Freunde auf ewig – das steht fast in jedem Poesiealbum, das man zu Hause rumfliegen hat. Doch ehrlich gesagt: wirklich lebenslange Freundschaften zwischen zwei Menschen sind eine sehr, sehr seltene Ausnahme, vielleicht sogar noch seltener als die von lebenslangen Liebesbeziehungen. Denn nur zu oft ändern sich die Lebensumstände von Freunden. Manchmal ist die räumliche Distanz zu groß, manchmal driften die Interessen auseinander oder die Lebensentwürfe entwickeln sich in völlig unterschiedliche Richtungen. Oder manchmal bekommt einer von beiden einfach ein Kind.

Freunde auf ewig?

Ist es nicht normal, dass sich Freundschaften im Laufe des Lebens ändern? Und das ist auch kein Zeichen von Bindungsunfähigkeit oder Oberflächlichkeit der Beteiligten, denn in unserer heutigen  Zeit mit ihren hohen Anforderungen an Flexibilität und Mobilität ist es oft schwierig bis beinahe unmöglich einen Freundeskreis einfach so locker weiter pflegen zu können. Zeitmangel, Organisationsprobleme oder auch schlichtweg pure Erschöpfung verhinderten das einfach.

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Bereits nach der Geburt unserer ersten Tochter merkte ich schnell, dass sich meine „Freunde“ nun irgendwie in zwei Kategorien aufteilen lassen. Einmal in wirkliche Freunde und einmal in (nur noch) Bekannte. Und so ist es bis heute auch  geblieben. Da gibt es die einen, die man dann trifft, begrüßt und nen kurzen Smalltalk hält. Und es gibt die Freunde, mit denen plant man Ausflüge, Urlaube und sonstige Freizeitaktivitäten. Die sich wunderbar in das neue Lebensgefüge integrieren lassen.

Und dann gibt es noch die Freunde, die komplett weg sind: “ weil du keine Zeit mehr für sie hast“, sagen sie. Sie beschweren sich, weil du ihnen nicht sofort auf ihre Whats App antwortest. Weil du ihnen nicht mehr stundenlang zuhören kannst. Sie werfen dir vor, dass du dich verändert hast. Dass dir andere Dinge wichtiger geworden sind. Du abends nicht mehr zu gebrauchen bist. Man mit dir nicht mehr feiern oder essen gehen kann.

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Kinder ändern einfach alles!

Und wisst ihr was? Ja – das stimmt sogar. Sie haben Recht. Ich bin abends zu nichts mehr zu gebrauchen. Weil mich der Alltag mit Kind auch einfach schlaucht. Noch bevor ich Kinder hatte, lagen meine Prioritäten auch ganz woanders. Die Frage, auf welche Party es am Wochenende wohl gehen wird und wie ich mich weiter im Job unentbehrlich machen kann, das bestimmte mein Leben.

Und so gingen Manche  laut, mit unzähligen Vorwürfen, Schuldzuweisungen oder sogar Beleidigungen. Vorhaltungen, die unfair und ungerecht sind. Von jemand, der keine Kinder hat und daher auch vielleicht nicht nachvollziehen kann, wie das plötzlich so ist. Als frisch gebackene Mama plötzlich mit all dieser Verantwortung da zu stehen. Dieser Verantwortung, der man in den meisten Fällen vielleicht auch erstmal gar nicht gewachsen ist. Voller Ängste, etwas falsch zu machen. Gar zu versagen. Und heimlich den Gedanken zu hegen eine schlechte Mutter zu sein.

Und wisst ihr, ich wollte nie eine von denen sein, die sagt: Warte mal ab, bis du Kinder hast. Habe ich auch nie. Aber gedacht habe ich es in solchen Situationen ganz oft. Denn wenn man erstmal Kinder hat, dann hat man für all die Dinge, die für andere so selbstverständlich sind, einfach keine Zeit mehr. Dann ist man abends müde und einfach nur froh, endlich seine Füße hoch legen zu können. Oder einfach mal Zeit zu haben für die eigene Hygiene.

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Grenzerfahrungen

Und dann gab es noch diese Art von Freunde, die ganz leise verschwanden. Die sich einfach davon schlichen. Ohne ein Wort. Ohne sich zu verabschieden. Sie waren einfach weg und meldeten sich einfach nicht mehr. Ich denke mal, sie hatten kein Interesse mehr an mir. Oder hatten nie wirklich welches? War die Bindung zu mir vielleicht auch eh nie so stark gewesen, dass sie der „Belastung Kind“ stand hielt?

An all diese Freunde da draußen: Wir Mamis machen das sicher nicht extra. Wir wollen einfach nur eine gute Mutter sein. Und diesen Job haben wir nicht gelernt oder studiert. Dafür gab es keine Kurse, die wir belegen konnten. Da muss sich jeder erstmal selbst reingrooven und seinen Weg finden, mit all der Verantwortung und Belastung zu Recht zu kommen. Ein Job der nie endet. Ein Job ohne geregelte Arbeitszeiten und Mittagspause. Ein Job, bei dem manchmal sogar die eigene Hygiene auf der Strecke bleibt. Ein Job, der uns so sehr an die Grenzen bringt und nicht häufig genug auch an uns zweifeln lässt.

