Mein Name ist Esther, ich bin 26 Jahre alt und seit genau 647 Tagen Mama der kleinen Lilia. In diesen Tagen ist mehr passiert als in meinem bisherigen Leben. Ich habe gestillt, 27847485 Windeln gewechselt, 74647383 schlaflose Nächte verbracht und mein Herz um eine kleine Unendlichkeit vergrößert.

Die Kita-Entscheidung ist eine der schwierigsten im ersten Jahr mit einem kleinen Menschen. Es sei denn, man hat finanziell keine andere Wahl (was bei den meisten berufstätigen Mamas der Fall ist) oder man weiß erstaunlich gut, was man will. Ich nehme an, Ihr seid alle intelligente Frauen (mit Baby’s). Deshalb gehe ich davon aus, dass Ihr tatsächlich sehr gut wisst, was Ihr wollt. Aber sehr schlecht darin seid, es zu ermöglichen, ohne Schuldgefühle und Selbstzweifel. Ich kann es Euch leider auch nicht sehr viel leichter machen; aber ich kann Euch erzählen, wie es bei uns war. Warum die Kita für uns eher ein Gewinn ist, als ein schwerer Stein, warum sie mich überrascht und weinen lässt und ja, auch warum sie Optimismus schenkt und wachsen lässt. Mit genau 18 Monaten begannen wir mit der Entscheidung zur Kita-Eingewöhnung. Glücklicherweise hat meine Tochter, die Kita schnell als neuen “Buddy” akzeptiert und allmeine anfänglichen Bedenken zunichte gemacht.

Aber erstmal der Reihe nach…

Und ehe wir mit dem ganzen Thema loslegen, ein warnendes Wort. Solltet Ihr auch nur im Entferntesten daran denken, ein bis zwei Jahre nach der Geburt eures Kindes wieder arbeiten zu gehen, befasst Euch lieber gleich mit dem Thema Kinderbetreuung. Es sei denn, Ihr seid bereit das zu nehmen, was da so kommt. Die meisten Kita-Einrichtungen sind monate-, oft sogar jahrelang im Voraus ausgebucht.

Mutter vs. Frau sein

Das Konzept Familie kann gelingen, wenn jeder seinen ganz eigenen Teil dazu beiträgt, sich wohlfühlt und stetig weiter wachsen kann. Wachsen und voneinander Lernen. Dies ist der ganz eigene kleine Kreislauf einer jeden Familie. Meiner Meinung nach, spielt hier die Rolle als Mutter eine besonders entscheidende und ausschlaggebende. Ich musste mich oft mit der Fragestellung auseinandersetzen, wie man verlangen kann, dass eine Mutter ihren eigenen Beruf aufgibt, dem sie mit Freude ihre schöpferischen Stunden widmet.

Frau kann sich aufgeben, das ist sicher. Zum Zeitpunkt des Mama-werdens gibt sich jede Frau für den Moment auf. Das passiert schnell und ist kaum in Worte zu fassen. Dieser erste kleine Moment als Familie ist magisch und versetzt jeden in einen kleinen Trance-Zustand. Niemals zuvor erlebt man dieses Gefühl der Liebe so intensiv als in diesem.

Nach all dem anfänglichen Schweben auf der Mama-Wolke stürzt man auch mal zu Boden und das ist auch gut so. Mutter-Sein ist hart. Auch wenn es in der Social-Media-Welt nicht immer so aussieht. Wir versuchen stetig die schönsten Momente einzufangen. Aber Gott, ja! Es ist verdammt schwer. Und ich denke auch, dass wir darüber nicht viel reden. All unsere alltäglichen Kämpfe, Stress und Sorgen sind immer präsent. Und manchmal fühlt es sich gut an zu wissen, dass es auch anderen Mamas so geht…

Dieses Gefühl bekam ich das erste Mal so richtig durch die anderen Kita-Mamas zu spüren. Es tat gut zu sehen, dass wir nicht die einzigen sind, die sich zehn Minuten in Geduld üben, bis der Schuh oder die Jacke angezogen wird. Und vor einigen Tagen hatte ich ein wirklich intensives Gespräch mit einer Mama darüber, wie anstrengend es doch manchmal sein kann, drei Jobs zu haben. Danach fühlte ich mich irgendwie ein Stückchen befreit und stolz. Ganz viel Stolz war da plötzlich. Einfach so.

