Ich nahm den letzen Umzugskarton, indem jetzt der Rest aus den vergangenen Jahren eingepackt war, gemeinsam mit einem neuen Schlüssel für ein neues zuhause. Damit begann die erste Etappe meines neuen Lebensabschnittes, ohne zu wissen was auf mich zukommen wird, was auf mich wartet, was nun beginnen wird. Es kommt immer anders als man denkt, alle Pläne der letzten Jahre sind über Bord geworfen. Eine alte Heimat die ich nun zurück lasse, aber gleichzeitig mit einem willkommenen Neuanfang starte.

Ja, Eine Trennung, ein Neuanfang und ganz viel Gefühlschaos sind nur 3 von vielen Definitionen welche mein letztes Jahr beschreiben könnten. Vor ein paar Wochen haben Lia und ich einen Tapetenwechsel hinter uns gebracht. Es war ein anstrengender, nervenaufreibender Weg, der eigentlich mit Worten nicht zu beschreiben ist und trotzdem wähle ich diesen Schritt, um Gleichgesinnte zu finden und endlich offen darüber zu sprechen.
Ich habe schon vor langer Zeit angefangen diese Zeilen hier zu verfassen, immer wieder habe ich abgebrochen und von vorne angefangen. Die richtigen Worte dafür zu finden, ist schwierig, es kam mir teilweise vor wie im Film, wo gefühlt 100 Texte angefangen wurden aufzuschreiben und doch zerknittert in die Ecke geworfen wurden. Keine Motivation, keine Energie und doch soviel was bereit ist von der Seele geschrieben zu werden.

Alles hat einen Anfang

Als ich 19 Jahre alt war bin ich die längste Beziehung meines Lebens eingegangen. Auch wenn es am Anfang nicht danach aussah sollte sie mein halbes Leben andauern, 14 Jahre um genau zu sein. Wir waren vorher gut befreundet und lernten uns schnell näher kennen. Uns verband der selbe Humor, die Leichtigkeit, gleiche Interessen, rundum es passte einfach ALLES. Es gab eigentlich keinen Tag den wir nicht zusammen verbracht haben, weil wir uns so gut verstanden und lieben gelernt hatten und ohne den anderen einfach nicht sein wollten. Wir sind in den 14 Jahren durch dick und dünn gegangen, haben kaum gestritten, uns super ergänzt so wie sich jeder eine glückliche Beziehung vorstellen mag. Unser Freundeskreis betitelte uns damals gerne als Traumpaar, war einer von uns mal nicht dabei, wurde direkt nachgefragt ob denn alles ok sei, denn so selten war es der Fall.

Dann entschieden wir uns den für uns wohl aufregendsten Lebensabschnitt einzugehen, nein nicht die Heirat, sondern ein Baby. Gesagt getan, kaum ausgesprochen machte es sich Lia, auch schon im Bauch gemütlich. 40 Wochen wo wir noch mehr zusammen gewachsen sind, ein neuer Lebensabschnitt der uns noch mehr zusammen schweißen sollte, unsere Lia. Selbst im Kreißsaal hat es reibungslos funktioniert, so gut kannten wir uns so gut waren wir eingespielt, nach dato 12 Jahren Beziehung, was auch die Hebammen spürten und es uns noch mehr stärkte, dass wir alles richtig gemacht hatten.


Am 17.06.2015 kam dann unser größtes Glück auf die Welt, sie war gesund und munter und unsere kleine Familie schien perfekt. Wir hatten ein Familienzimmer gebucht und so konnten wir die ersten Tage noch intensiver genießen, denn wir wussten diese Augenblicke sind einmalig und kommen so nie wieder. Am 3 Tag durften wir nach Hause, wir freuten uns auf das neue Familienleben, schmiedeten Pläne wie es wohl sein wird, wie Lia ihr neues Zuhause annehmen wird. In der Heimat angekommen war plötzlich nichts mehr Friedefreudeeierkuchen, denn von der anfänglichen Euphorie war plötzlich nicht mehr viel übrig. Lia hat viel geweint und kaum geschlafen, gepaart mit Stillproblemen kam es zu häufigeren Auseinandersetzungen, weil wir einfach alle so unfassbar müde und ausgelaugt waren, dachte ich zumindest. Nach ein paar Wochen spielte sich das Mami-Leben aber sehr gut ein und natürlich war Lia unser Mittelpunkt, unser ein und alles und wir versuchten uns gegenseitig so gut es ging zu unterstützen. Nachdem wir wieder genug Schlaf auftanken konnten, glaubte ich der schwierige Start sei vorbei, doch die zwischenmenschlichen Streitigkeiten blieben. Ich spürte immer mehr, dass mich das Mami-sein verändert hat und zwar im positiven Sinne. Ich habe viele neue Ansichtsweisen  bzw. habe ich gelernt zurück zu stecken für meine Maus die mir jeden Tag aufs neue zeigt was meine Aufgabe im Leben ist und was mein Leben nun lebenswert macht und alles was damit zusammenhängt.

