Eine natürliche Geburt. Das war mein Wunsch. Kam meine erste Tochter doch mit Kaiserschnitt zur Welt. Lief meine erste Geburt doch genauso ab, wie ich sie mir absolut nicht vorgestellt hatte. Manchmal bin ich deswegen immer noch sehr, sehr traurig. Traurig darüber, dass ich meine Tochter damals nicht direkt bei mir haben durfte. Traurig, über meine Unbeweglichkeit nach dieser OP. Traurig, dass mein Körper mit seinem ganzen Schmerz, meine gesamte Aufmerksamkeit hatte. Die Aufmerksamkeit, die ich lieber hunderprozenting meiner Tochter geschenkt hätte. Und wisst ihr – manchmal glaube ich sogar, dass wir es vermissen. Ganz unbewusst. Dass wir es vermissen, die Zeit des Bondings nicht gehabt zu haben, da sie uns genommen wurde.

Aber diesmal sollte alles ganz anders werden. War ich in dieser Schwangerschaft doch schon so viel entspannter und ganz bei mir. Viel feinfühliger und sensibler zu mir selbst. Auch das Krankenhaus war diesmal ein Ort für mich, der mir keine Angst machte, den ich also bewusst nicht vermeiden wollte, sondern mit dem ich arbeiten wollte. Wo ich mir selbst die Geburt schaffen sollte, die ich mir am Ende doch so sehr wünschte. Selbstbewusst und selbstbestimmt. Und so kam es dann auch:

Am 07.05. kam meine Tochter um 19.03 auf die Welt. Auf natürlichem Wege. Und nur mit Hilfe meiner Hebamme. Intim und selbstbestimmt. So wie ich es mir gewünscht habe:

Mein Geburtsbericht:

„Da war dein Gefühl doch richtig“, sagte meine Hebamme „Die Pforte rief nämlich auch vorhin schon im Kreißsaal an und sagte mir, dass da gleich jemand kommen wird, der es ganz eilig hat!“ Unfassbar glücklich und vollkommen überwältigt von dem was da gerade eben passiert ist, lag ich da, meine gerade frisch geschlüpfte Tochter auf der Brust und konnte es selbst nicht glauben, dass wir gerade eben erst ins Krankenhaus kamen. Und jetzt – nach nur 50 Minuten war sie schon da.

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Was vorher geschah:

„Soll ich weiter reden? Lenkt dich das vielleicht ab?“ – „Ja, mach mal, ich hör dir zu und beobachte einfach mal wie regelmäßig sie kommen“. Dass es sich diesmal nicht wieder um Senkwehen handeln würde, war mir zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich bewusst. Eher noch eine Vermutung. Es war 17 Uhr und wir waren gerade fertig mit Essen. Bei dem schönen und sonnigen Sonntagswetter luden wir spontan zum Besuch meiner Eltern noch unsere Freunde ein. Schließlich kam meine Freundin gerade erst von einem erlebnisreichen USA-Tripp  zurück und ich war natürlich brennend interessiert an einem detallierten Reisebericht. Und so lauschte ich ihren Erzählungen. Ihren Ausführungen von den enormen Kontrasten Beverly Hills, dem feierwütigen Las Vegas und dem atemberaubenden Naturschauspiel von Death Valley. Gerade berichtete sie mir von den vielen Obdachlosen, die wie Zombies durch Los Angeles schlichen, als sich plötzlich mein Bauch wieder verkrampfte, sich mein Unterleib zusammen zog und mein Steißbein anfing zu brennen. Während mein Vater mir gegenüber am Tisch fleißig Erdbeeren verschlang, schwenkte mein Blick rüber zu meinem Mann, an dem meine Befürchgungen, dass ich diesmal vielleicht zu leichtsinnig mit den Wehen umgehen würde, vielleicht zu lange warte und am Ende meinen vermeintlichen Senkwehen doch Geburtswehen sein könnten, total abprallten. „Du merkst schon, wann es los geht. Beim letzten Mal war es doch auch so.“ Recht hatte er. Dass es diesmal jedoch ganz anders ablaufen sollte, war uns beiden zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst.

