„Zum zehnten Geburtstag des Erziehungsgeldes wurde ein neues Feindbild ausgemacht: Paare, die mit dem Baby in den Süden reisen, anstatt daheim den drögen Alltag zu üben.“ Titelt der Stern. Die Welle der Empörung war auch einfach zu groß, als dass nicht unmittelbar nach Veröffentlichung dieses Autoren Kommentars der Süddeutschen Zeitung, Gegenposition bezogen werden musste. Ist der Ursprungstext doch gespickt mit Vorwürfen und Beleidigungen Familien gegenüber, die ihre Elternezeit gemeinsam mit ihrem Kind nutzen, um die Welt zu bereisen. Laut der Autorin ist es „unverschämt“ das Elterngeld nur als staatlich gesponsortes Urlaubsgeld zu verwenden und man nutze somit das Sozialsystem aus.

Nehmen wir mal an, dass das vielleicht sogar nur eine reine Marketingstrategie der Süddeutschen war, die versucht in wirtschaftlich schlechten Zeiten, aus den roten Zahlen rauszukommen und das um jeden Preis. Um jeden Preis Aufmerksamkeit zu generieren, egal wie verwerflich der Inhalt des Textes auch sein mag.  Auch wenn dabei das letzte bisschen Respekt und Anstand verloren geht – sollte doch zumindest die Thematik im Vorfeld vernünftig rechcheriert werden, oder? Elterngeld, als staatlich gesponsert zu bezeichen ist Humbug. Mit lediglich 67% des vorherigen Nettoeinkommens und maximal 1800 Euro monatlich, soll man sich als Elternteil in Elternzeit also für privilegiert halten?! Mal abgesehen davon, dass man sich von diesem Geld kaum einen luxuriösen Urlaub erlauben kann, so sollte doch eines klar sein – für dieses Geld haben wir im Vorfeld steuerliche Abgaben leisten müssen.

Ok – selbst wenn man mit dieser gewagten Ausgangsthese mitgehen sollte, ist doch jede moralische Kategorisierung wie „unverschämt“ nicht im Geringsten gerechtfertigt, oder?

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So hab auch ich mir mal kurz Luft verschaffen müssen  – ja ich fühle mich persönlich angegriffen – und habe der SZ bezüglich diesen Beitrages geschrieben. Zu meiner großen Verwunderung antwortete man mir sogar. Doch nach Öffnen der Nachricht setzte schnell die Ernüchterung ein. Man verwies mich mit einem Link zu einer Seite, die eine bereits abgeschlossene Leserdiskussion zu dieser Thematik beinhaltete. Also hakte ich noch einmal nach, wurde allerdings mit den Worten – das gebe man an die Autorin weiter – abgespeist.

Ich persönlich finde es wirklich anmaßend, Menschen vorschreiben zu wollen, wie sie die wertvolle Zeit mit ihrem Kind, die sie auch nur einmal in dieser Form genießen können, verbringen sollen. Elterngeld ist eine nicht zweckgebundene, staatliche Unterstützung für die Familie, dessen Verwendung moralisch nicht zu bewerten sein sollte. Punkt. Wäre es nicht angebrachte von der Autorin gewesen, an dieser Stelle eher die Familienpolitik und die Wirtschaft zu kritisieren? Die es unseren Männern ja kaum ermöglicht länger als zwei Monate diese Zeit in Anspruch zu nehmen – ohne große finanzielle Einbußen und ohne das es ernsthafte Konsequenzen für die berufliche Weiterentwicklung hat.

Beim Lesen könnte man tatsächlich auf die Idee kommen, dass Frau Lottritz es zutiefst bedauern muss, diese wertvolle Zeit nicht gemeinsam mit ihrem Mann verbracht zu haben und sich, zumindest nur für ein paar Wochen auf ein warmes Fleckchen Erde zu verkrümmeln, um dort ihr Kind gemeinsam zu betreuen. Diese Zeit kommt ja schließlich nie wieder und ist etwas wunderbares, das es zu genießen gilt. Der anstrengende Alltag ergreift einen eh früher oder später. Warum können wir bloß nicht mehr genießen? Da geht sie dahin, die schöne Zeit, viel zu schnell, weil man nur ein halbes Jahr in Elternzeit war, unbedingt  wieder arbeiten wollte/musste und das Kind ganz früh in die Betreuung gegeben hat. Weil es die Gesellschaft, der Staat oder die Unternehmen so vorschreiben? Dann wacht man eines Tages auf und wünscht sich diese Zeit zurück. Spätestens dann wenn man an die Schulferien gebunden ist und dann beim gemeinsamen Familienurlaub so richtig abgezogen wird.

Liebe Grüße Teresa

Das Bild zeigt übrigens mich, meinen Mann und unsere Tochter. In Bali. Während unserer Elternzeit.

 

 

Hi ich bin Teresa. Studierte Medienmanagerin und leidenschaftliche Redakteurin. Meine Modeaffinität hat mich aber auch zwischenzeitlich mal die Branche wechseln lassen und so war ich zuletzt als Shopmanagerin bei Inditex tätig. Aktuell lebe ich aber ganz nach dem Motto: „Mein Alltag ist ihre Kindheit“. Ich versuche jeden Tag zu einem kleinen Abenteuer für uns zu machen. Mit einem tollen Mann an meiner Seite, einer wundervollen Tochter, die im Mai 2017 zur großen Schwester upgegradet wird, gestalten wir unseren Alltag so bunt wie möglich. So reisen wir gerne, ob durch Asien oder Europa. Und versuchen einfach immer wieder unseren persönlichen Interessen treu zu bleiben und sie gemeinsam auch zukünftig mit unseren Kindern zu vereinbaren. Kinder machen unser Leben nämlich nur noch lebenswerter: wir müssen es nur zulassen.