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Ein Blog (nicht nur) für Mamis

Interview mit „Die Kleinschmeckerin“

Wer auf der Suche nach leckeren und gesunden Rezepten für die ganze Familie ist, kommt an ihr nicht vorbei: Vanessa alias „Die Kleinschmeckerin“. Auf ihrem gleichnamigen Blog findet ihr neben wunderbaren Leckereien, auch noch ein bisschen „Mummy Stuff“ und Einblicke ins Familienleben. Ich durfte der Bloggerin ein paar Fragen stellen:

Ich bin ja ein großer Fan Deines Blogs und Instagram-Profils, nicht nur die Rezeptideen sind immer toll, auch deine Bilder sind wunderschön. Fast zu schön, um die Gerichte dann zu verspeisen, oder? Fällt Dir das manchmal schwer?

Mir wird diese Entscheidung meistens von meinem kleinen Sohn abgenommen, der sich eher wenig Gedanken über den Look seines Essens macht ;). Da wird gleich fröhlich drauf losgeschaufelt. Er findet es eher doof, wenn er warten muss, weil Mama noch schnell ein paar Fotos knipsen möchte. Mit einem Klammeräffchen, das an der Hose rumzuppelt schöne Fotos zu machen, ist nicht immer einfach. Umso mehr freut es mich, dass sie Dir und hoffentlich auch meinen anderen LeserInnen gut gefallen. Natürlich schieße ich viele Bilder schon vorher, während Johannes im Kinderladen ist, um dafür die nötige Ruhe zu haben. Aber das geht nicht bei allen Gerichten.

Aber fangen wir doch mal ganz am Anfang an, wie entstand die Idee zum Blog und was möchtest Du mit ihm erreichen? Wer ist deine Zielgruppe?

Die Idee hatte ich bereits während der Schwangerschaft. Ich bin von Beruf Online-Redakteurin und PR-Referentin, sodass der Schritt zum Blog gedanklich nicht allzu groß war. Allerdings war ich in der Elternzeit mit meinem Abschluss an der Journalistenschule beschäftigt und bin danach erst einmal zurück zum alten Arbeitgeber. Bis mir eines Nachts im Bett plötzlich der Name „Die Kleinschmeckerin“ in den Sinn kam. Das war der Startschuss.

Mein Blog soll für Eltern sein, die ihre Kinder entspannt an eine gesunde und bewusste Lebensweise heranführen möchten. Meine Rezepte sind alltagstauglich und an die Lebenswirklichkeit junger Familien angepasst. Ich möchte ein wenig den Druck rausnehmen, der sich durch die unzähligen Foodtrends in den letzten Jahren bei vielen aufgebaut hat. Kinder gesund zu ernähren, ist sicher eine Herausforderung, aber kein Hexenwerk. Verbote und starre Dogmen findet man bei mir nicht und ich glaube auch, dass diese eher kontraproduktiv wirken.

Kleinschmeckerin 3

War gesunde Ernährung dir auch schon vor der Schwangerschaft wichtig oder hat in dieser Zeit ein Umdenken für dich stattgefunden?

Es gab ein Umdenken. Allerdings schon sehr viel früher. Als Jugendliche habe ich – wie wohl die meisten – eher wenig auf meine Gesundheit geachtet. Da fühlt man sich ja unsterblich ;). Das Umdenken setzte mit Anfang/Mitte 20 ein. Ich hörte auf zu rauchen und Alkohol zu trinken, fing an regelmäßig Sport zu machen und stellte meine Ernährung um. Als ich mit 25 schwanger wurde, hatte ich meine Ernährungsphilosophie und Lebensweise schon klar definiert und wusste, dass ich dies an mein Kind weitergeben möchte.

Lebt deine Familie vegetarisch oder vegan?

Es gibt bei uns nur vegane und vegetarische Gerichte. Ich selbst esse kaum tierische Produkte, aber ich möchte meinem Sohn und auch meinem Mann diese Ernährungsweise nicht aufzwingen. Natürlich leben sie es zum Großteil mit, aber Johannes darf im Kinderladen (alternativer Kindergarten in Berlin) alles mitessen. Auch Fleisch und Fisch. Da sie dort sehr viel wert auf Bio-Produkte legen, geht das für mich in Ordnung und – wie gesagt – ich halte nichts von Verboten. Mein Mann und ich sind der Ansicht, dass er solche Entscheidungen selbst treffen soll, wenn er soweit ist. Unsere Verantwortung liegt darin, ihm zu vermitteln, woher unsere Lebensmittel stammen und wie wertvoll diese sind. Mit seinen dreieinhalb Jahren glaubt er mir noch nicht so richtig, dass Fleisch tatsächlich aus Tieren gemacht wird. Ich könnte mir gut vorstellen, dass er vegetarisch oder vegan leben möchte, wenn er realisiert, wie diese Lebensmittel produziert werden.

Als Eltern kann man nur das vorleben, was man selbst für richtig hält. Kinder sollten aber selbst entschieden dürfen, was sie daraus machen.

Was ist Dir bei eurer Ernährung besonders wichtig?