Ja,  es ist so verdammt hart. Und das erste Jahr ganz besonders. Liebe Freunde, seid nicht böse oder verletzt. Denkt nicht, wir hätten kein Bock mehr auf euch. Nein, ganz im Gegenteil. Wir bräuchten euch eigentlich mehr denn je. Denn ihr könntet uns so eine große Hilfe sein. Körperlich und emotional. Ein wichtiger Beistand, den wir gerade im ersten Jahr und beim ersten Kind so sehr brauchen. Und nicht noch von euch Vorwürfe, Vorhaltungen und Schuldgefühle bekommen. Und wisst ihr was: Wir Mamis sind da schon unserer eigenen, größten Kritiker.

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Immer eine Frage der Perspektive

Irgendwann zwischen den zahlreichen schlaflosen Nächten oder der Frage, wann ich bei meinem Kind mit zu füttern beginnen soll, bliebt eines auf der Strecke. Die Frage: Was unsere kinderlosen Freunde wohl gerade machen. Vielleicht sind wir einfach zu müde oder beschämt, weil wir nicht eingestehen wollen, dass die Sache mit dem Baby doch anstrengender ist, als wir uns vorgestellt haben. Egal was der Grund ist, sie steht dennoch im Raum. Die Frage: Ob unsere kinderlosen Freunde nicht auch gerade leiden? Ob sie nicht ebenso die Freundschaft betrauern, die verloren gegangen ist?

Wie fühlen sich die Freunde, die keine Kinder haben. Wenn die beste Freundin plötzlich ein Kind bekommt, während man selbst ohne da steht. Die beste Freundin, die plötzlich keine Zeit mehr hat, spontan Samstag Mittag auf einen Kaffee vorbei zu kommen, sie auf eine ausgiebige Shoppingtour zu begleiten, abends den neusten Club zu erkunden. Die Zeit hat und Aufmerksamkeit mit bringt. Die da ist, stundenlang Probleme zu wälzen. Die vorbei kommt mit einem großen Becher Eiscreme, sich hinsetzt und sich mit dir die größten Romantikschnulzen der letzten Jahre auf DVD reinzieht. Wo ist plötzlich diese Freundin hin, wenn das Kind da ist? Die Zeit knapper geworden ist. Die Spontanität flöten gegangen ist. Die Gesprächsthemen nicht mehr dieselben sind? Die Interessen in verschiedene Richtungen driften?

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Verständnis auf beiden Seiten

Es ist nicht immer einfach und erfordert ein hohes Maß an Sensibilität, Zuneigung und Einfühlungsvermögen. Wollen wir denn wirklich, dass genau in dieser Zeit langjährige Freundschaften zerbrechen. Und das alles nur, weil keiner von beiden für den jeweils anderen Verständnis aufbringen möchte?

Und ja. Vielleicht liegt es ja an uns Müttern, dass solche Freundschaften dann auch mal hinten überfallen. Dass die Freundschaft in dieser Phase erstmal pausieren MUSS. Denn dieser Zustand ist ja nicht für immer. Aber er ist gerade nun mal da. Zumindest im ersten Lebensjahr. Dann, wenn wir uns voll auf unser Kind konzentrieren müssen. Gar nicht mehr um uns selbst kümmern, sondern sich alles nur noch um dieses kleine Wesen dreht, dass so vollkommen auf uns angewiesen ist. Habt dafür Verständnis.

Es soll ja Freundschaften geben, die dafür belastbar genug sind. Und wenn nicht von vorneherein, dann zumindest nach einen kleinen Pause, unbeschadet überleben kann. Dann wenn man sich später wieder aufeinander zu bewegt und versucht mehr oder weniger da anzuknüpfen, wo man aufgehört hat. Das soll es ja geben. Und eines steht fest. Wir Mütter werden, dann wenn wir aus der Versenkung wieder auftauchen sollten, bessere Freundin sein als je zuvor.

 

Eure Teresa

 

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Hi ich bin Teresa. Studierte Medienmanagerin und leidenschaftliche Redakteurin. Meine Modeaffinität hat mich aber auch zwischenzeitlich mal die Branche wechseln lassen und so war ich zuletzt als Shopmanagerin bei Inditex tätig. Aktuell lebe ich aber ganz nach dem Motto: „Mein Alltag ist ihre Kindheit“. Ich versuche jeden Tag zu einem kleinen Abenteuer für uns zu machen. Mit einem tollen Mann an meiner Seite, einer wundervollen Tochter, die im Mai 2017 zur großen Schwester upgegradet wird, gestalten wir unseren Alltag so bunt wie möglich. So reisen wir gerne, ob durch Asien oder Europa. Und versuchen einfach immer wieder unseren persönlichen Interessen treu zu bleiben und sie gemeinsam auch zukünftig mit unseren Kindern zu vereinbaren. Kinder machen unser Leben nämlich nur noch lebenswerter: wir müssen es nur zulassen.