Heute möchte ich euch meine Geschichte erzählen oder besser gesagt unsere! Denn mein Mann spielt dabei eine nicht unwesentliche Rolle. Es fällt mir nicht leicht, meine Gedanken zu dem Thema zu ordnen und diese Zeit in einen, auch für euch interessanten, Rahmen zu verpacken. Aber es liegt mir sehr am Herzen und ich möchte damit allen Paaren, die versuchen ein Kind zu bekommen, Mut machen. Denn meist hört man doch immer nur Versionen von „Es hat direkt beim ersten Mal geklappt!“. Klar, ich stelle mich auch nicht bei einer Feier hin und erzähle, wie zermürbend das Ganze für uns manchmal war. Will ja auch keiner hören. Mit diesem Artikel möchte ich außerdem deutlich machen, warum es „Kinderwunsch“ heißen muss und nicht „Kinderplanung“, denn planen lässt es sich leider nicht. Schwanger zu werden ist immer ein Geschenk, darüber sollte man sich bewusst sein, bevor man sich überlegt, wann „es gut passen würde“. Aber von Anfang an…

Ich erinnere mich noch genau, wie mein Mann und ich dachten, wir hätten in den Flitterwochen ein Kind gezeugt… Wir machten sogar ein Selfie „danach“, um diesen glücklichen Moment fürs Familienalbum festzuhalten. Ein Flitterbaby! Das wäre das perfekte Ende, einer perfekten Hochzeit. Und ich war sowas von bereit. Ich hatte sogar meinen Job gekündigt, um mich komplett auf meine neue Rolle einzulassen. Denn in dem stressigen Redaktionsalltag schwanger zu sein, konnte und wollte ich mir nicht vorstellen. Wie es beruflich weiter gehen würde, darüber wollte ich mir Gedanken machen, wenn unser Kind zum Kleinkind würde. Aber das Schicksal hatte andere Pläne. Und so hatten wir noch über 1,5 Jahre zu gestalten, in denen es einfach nicht klappen wollte.

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Und ich kann euch sagen, es war eine harte Zeit, mit vielen Tränen, dunklen Gedanken und leider auch blöden Sprüchen. Hier ein kleines „Best of“:

  • „Einfach nicht mehr dran denken!“
  • „Betrinkt euch mal schön zusammen!“
  • „Bloß nicht den Spaß an der Sache verlieren!“
  • „Ach, genießt doch noch die Zeit ohne!“
  • „Das dauert aber lange!“
  • „Ihr wisst aber wie es funktioniert?!“
  • „Daran sind schon viele Beziehungen zerbrochen!“

Na, welche Aussage bekommt von euch den ersten Platz?

Jetzt fragt ihr euch sicher, woran es denn gelegen hat?! Leider habe ich keine Antwort für euch – denn mein Mann und ich sind beide gesund, eine medizinische Erklärung gibt es nicht, außer vielleicht schlechtes Timing – dazu später mehr.

Wir kamen also nach unseren ersten Versuchen aus den Flitterwochen zurück – und mein Umfeld WUSSTE natürlich ganz genau, dass ich auf jeden Fall schwanger geworden war. Ich kaufte mir also einen Schwangerschaftstest, den man bereits vier Tage VOR Ausbleiben der Periode machen konnte und ging den Abend davor noch mal tanzen und gönnte mir ein Glas Wein, denn damit würde ja mit der Gewissheit einer Schwangerschaft erst mal Schluss sein. Ich redete an dem Abend viel mit meiner Freundin darüber, was sich denn nun alles ändern würde und glaubt mir, ich habe morgens im Bad nicht schlecht gestaunt, als der Test negativ war. Da wusste ich nicht, wie oft ich diesen Anblick noch würde ertragen müssen. Nun ja, frei nach dem Motto „Beim ersten Mal wäre ja auch schon riesen Glück gewesen“, versuchten wir dem Ganzen nicht zu viel Bedeutung beizumessen.

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Aber auch die nächsten Versuche blieben ohne Erfolg. Ich beschloss meinen Frauenarzt zu Rate zu ziehen. Das hatte ich vorher nämlich gar nicht getan. Bis zu dem Zeitpunkt hatte ich ja mein halbes Leben lang versucht nicht schwanger zu werden und hätte mir niemals träumen lassen, wie schwer es sein könnte, es zu werden. Ich hatte in weiser Voraussicht, die Anti-Baby-Pille einfach schon drei Monate vor der Hochzeit abgesetzt, um die Hormone schon mal aus dem Körper zu bekommen. Eine Freundin erzählte mir später, dass die Wahrscheinlichkeit hoch ist, direkt im ersten Zyklus nach Absetzen schwanger werden. Das würde erklären, warum es so viele „Bei uns hat es sofort geklappt“-Geschichten gibt. Nun gut, diesen Moment hatten wir schon mal ungenutzt verstreichen lassen. Mein Arzt reagierte allerdings total tiefenentspannt auf unseren Wunsch und verlangte vor allem eins von mir: Geduld! Der Rest würde schon kommen.

Mein Mann und ich verabredeten, dass Beste aus der Zeit zu machen und vielleicht noch ein paar Dinge zu tun, die mit Baby schwierig werden würden. Und so reisten wir! Waren fast jeden Monat für einen Kurztripp woanders: Silvester in Berlin, Valentinstag in Paris (auch da habe ich einen negativen Test im Bad zu verbuchen), im Frühling nach Zürich, über meinen Geburtstag nach Fuerteventura, auf ein Festival in Rumänien… und so weiter!

