum Beispiel  „Little Baby Bum“  auf Netflix. Liebe Eltern, ich höre euch bis hierhin stöhnen. Obwohl eure Kinder ja gar nicht fernsehen dürfen, oder? 😉 Aber: Er lernt durch diese Serie so viel: Zahlen, Farben, Formen und Fahrzeuge, spricht Wörter nach und singt Lieder mit. So oder so, von einer Verdummung können wir hier nicht sprechen.

TV

Ansonsten ist es meiner Meinung nach wichtig, zu wissen, was das Kind guckt. Ich frage Louis immer, was er schauen möchte und da er natürlich noch nicht viel kennt sagt er „Bus“ (für Little Baby Bum), Bobo oder Maus. Alles kindgerechte Serien. Bobo, Little Baby Bum, Peppa und Troro sind ja wirklich Formate für Kleinkinder, die in Sprache, Schnelligkeit und Dauer dem Stand eines Zweijährigen absolut angepasst sind. Und da muss ich doch auch mal sagen: „Sowas gabs bei uns nicht.“ Stimmt, da war der Markt einfach noch nich da. Als ich ein Kind war gab es drei Programme und nachts ein Testbild. Da konnte nicht für jeden was dabei sein. Deshalb kam der Li-La-Laune Bär wohl auch Sonntagmorgens um 8 Uhr. Dafür musste kein relevantes Programm für Erwachsene gestrichen werden. Heute können alle möglichen Nischen bedient werden. Das liegt meiner Meinung nicht daran, dass Kinder öfter vor dem Fernseher „geparkt“ werden. Für mich war die Glotze im Wohnzimmer einfach nicht so interessant, weil nur zu ausgewählten Zeiten etwas für mich lief.Mutter und Sohn

Womit wir schon beim nächsten Punkt wären, das sogenannte Kind vor dem Fernseher „parken“. Dazu muss man sich erst mal die Frage stellen, warum es weniger verwerflich ist das Kind mit einem Buch oder Spielzeug zu beschäftigen, um selbst etwas anderes zu erledigen. Und dann noch, warum es überhaupt verwerflich sein soll? Muss ich bei jeder Aktivität meines Sohnes an ihm kleben, wie ein Schatten? Nein, ich denke nicht, dass das nötig ist. Doch wenn er mich braucht, findet er mich in unserer Wohnung recht schnell.

Familie

Insgesamt möchte ich nichts nichts verteufeln, was ich selbst gern mag. Meine Hebamme hat immer gesagt: „Das Kind muss zur Familie passen und nicht umgekehrt!“ Man soll sich also nicht verdrehen und verstellen, das bedeutet in dem Fall, wenn hier TV geschaut wird, ist das keine Geheimnis. Meinem Sohn  zu erzählen, der schwarze Kasten, ach ne, ist es ja heute gar nicht mehr, der schwarze Bildschirm im Wohnzimmer hätte keine weitere Funktion, finde ich unehrlich. Genauso wie er ja auch sieht, dass mein Mann und ich Smartphones haben, ein iPad benutzen oder am Laptop sitzen. Alles Dinge, die zu unserer heutigen Zeit einfach dazu gehören. Ihn davon auszuschließen finde ich Quatsch. Er kann mit dem iPad noch nicht so wirklich umgehen, aber wenn er soweit ist, gibt es zahlreiche spannende Apps, die ihm sicher Freude bereiten werden. Ich wünsche mir einen gesunden und offenen Umgang mit digitalen Medien. Zumal Kinder ja auch Antennen dafür haben, was hier passiert, sobald sie im Bett sind. Sicher hat er den Fernseher schon mal gehört. Praktisch bei uns finde ich, dass wir gar kein normales Programm mehr haben. Wir setzen auf Streaming-Dienste. So tappt man nicht in die „Zapping-Falle“ und auch Louis lernt von Anfang an, gezielt etwas auszuwählen und nicht kopflos irgendetwas zu schauen.

TV

Außerdem möchte ich dem Fernsehen nicht so viel Macht einräumen. Indem wir es verbieten würden, würde es doch so viel interessanter werden. Nein, ich möchte mich nicht vor dem Flimmerkasten fürchten, ich möchte mit ihm befreundet sein. Ich bin zwar noch nicht so weit wie meine Kollegin zu sagen: „Mach so lange und so oft du willst, Sohn!“, aber ich bin auf einem guten Weg. Und ich vertraue darauf, dass es meinem Kind nicht schadet. Und falls ihr den schlauen Text von Jenny noch nicht gelesen habt, bitte ich euch das zu tun. Hier entlang!

Ich bin jetzt natürlich sehr gespannt auf eure Meinung und wie ihr mit diesem Thema umgeht.

Eure Melli

Hallo, ich bin Melli, an meiner Seite sind der kleine Louis und mein Mann Björn. Bevor ich Mama wurde, habe ich Modejournalismus studiert und arbeitete anschließend in einer Promi-Redaktion. Gab es zu der Zeit für mich nichts Spannenderes als: „Welches Kleid trägt XY zu den Oscars“ und „Hat Promi ZZ tatsächlich eine Affäre“, interessiere ich mich heute brennend dafür, wann unser kleiner Mann seine ersten Schritte macht und ob Pampers Baby Dry Night wirklich länger trocken halten?! Louis ist eindeutig der Star in unserem Haushalt und wie es sich für eine richtige Diva gehört, hat er sich Zeit gelassen, in unser Leben zu treten. Erst, als ich schon daran zweifelte, dass bei uns alles auf natürlichem Wege laufen würde, passierte „es“ in einer feucht-fröhlichen Nacht. Und so begann die aufregendste Reise meines Lebens… Jetzt ist der kleine Keks schon ein Kleinkind und hat unser Leben bereits ordentlich auf den Kopf gestellt.