Wir kochen und essen nach dem Clean Eating-Prinzip. Das bedeutet, dass unsere Gerichte weitestgehend aus naturbelassenen Zutaten bestehen. Es gibt bei uns keine Fertigprodukte, raffinierten Zucker oder Geschmacksverstärker. Alles, was ich selber machen kann, mache ich selber.

Worauf sollte jede Mami, deiner Meinung nach, bei der Ernährung ihres Kindes/ihrer Kinder achten?

Grundsätzlich ist das natürlich jedem selbst überlassen und ich hebe nicht belehrend den Zeigefinger, wenn eine Mama ihr Kind – in meinen Augen – ungesund ernährt. Wenn mich jemand fragt, dann antworte ich, dass es wichtig ist, eine gute Esskultur zu entwickeln: Gemeinsam einkaufen, gemeinsam kochen, gemeinsam am Tisch essen. Dadurch gibt man dem Kind schon viel mit für ein gesundes Essverhalten ein Leben lang.

Also, mein Sohn isst ja zur Zeit noch alles, ich weiß aber, dass sich das wahrscheinlich noch ändern wird. Kinder und Gemüse – ist ja so ein Thema für sich. Hast du einen Tipp, wie man den Kleinen Gemüse schmackhaft machen kann?

Ich finde, Dein erster Satz ist total entscheidend. Kinder mögen nicht immer das gleiche. Ihre geschmacklichen Vorlieben verändern sich stetig und deshalb gibt es auch überhaupt keinen Grund zu verzweifeln, wenn der Sohn oder die Tochter momentan keinen Spinat oder Brokkoli mag. Entspannt bleiben, ist hier ganz wichtig. Essen sollte Spaß machen und kein Reizthema werden. Manchmal hilft es schon, die Konsistenz oder Verarbeitungsweise zu verändern. Ich habe zu diesem Thema einen Artikel geschrieben, der hier nachgelesen werden kann.: http://www.kleinschmeckerin.com/5-einfache-ideen-um-kinder-fuer-gemuese-zu-begeistern/

In der Blog-Kategorie „Mummy Stuff“ schreibst Du über Dinge, die Dich neben gesunder Ernährung noch bewegen. Trotzdem würde ich Dich nicht als typische Mama-Bloggerin bezeichnen, da Deine Familie nicht so sehr im Fokus steht. Nimmst Du Dich da bewusst etwas zurück?

Ich habe die Kategorie mit aufgenommen, weil mir immer wieder „Mamazeug“ unter den Nägeln brennt, das ich einfach loswerden muss. Hin und wieder gibt es auch private Einblicke in unser Leben und das kommt bei meinen LeserInnen so gut an, dass ich das in nächster Zeit sicher ausbauen werde. Aber tatsächlich bin ich in diesem Punkt bewusst verhalten und achte sehr darauf, nicht zu viel preiszugeben. Wenn manche Mama-Blogger das für sich anders entschieden haben, finde ich das aber auch legitim.

Mamis untereinander können ja leider oft sehr hart und bewertend sein, gibt es etwas, was Du allen Mamis gern mal sagen würdest, um für mehr Zusammenhalt zu werben?

Ja, das ist für mich ein großes Thema und auch dazu gibt es einen Blog-Artikel von mir. (http://www.kleinschmeckerin.com/mamis-seid-endlich-netter-zueinander/) Gerade in der „Mamablogger“-Szene wird dieser völlig kranke Konkurrenzkampf zwischen Müttern auf die Spitze getrieben. Ich habe dafür überhaupt kein Verständnis und lebe es mit meinen Freundinnen, die ebenfalls schon Kinder haben, ganz anders. Wir versuchen uns gegenseitig zu empowern und ohne Wertung die Probleme des anderen ernst zu nehmen und mit helfender Hand zur Seite zu stehen. Wir Mütter haben keine starke gesellschaftliche Lobby und gerade deshalb müssen wir uns zumindest intern ein sicheres Netz aufbauen, das uns auffängt, wenn wir mal nicht mehr können. Denn wir Mütter leben ein Leben am Limit. Am Limit unserer eigenen Leistungsfähigkeit. Kinder, Job, Ehe, Haushalt, vielleicht sogar noch Hobbies oder Selbstverwirklichung unter einen Hut zu kriegen ist eine Mammutaufgabe, die wir 24/7 bewältigen müssen. Ich bewundere jede Frau, die das schafft und möchte jede in den Arm nehmen, die es eben gerade mal nicht mehr schafft. Auch das ist in Ordnung. Wir sind alle nur Menschen. Es geht nicht darum perfekt zu sein, sondern zufrieden durchs Leben zu gehen im Einklang mit sich selbst. Nur so, werden wir tolle Menschen großziehen, die sich selbst und andere bedingungslos lieben können.

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Zum Schluss würde ich mich noch über ein tolles „Wenn’s mal schnell gehen muss“-Rezept freuen. 

Johannes liebt momentan Mango-Guacamole. Dazu einfach einen Mango in kleine Stücke schneiden, mit einer zerdrückten Avocado vermengen, etwas Knoblauch, Salz und Limettensaft dazu geben. Fertig! Dazu passt mein selbstgemachtes Fladenbrot (http://www.kleinschmeckerin.com/4x-fladenbrot/) ganz prima!

 

Mehr von Vanessa? Hier geht’s zu ihrem Instagram-Account