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Das Konzept Kita

Ganz klar, sie polarisiert. Und natürlich ist es niemals leicht, sein Kind in andere, fremde Hände abzugeben. Zugegeben, der Kita-Betreuung nachzugeben war niemals eine einfache Aufgabe. Und wird es auch niemals sein. Ich meine, du gibst dein Kind an eine dir völlig fremde Person ab. In Räumlichkeiten, die du zuvor niemals gesehen hast. Dein Kind soll sein Aua von einer anderen Bezugsperson weggepustet bekommen und Mittags nicht neben dir einschlafen.

Kita-Betreuung ist soviel mehr als den Tuschkasten auszupacken oder ein paar Bücher vorzulesen.

It’s all about facts

Dinge, die ich vor Kita-Start genau unter die Lupe genommen habe.

  • Konzept
    egal ob Waldorf oder nicht. Erkundigt Euch anfangs über die Fördermöglichkeiten innerhalb der Kita. Wie wird so ein Kita-Alltag aussehen? Worauf wird besonders Wert gelegt? Passt dieses Kita-Konzept zu meinem Kind?
    Stellt Fragen. Lieber eine mehr als zu wenig.

  • Zeitraum
    von wann bis wann ist die Kita-Betreuung möglich? Wir haben vorerst einen Teilzeitplatz und Lilia wird spätestens nach 6 ½ Stunden wieder abgeholt. Zudem solltet Ihr schauen, ab wann es möglich ist, die Betreuung in Anspruch zunehmen. Einige Kitas öffnen erst um 08:30 Uhr. Andere schon früher.

  • Räumlichkeiten
    Hell. Freundlich. Bunt. Einladend. Ihr solltet SOFORT ein gutes Gefühl bekommen, wenn Ihr das erste Mal gemeinsam die Kita betretet. Falls nicht? Dreht Euch gleich wieder um!

  • Draußen-Sein
    Dieser Punkt war extrem wichtig für uns. Ich halte es sehr wichtig, dass die Kiddies auch mal an die frische Luft kommen. Ein kleiner Garten ist ideal. Ein paar Ausflüge gemeinsam mit der ganzen Kita ebenso.

  • Tagesablauf
    Eine gemeinsame Routine ist wichtig. Dies erleichtert den Kindern die Eingewöhnung ungemein. Gemeinsames Spielen, Essen, Zähne putzen, Schlafen und Vespern. All dies schafft Sicherheit und lässt wachsen.

Der Kita-Alltag, Schuldgefühle und ein Stückchen Freiheit

Lilia und ich machen uns jeden Tag gemeinsam auf den Weg. Da mein Arbeitsplatz sich nur zwei Minuten fußläufig von der Kita befindet (wir sind in einem betriebsbezogenen Kindergarten), ist das ganze natürlich ideal für mich. Und ich genieße die halbe Stunde am Morgen auf dem Weg zur Kita nochmal ganz besonders mit ihr. Sofern wir nicht im Zeitdruck sind aber das ist eine andere Geschichte… 😉

Der Kita-Alltag beginnt um spätestens 09:30 Uhr. Pünktlich sein gilt immer, denn es ist ganz schön blöd in den Morgenkreis zu platzen. Andere Möglichkeit: solange gemeinsam an der Garderobe warten. Viele Kitas fördern die Entwicklung des Kindes in nahezu allen Bereichen. In Lilia’s Kita wird viel gebastelt, gesungen, gemalt und rausgegangen. Somit ist so jeder Tag, für jedes Kind, neu aufregend und ja, auch anstrengend. Das zu Bett gehen klappt nach so einem Tag immer besonders gut. Es sei denn, die Zähne…

Mit Beginn der Kita hatte ich ein kleines Stückchen Freiheit wieder. Es ist unglaublich, wie schnell man diese Freiheit wieder als “normal” wahrnimmt. Und es ist unglaublich wunderschön, wie man sich auf sein Kind freuen kann – man nimmt dieses Mama-Kind-Ding einfach viel intensiver wahr.