Irgendwann war ich wieder beim Arzt. Ich hatte mittlerweile eine Zyklus-App und mein Zyklus fuhr buchstäblich Achterbahn von 28 – 35 Tagen. So verpassten wir vermutlich auch die fruchtbaren Tage ziemlich oft. Mein Arzt gab mir nun Tabletten, um den Zyklus zu normalisieren und auch bei Bedarf welche, um den Eisprung zu verstärken. Dann musste ich circa vier Tage vor dem Eisprung noch mal hin und er sagte: „Am Donnerstag sollten sie sich mal lieb haben.“ Ganz so romantisch lief das dann leider nicht immer ab. Es ist halt Sex nach Datum. Jeder, der sich schon mal intensiv mit dem Thema befasst hat, weiß, das man es auch nicht zu oft tun sollte, da das Sperma am besten drei bis vier Tage „reifen“ soll… So viel dann zu Romantik. Oder Spontanität.

IMG_3693Schließlich ging ich auch wieder arbeiten, um Ablenkung von dem Thema zu haben. Doch auch da brauchte ich zwei Versuche. Der erste Job war recht stressig und undankbar und ich bin ziemlich sensibel und nehme die Arbeit gern mit nach Hause. Auch nicht optimal, um einen entspannten Geist zu haben. Nachdem dieses Arbeitsverhältnis endete, verwirklichten wir uns noch einen Traum. Eine Karibikkreuzfahrt! Und meine fruchtbaren Tage hatte ich auch mit an Bord gebracht… Wir hätten unser Kind hier vor Haiti, Jamaica oder Mexiko zeugen könnten. Ihr lest richtig „hätten“, denn der Erfolg blieb aus. Die Enttäuschung war umso größer, denn entspannter als in seinem Traumurlaub kann man ja wohl nicht sein?!

Im neuen Jahr hatten wir das Vertrauen in die unterstützenden Versuche meines Frauenarztes verloren. Ich kann ihm im Nachhinein keinen Vorwurf machen, denn er wusste einfach, dass wir bloß Geduld brauchten. (Ich blieb dann auch die komplette Schwangerschaft bei ihm). Zu diesem Zeitpunkt entschieden mein Mann und ich aber, dass mein Gynäkologe etwas übersehen haben müsste und wir uns nun an eine Kinderwunschklinik wenden würden. Der Info-Termin war Ende April, kurz vor meinem 34. Geburtstag. Ich musste während des Vortrages schon einige Male schlucken, denn diesen Weg zu gehen ist eine große psychische Belastung. Ich war mir nicht sicher, ob ich das schaffen würde. Was ich nicht wusste? Ich war bei diesem Termin schon schwanger. Würde es aber erst 10 Tage später erfahren.

Wir flogen mit Freunden nach Spanien und meine Tage blieben aus. Ich weigerte mich aber einen Test zu machen, ich wollte nicht wieder enttäuscht werden und war wütend auf das Universum, dass durch diesen kurzen Flug mein Zyklus wieder durcheinander war. Vier Tage blieb ich standhaft. Dann wurde das Gedankenkarussel zu laut: „Könnte ich vielleicht doch noch ohne Hilfe schwanger geworden sein?!“ Also brachten die Männer einen Test vom Brötchen holen mit. Und… er war negativ. Ich war am Boden zerstört. Ich trank den schlechtesten Mojito meines Lebens am Strand, mein Mann und ich gingen spazieren und wir sprachen davon, es jetzt gut sein zu lassen, die Welt zu bereisen, uns einen Hund zu kaufen. So ganz typisch eben. Als wir abends zurück in der Finca waren, lächelte der Test ihn wohl aus dem Müll an, er zog ihn raus und er war positiv. Und auch der nächste, den ich umgehend machte, sagte: Embarazada! (Schwanger) Alle freuten sich und sogar Glückstränen floßen. Nur bei mir nicht, ich war wie versteinert und erlaubte mir nicht, mich zu freuen… Zu groß war die Angst vor einer erneuten Enttäuschung. Erst als ich die Gewissheit durch meinen Arzt hatte und die ersten drei Monate überstanden waren, wurde ich entspannter. Und Ende Dezember durften wir unseren Sohn in unsere Arme schließen.

Jetzt wollt ihr aber sicher wissen, welcher Trick mir nun geholfen hat. Tatsächlich verbrachten wir bei Freunden einen feuchtfröhlichen Abend und hatten im Kopf damit abgeschlossen, dass es noch auf natürlichem Wege klappen würde. Kopf aus, ist der beste Tipp, den ich euch geben kann, aber natürlich auch der schwerste! „Denk‘ jetzt mal nicht an einen rosa Elefanten!“ Genau! Ich wünsche allen da draußen, die schwanger werden möchten, dass ihr es werdet. Bis dahin kann ich euch nur raten, macht euch eine schöne Zeit und versucht positiv zu bleiben.

Eure Melli

Hallo, ich bin Melli, an meiner Seite sind der kleine Louis und mein Mann Björn. Bevor ich Mama wurde, habe ich Modejournalismus studiert und arbeitete anschließend in einer Promi-Redaktion. Gab es zu der Zeit für mich nichts Spannenderes als: „Welches Kleid trägt XY zu den Oscars“ und „Hat Promi ZZ tatsächlich eine Affäre“, interessiere ich mich heute brennend dafür, wann unser kleiner Mann seine ersten Schritte macht und ob Pampers Baby Dry Night wirklich länger trocken halten?! Louis ist eindeutig der Star in unserem Haushalt und wie es sich für eine richtige Diva gehört, hat er sich Zeit gelassen, in unser Leben zu treten. Erst, als ich schon daran zweifelte, dass bei uns alles auf natürlichem Wege laufen würde, passierte „es“ in einer feucht-fröhlichen Nacht. Und so begann die aufregendste Reise meines Lebens… Jetzt ist der kleine Keks schon ein Kleinkind und hat unser Leben bereits ordentlich auf den Kopf gestellt.