Der Schritt der Trennung

Es war eher ein schleichender Prozess. Die Streitigkeiten häuften sich, bis irgendwann der Zeitpunkt gekommen war, wo wir einsehen mussten dass es so einfach nicht mehr funktioniert, weil wir uns einfach gegenseitig nicht mehr gut getan haben. Auch wenn es sich vielleicht so anhören mag, als sei Lia der ausschlaggebende Auslöser für die Trennung gewesen, war es jedoch der Blick auf das Wesentliche. Die vielen kleinen Probleme haben wir wahrscheinlich schon weitaus länger in uns getragen, doch kamen sie seit Lia da ist erst richtig zum Vorschein. Ein Fluch und ein Segen zu gleich. Wir konnten uns plötzlich nicht mehr Halt geben, die Probleme nicht mehr mit Blumen, Umarmungen und lieben Worten wieder gut machen, denn es ändert sie ja nicht, verzögerte sie nur, hätte sie weiter wachsen lassen. Und es war nun ein kleines Würmchen da, was beschützt werden soll und nicht in einem Raum der Distanz und Anspannungen zwischen Papa & Mama aufwachsen. So schwer dieser Weg nach 14 Jahren war, so viele Tränen ich vergossen habe und soviel ich noch drüber nachgedacht habe, ob wir eine weitere Chance haben, umso mehr verflüchtigten sich diese Gedanken, denn es war einfach zu spät, obwohl unser kleines Familienleben gerade erst begonnen hat. Letztes Jahr trennten wir uns, versuchten allerdings Lia nichts merken zu lassen, es klappte mal gut mal weniger. Ich war leer, antriebslos wusste nicht wie es weiter gehen sollte. Täglich schwirrten mir neben dem Mamialltag und dem Job hunderte Fragen durch den Kopf: Kann ich es alleine schaffen ohne Familie in meiner Nähe, muss ich viel mehr arbeiten, was ich eigentlich Lia gegenüber nie wollte und viel wichtiger, wie wird sie es verkraften… Ich war traurig darüber, dass die Maus bald nur mit einem Elternteil die Wochenenden verbringt, nachts nur neben Papa oder Mama schläft und vielleicht eine Hand vermisst, nach der sie nachts so gerne greift. Das ein Elternteil abends ohne Lia sein muss, war für mich der schlimmste und zugleich auch der egoistischste Gedanke. Denn da wurde mir plötzlich bewusst, dass ich teilen muss, Lia, das Sorgerecht, hier geht es um meine Tochter, mein Fleisch und Blut. Sie fehlt mir schon wenn ich nur arbeiten bin und nun muss ich mich eventuell damit abfinden sie auch mal öfter 1-2 Tage oder länger nicht zu sehen. Ja, Lia in erster Linie gerecht zu werden und uns Eltern ebenso, steht natürlich an erster Stelle und ist zugleich mein schwerster Schritt, sie ein Stück mehr los zu lassen. Es zerreißt mir bis heute das Herz, weil ich es so für Lia, für uns nie gewollt habe, hatte ich doch immer unsere Zukunft zu dritt vor Augen.

Was mir immer wieder Kraft gegeben hat.