Hierzu zählen allerdings auch die Schuldgefühle. Ich habe eine Goldmedaille für Schuldgefühle verdient. Sobald jemand mit mir zusammenstößt entschuldige ich mich sofort. Aber selbst, wenn Ihr nicht der Schuldgefühls-Typ seid, fühlt ihr Euch mit Sicherheit genauso mies, wenn Ihr euer Kind der Kita überlasst. Das gehört nun mal dazu und man muss leider lernen damit fertig zu werden.

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Ein paar Mut-Mama-Bullets:

  1. Wenn das Arbeiten glücklicher macht, hat auch Euer Kind MEHR von Euch.

  2. Kinder beherrschen dieses Schuldzuweisungs-Spiel 1A. Und sie können eine riesige Show in der Kita abliefern, um Euch ein schlechtes Gewissen auszubündeln. Drei Minuten nachdem Ihr die Räumlichkeiten verlassen habt, wird Euer Kind wieder glücklich und zufrieden sein. Hinterhältiges kleines Ding.

  3. Die Kinder lernen sich mit anderen dieser Spezies auseinanderzusetzen, während man arbeitet. Ein weiterer Pluspunkt.

  4. Viele Kinder sind ausgeglichener, wenn sie ab und an eine andere Bezugsperson haben. Sie sind genauso glücklich, wie andere Kinder und haben entspannte und (hoffentlich auch) zufriedenere Mütter

  5. Die Erzieher/innen entdecken in Eurem Kind vielleicht noch ganz andere Charakterzüge. Jene, die Ihr vielleicht vorher noch niemals so wahrgenommen habt.

Falls Ihr noch ein wenig mehr Ermutigung braucht, hört auf Euer Mutter-Bauchgefühl. Es wird Euch sagen, ob der Kindergarten der Richtige für Euer Kind ist. Vielleicht wird es bis dahin noch ein Weilchen dauern; aber es lohnt sich. Denn es wird der Zeitpunkt an einem Nachmittag kommen, an dem Euer kleines, klebriges Kind mit einem Strahlen in Eure Arme läuft, Euch küsst und Ihr innehaltet.

Das passiert so ziemlich oft bei uns.

Und jedes Mal weiß ich ganz genau, dies ist mein Kind, welches so voller Liebe steckt. Und glaubt mir. Es macht glücklich!

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Hi ich bin Teresa. Studierte Medienmanagerin und leidenschaftliche Redakteurin. Meine Modeaffinität hat mich aber auch zwischenzeitlich mal die Branche wechseln lassen und so war ich zuletzt als Shopmanagerin bei Inditex tätig. Aktuell lebe ich aber ganz nach dem Motto: „Mein Alltag ist ihre Kindheit“. Ich versuche jeden Tag zu einem kleinen Abenteuer für uns zu machen. Mit einem tollen Mann an meiner Seite, einer wundervollen Tochter, die im Mai 2017 zur großen Schwester upgegradet wird, gestalten wir unseren Alltag so bunt wie möglich. So reisen wir gerne, ob durch Asien oder Europa. Und versuchen einfach immer wieder unseren persönlichen Interessen treu zu bleiben und sie gemeinsam auch zukünftig mit unseren Kindern zu vereinbaren. Kinder machen unser Leben nämlich nur noch lebenswerter: wir müssen es nur zulassen.