Wenn man zum ersten Mal schwanger ist, haben einige vielleicht auch schon gewisse Wünsche was das Geschlecht angeht. Man malt sich aus, wie die kleine Familie nun aussehen wird. In unserem Fall stellte ich mir den großen Bruder vor, der eine kleine Schwerster bekommen sollte. Das wäre doch toll. Oder vielleicht passen doch gleichgeschlechtliche Kinder besser zusammen. Wo die Interessen dann auch gleich sind? Die sich dann den selben Freundeskreis teilen können? Weniger Arbeit für Mami?

Ich glaube, fast jede werdende Mama will so schnell wie möglich erfahren, welches Geschlecht das Baby in ihrem Bauch hat. Auch wir gehören nicht zur der Fraktion Eltern: „Wir lassen uns gerne überraschen“! Im Gegenteil, wir sind einfach super neugierig und würden es am liebsten sofort wissen. Ich finde, der Bezug zum Baby ändert sich dann noch mal ein bisschen und wird einfach inniger, wenn man eine Vorstellung davon hat, ob es ein Junge oder ein Mädchen wird. In der Schwangerschaft von Kian haben wir das Geschlecht super früh erfahren, ich kann mich noch ganz genau daran erinnern. Als wir bei der Nackenfaltenmessung waren und der Arzt am Ende der Untersuchung fragte: Haben Sie noch Fragen? Bevor der Arzt die Frage überhaupt zu Ende stellen konnte, fragte mein Mann ganz neugierig nach dem Geschlecht. Der Arzt konnte schon dort in der 13. Woche mit einer Wahrscheinlichkeit von 80% sagen, dass es ein Junge wird. Wir waren überglücklich und freuten uns auf unseren kleinen Jungen. Das schönste daran war, dass wir auch die ersten mit einem Jungen in der Familie waren und somit war es schon etwas ganz Besonderes.

Ich erhoffte mir auch bei der zweiten Schwangerschaft so ein frühes Outing. Doch diesmal führte es nur zur Verwirrung, Enttäuschung, Traurigkeit und Wut! Ich hatte mir immer ein Mädchen gewünscht. Schon damals waren meine Puppen immer nur Mädchen. Nein, Moment! Ich hatte eine männliche Puppe. Doch ihn mochte ich nicht so wie die weiblichen Puppen, er lag einsam und allein in einem Schrank. Ich liebte es einfach, eine Puppenmama für Mädchen zu sein. Und auch heute ertappe ich mich immer wieder beim Shopping dabei, dass ich denke: „Ach, wie schön es doch wäre ein Mädchen einzukleiden, die Haare zum Zöpfchen zu binden und das Zimmer mit rosa zu dekorieren“.

Ich verließ mit einem übermäßig großen Grinsen die Arztpraxis nach der Nackenfaltenmessung. Mir wurde nämlich mitgeteilt das wir sehr wahrscheinlich ein Mädchen bekommen. Genauso wie wir es uns gewünscht haben. Mein Gefühl sagte mir von Anfang an, das das zweite Kind ein Mädchen ist.

Beim letzten Ultraschalltermin dann die große Enttäuschung! Ich war schon leicht nervös und aufgeregt, schließlich wurde beim letzten Termin ja nur vermutet das es ein Mädchen wird. Und tatsächlich: Unserem Mädchen ist doch glatt etwas Sichtbares gewachsen. Was auch immer es sein mag: Die Frauenärztin erkannte es als einen Penis. Sie wollte sich dann aber doch nicht ganz festlegen und meinte, dass sich das Geschlecht noch ändern kann. Es steht also immer noch 50/50, ob es nun ein Mädchen oder Junge wird.

In mir machte sich ein Gefühl breit, was ich in der Hinsicht nicht kannte. In mir baute sich sofort Enttäuschung, Verwirrung, Traurigkeit und Wut auf.

Ich wollte keinen Jungen, ich wollte ein Mädchen! Ich fühlte mich am Boden zerstört und rief erst mal meine Mann an, der ebenso, etwas enttäuscht über die Neuigkeit war. Doch dann kam der Satz, den ich in diesem Moment so gar nicht hören wollte: „Hauptsache gesund!“ Ja klar gesund, aber ein Mädchen und kein Junge! Im zweiten Augenblick habe ich mich geschämt für diese Gefühle. Warum freute ich mich nicht über einen gesunden Jungen? Was machten meine Gefühle mit mir? Ich bin doch einfach so froh darüber gewesen, sofort gewollt und problemlos schwanger geworden zu sein. Die Tränen schossen mir ins Gesicht, wie gemein allein der Gedanke daran nur schon war, sich nicht zu freuen. Ich würde voraussichtlich ein gesundes Kind bekommen, ich müsste doch unendlich dankbar dafür sein, anstatt enttäuscht oder traurig. Ich wurde richtig wütend auf mich selber. Darf man als Mutter überhaupt so denken? Es gibt so viele Pärchen die sich ein gesundes Kind wünschen und es jahrelang probieren schwanger zu werden oder sie bekommen eins was nicht gesund ist. Wir sollten uns bewusst vor Augen führen, dass es etwas Besonderes ist so ein Wunder miterleben zu dürfen und Kinder zu bekommen. Es fällt einem vielleicht schwer nicht das Wunschgeschlecht zu bekommen, doch wird das Kind am Ende einfach zauberhaft sein und sicher ganz anders, als das erste! Ich bin mir sicher und da habe ich jetzt gar keine Zweifel mehr, ich werde mein zweites Kind lieben, egal ob es nun Mädchen oder Junge wird.

Ich möchte hier meine Gedanken und Gefühle mit euch teilen, die eventuell auch mal nicht der gängigen Sichtweise entsprechen, aber mir ist es wichtig, auch solche Themen anzusprechen. Denn das Leben als Schwangere ist nicht immer nur wie auf Wolke sieben, nein, es kommen immer wieder Ängste und Zweifel auf. Und auch Gedanken, auf die man im Nachhinein nicht so stolz ist. Und vielleicht ist es ja der ein oder anderen während ihrer Schwangerschaft ganz ähnlich gegangen?

Ich freue mich auf eure Kommentare! <3

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Hi, ich bin Ramona. Sagt doch einfach Mona zu mir! Wenn Wäscheberge wachsen und das Chaos jeden Tag von vorn beginnt, weißt du, dass du mitten im Familienleben steckst. In unserer Welt geht es um die schönen Dinge des Alltags und das Leben mit Kind, auch mal durch Kinderaugen zu entdecken. Von unseren Kindern können wir den naiven, neugierigen und unverbrauchten Blick auf die Welt wieder erlernen. Mein Sohn Kian ist bald 1 Jahr und ein richtiger Wirbelwind. Langweilig wird es uns nie. Mit uns reist ihr durch das kunterbunte Familienleben mit kochen, basteln, nähen und Reisen in ferne Länder. Ich als Workingmom lasse meiner Kreativität an der Nähmaschine freien Lauf. Somit findet ihr einige handgemachte Lieblingsstücke in meinem Shop. Es sind die kleinen Dinge, die uns bewegen und zur Besonderheit werden.