1 In Motherhood/ Pregnancy

Geburtsbericht // Von der Traumgeburt zum Kaiserschnitt

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Von jetzt auf gleich. Die Entscheidung war gefallen. Jetzt ging alles ganz schnell. Vom warmen Kreißsaal, mitten aus den Presswehen gerissen, wurde ich in den Op-Raum gefahren. Die Strecke dorthin schien unendlich. Die Schmerzen auch. Der Wehenhemmer schien seine Wirkung vollkommen zu verfehlen und unendlich lang schien mir die Strecke, die wir zurücklegen mussten. Als plötzlich helles, grelles Licht über mir erschien, rechts und links immer mehr unbekannte Gesichter mit Mundschutz auftauchten und meine Beine betäubt wurden, wurde mir auch langsam bewusst, was da gleich passieren würde. Per Kaiserschnitt würde ich gleich meine Tochter auf die Welt bringen. Was heißt ich. Ich war ab dann an komplett raus. Hatte nichts mehr zu bestimmen. Es lag alles in den Händen meines Chefarztes. Und der Hebamme, und dem netten jungen Mann neben mir und diesem anderen Mann, den ich liegend aber gar nicht mehr richtig erkennen konnte. Ich zitterte am ganzen Körper. Es war verdammt kalt da, in diesem Operationsraum. In meiner Situation, in einem dünnen Kittel gekleidet, von Schmerzen gepeinigt, ängstlich und voller Vorfreude, dürfte es nicht verwerflich sein, dass ich mir einen abfror. Das tat ich zumindest auch laut kund. Wenigstens da hatte ich noch ein Wörtchen mitreden. Ein Schlauch, aus dem warme Luft strömte, wurde mir auf die Schulter gelegt und sollte mich ein wenig wärmen. Tat er aber nicht. Dann wurde es ruckelig.

Weitere Details erspare ich euch. Ich möchte euch auch an dieser Stelle den Ratschlag geben, nicht danach zu googeln. Es gibt Dinge, die muss man vorher einfach nicht wissen.

Da war sie. Meine Tochter. So knautschig und wunderschön. Als man sie herausgeholt hat, wurde sie mir über den Vorhang, der über meinem Bauchnabel gezogen wurde, sofort gezeigt. Es ist einfach überwältigend. Dieser Moment, wo man den kleinen Menschen, den man 40 Wochen unter seinem Herzen getragen hat, plötzlich sieht. Wenige Minuten später wurde sie mir gebracht und wir konnten ein bisschen Zeit zusammen verbringen. Während mein Mann während der OP neben mir saß, verschwand er nun. Zusammen mit unserem Kind. Unendlich lange brauchte man, um mich wieder zu flicken. Ungeduldig konnte ich das Ende kaum abwarten, dabei war mir gar nicht bewusst, dass ich anschließend noch eine halbe Stunde im „Aufwachraum“ verweilen sollte, bevor ich endlich in den Kreißsaal zurück zu meiner Tochter durfte. Ok schon klar, so ein Kaiserschnitt ist nicht ohne. Gehört wohl auch in die Kategorie: größere Bauchop. Wie heftig diese Operation aber wirklich war, sollte mir erst gegen Abend dieses doch so aufregenden Tages so richtig bewusst werden.

Mittlerweile hatten wir aber erst 16 Uhr. 12 Stunden vorher begannen die Wehen. Mitten in der Nacht wurde ich wach. Beobachtet dieses komische Ziehen im Unterleib und vermutete bereits, dass es nun losgehen würde. Also stand ich auf. Stellte mir den Timer und beobachtet die Wehen. Sie kamen alle zwanzig Minuten. Ok – keine Panik. Alles easy. Genug Zeit um mir ne Pizza in den Ofen zu schieben. Danach duschte ich erstmal ausgiebig. Um 7:30h, als sich die Wehen dann in 5 Minuten Abständen messen ließen , beschlossen wir ins Krankenhaus zu fahren. Gute Idee. Der Muttermund war schon 5 cm geöffnet und die Hebamme läutete die Geburt mit den Worten: Sie werden definitiv heute noch ihr Kind bekommen, ein. Am CTG sollte ich allerdings angeschlossen bleiben. Die Herztöne meiner Tochter sanken bei jeder Wehe. Ich konnte mich also nicht bewegen. Die Fruchtblase wurde zum platzen gebracht und die Wehen wurden stärker und stärker. Liegend war das kaum zu ertragen. Eine PDA  schenkte mir zwei Stunden lang eine schmerzfreie und erholsame Auszeit. Um ca. 11:30 war es dann soweit, die PDA ließ nach, der Muttermund war 10 cm geöffnet und wir befanden uns im Endspurt. Das Problem: Die Nabelschnur hatte sich vermutlich zwischen Schulter und Köpfchen geklemmt. Ihr Köpfchen hatte sich nicht richtig eingestellt und in ihrer sogenannten „Sternengucker“ Position, wollte sie einfach nicht durch rutschen. Vermutlich hing sie fest. Wie schmerzhaft das für mich war, muss ich nicht erwähnen. So würden wir also nicht vorwärts kommen und in unserem Fall auch nicht ausschließen können, dass sich die Nabelschnur um den Hals gewickelt haben könnte. Und während ich auf dem CTG sah, wie die Herztöne wieder sanken, entschieden für uns für einen Kaiserschnitt.

Von der Traumgeburt zum Kaiserschnitt. So schnell kann es gehen. Aber wir haben uns für die Gesundheit unserer Tochter entschieden und wenn man in solchen Momenten vor genau dieser Entscheidung steht – ja, ich denke, da würde jeder ebenso handeln. Zumal man erwähnen muss, dass ein Kaiserschnitt nicht die „einfacherer“ Lösung für eine Geburt ist. Für mich auch absolut unverständlich, dass sich Stars und Sternchen gerne mal für einen geplanten Kaiserschnitt entscheiden. Ich hatte solch schlimme Schmerzen danach, konnte mich kaum bewegen, nicht schlafen und am Schlimmsten – nicht mit 100% igem Körper Einsatz für meine Tochter da sein.  Aber wer weiß – vielleicht habe ich ja die Möglichkeit beides zu erleben und werde mein zweites Kind auf natürlichem Wege, ohne operativen Eingriff entbinden.

 

 

 

 

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1 Comment

  • Reply
    Katharina
    24. Mai 2017 at 23:21

    Liebe Teresa
    Wie schön, dass Du bei Deiner zweiten Tochter nun das Wunder der Geburt erleben durftest! Mir wird ganz warm ums Herz, habe ich heute erst beide deine Geburtsberichte gelesen…
    Ich selbst habe 2015 eine ganz ähnliche erste Geburt erlebt und letzten Monat meine zweite Tochter ebenfalls (leider) per Kaiserschnitt entbinden müssen… ich gebe mir große Mühe nicht zu hadern und freue mich über alle, die es spontan geschafft haben!
    Genießt das Wochenbett- diese zauberhafte Zeit- auch zu viert 💕

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