Also stand ich auf. Ging ein Stück alleine durch den Garten und beschloss am Ende duschen zu gehen. Ich war in diesem Moment voller Ruhe ganz bei mir und versuchte in meinen Körper rein zu hören. Nichts. Ich konnte es definitiv einfach nicht einschätzen, ob es nicht doch nur wieder Senkwehen waren. (Rückblickend wissen wir, es waren schon Geburtswehen. Könnt ihr euch dann an dieser Stelle bitte vorstellen, wie schmerzhaft dann tatsächlich die Senkwehen nachts zuvor waren?) Nun ja, während ich im Badezimmer ein Schlachtfeld vom „kurz“ duschen hinterließ, mir mein Chaos dann anschaute wurde mir plötzlich klar: Es war soweit. Definitv. Es ging los. Jetzt. Keine Minute sollten wir mehr verstreichen lassen.

An der Pforte vorbeisausend rannte ich direkt in den Kreißsaal durch. Die Hebamme, mit dem wundervollen Namen Paulina, begrüßte ich auch schon mit den Worten: „Wir bekommen wohl JETZT ein Baby“. Sie schloss mich ans CTG, untersuchte mich und kam zu dem Befund: „Wir liegen bei 2 cm Öffnung“. Alles ganz entspannt also. Ich konnte es nicht glauben.

10 Minuten vergingen. 10 Minuten, in denen mein Mann zur Anmeldung zurück spazierte und meine Hebamme nebenan meine Geburtsplanung studierte. 10 Minuten, in denen ich ganz alleine im Kreißsaal verbrachte. In dieser Zeitspanne überrollten mich plötzlich Wehen, so unsagbar heftig und häufig, dass ich mich nicht mal mehr hinsetzen konnte, sondern nur im Stehen, auf das Bett stützend, diese Schmerzen verarbeiten wollte. Ich ließ sie zu. Ließ meinen Körper arbeiten und beobachtet, wie der Schmerz und der Druck im Steißbein heftiger wurde. Ein Schmerz, so unbeschreiblich, dass man ihn einfach zulassen muss, denn sollte man dagegen ankämpfen, kann man nur verlieren.

Nach 10 Minuten dann aber der Befund: 8 cm. Da ich keine PDA wollte, mal abgesehen davon, dass es dafür jetzt eh zu spät war, ließen wir Badewasser einlaufen. Eine Wassergeburt wäre jetzt genau das richtige. Doch dazu kam es nicht. Wenige Minuten später verkündete ich meiner Hebamme, dass ich enormes Verlangen danach habe, zu pressen. Sie lief rüber, stellte das Wasser ab und kam zurück. Um mich nochmal untersuchen zu können, setzte ich mich halb aufs Bett und lehnte mich in die Arme meines Mannes. 10cm. Wir konnten also starten. Sechs Presswehen später sahen wir das Köpfchen. Eine unglaublichen langen Wehenpause und einer weitere heftigen Presswehe später war sie dann da. Meine Tochter.

Vielleicht der schönste Moment dieser Welt.

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Hi ich bin Teresa. Studierte Medienmanagerin und leidenschaftliche Redakteurin. Meine Modeaffinität hat mich aber auch zwischenzeitlich mal die Branche wechseln lassen und so war ich zuletzt als Shopmanagerin bei Inditex tätig. Aktuell lebe ich aber ganz nach dem Motto: „Mein Alltag ist ihre Kindheit“. Ich versuche jeden Tag zu einem kleinen Abenteuer für uns zu machen. Mit einem tollen Mann an meiner Seite, einer wundervollen Tochter, die im Mai 2017 zur großen Schwester upgegradet wird, gestalten wir unseren Alltag so bunt wie möglich. So reisen wir gerne, ob durch Asien oder Europa. Und versuchen einfach immer wieder unseren persönlichen Interessen treu zu bleiben und sie gemeinsam auch zukünftig mit unseren Kindern zu vereinbaren. Kinder machen unser Leben nämlich nur noch lebenswerter: wir müssen es nur zulassen.