In erster Linie natürlich meine Maus. So schwer es auch war, neben dem oft anstrengenden Alltag einen klaren Kopf zu bewahren, trotzdem morgens aufzustehen, obwohl ich wusste es wartet eine lange ungewisse Reise auf uns, war sie es die mir immer wieder Mut gemacht hat, für sie wollte und musste ich es einfach packen. Wenn das Zuhause nicht mehr das ist was es einmal war, wenn sich keiner mehr so richtig wohl dort fühlt und es auch keinen Sinn mehr macht, ob frische Blumen auf dem Tisch stehen, ob es Wochenende ist, oder zu dritt gegessen wird und die Distanz der größte Begleiter ist. Dann ist es an der Zeit auszuziehen, zu gehen, die Gedanken in Ruhe ordnen zu können, abzuschalten von dem kräftezehrenden  Jahr. Ohne meine Freunde um mich herum hätte ich es nicht so gut weg gesteckt, vieles nicht geschafft, sie haben mir egal zu welcher Uhrzeit zu gehört, mir Mut gemacht, waren einfach immer da und sind es auch jetzt noch. Dafür Danke ich euch sehr. Meine Familie ist sehr überschaubar und mein Papa ist kurz vorher auch noch 260km weit weg gezogen, trotzdem versucht er so gut es geht zu helfen, er ist und bleibt mein Fels in der Brandung – nur ist er eben nicht mehr um die Ecke. Anfangs habe ich kaum über die Trennung und wie es mir eigentlich wirklich geht gesprochen, eher alles mit mir selber ausgemacht wie ich es gerne tue. Aus Scham, Erschöpfung, oder was auch immer. Wer gibt schon gerne zu gescheitert zu sein, im eigentlich schönsten Lebensabschnitt, den es für mich je geben wird. Doch es half diesmal nicht es zu verdrängen, einfach runterzuschlucken, im Gegenteil. Jetzt wo ich am Ende dieses Textes angekommen bin, fällt mir schon ein weiterer Stein vom Herzen. Endlich ist es ganz raus. Ich bin angekommen, wenn auch nur vorübergehend, war lange nicht mehr so glücklich, motiviert, und bin auch ein bisschen stolz dass ich den Weg geschafft habe und es auch weiter schaffen werde. Es wird noch viel auf uns warten, es wird weiterhin nicht einfach, aber ich kann nur immer wieder betonen; Das wichtigste besitze ich bereits! Gesundheit und die Liebe zu meiner Tochter gepaart mit vielen Lieben Menschen um mich herum, ist es manchmal ganz einfach.

Der wichtigste Schritt zum Neuanfang.


Die Kartons sind mittlerweile ausgepackt, alles hat seinen Platz eingenommen und das Namensschild an der Tür, verdeutlicht, es ist geschafft. Nach einer langer Suche haben ich eine Wohnung gefunden, allerdings in einer anderen Stadt 17km entfernt vom Kindergarten, aber es soll nur eine vorübergehende Lösung sein, bis sich das neue Leben eingespielt und der Kopf sich auch wieder für mehr Kreativität und Antrieb eingependelt hat. Einpendeln muss sich noch einiges, unter anderem die Zeiten mit Lia auf uns Eltern gerecht aufzuteilen und diese so zu wählen dass Lia nicht verunsichert wird und spürt, dass nicht sie der Grund ist, warum Mama und Papa nicht mehr zusammen sind. Das wir Eltern versuchen so gut es uns möglich ist, ihr weiterhin die Sicherheit zu geben, die sie jetzt so dringend braucht. Das sie parallel noch die Eingewöhnung in den Kindergarten hatten erschwerte vieles. Zwei schwere Abschnitte die sie nun bewältigen muss, die sie ein Stück mehr verunsichert haben, ist sie ja von Natur aus schon sehr sensibel. Trotzdem meistert sie es super, geht mittlerweile gerne in den Kindergarten und nennt unseren Wohnort auch ihr neues Zuhause. Das diese Situation besser für sie ist als die angespannten Monate vorher ist absolut klar und so verbringe ich jede freie Minute mit ihr, lasse sie spüren, dass ich immer für sie da sein werde. Ich kann nicht sagen wie unsere Reise ausgehen wird, was sie noch für uns bereit hält, aber so schlimm die Trennung und das ganze Chaos in den letzten Monaten war, so nehme ich das wertvollste was aus ihr gewachsen ist mit, trage es in meinem Herzen und das ein leben lang.

Eure Vanessa

Ich bin Vanessa, 33 Jahre alt und seit dem 17.06.2015 glückliche Mama von meiner Tochter, Lia Paulin. Sie ist mein größtes Geschenk, denn sie kam an meinem jetzt unserem Geburtstag zur Welt. Wir leben gemeinsam mit ihrem Papa in der Nähe von Düsseldorf. Bei uns herrscht der ganz normale „Mumsinn“, zwischen unendlicher Liebe für meine Tochter & der immer mal wieder aufkehrenden Erschöpfung. Mamasein, eine wunderschöne Lebensaufgabe, wo ich niemals gedacht hätte, dass sie so schön und zugleich so kraftraubend sein kann. Daher hat der Mix aus Neugier & Freude am Ausstausch mit anderen Mamas, mich dazu gebracht, gemeinsam mit Mona, Teresa & Melli, bei „Mamarazzi“ mitzuwirken. Für mich ist das Schreiben über alltägliche Situationen ein Ausgleich um Unsicherheiten und Ängste zu verarbeiten und gleichzeitig, die doch immer überwiegenden Herzmomente und Erfahrungen festzuhalten und mit euch zu teilen. Ich freue mich und bin ganz gespannt mit euch auf diese neue Reise gehen zu dürfen.