12 In Motherhood

Die Sachen mit der Liebe // und warum ich für beide Kinder nicht dasselbe empfinde

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Da stand sie. Mitten im Feld. In ihrem rosa Kleidchen. Mit schmutzigen Händchen winkte sie mir zu. Ich sollte mir den kleinen Marienkäfer anschauen. Den hatte sie zuvor mit voller Konzentration eingefangen und war nun mächtig stolz. Wisst ihr – in solchen Momenten bin ich richtig verliebt. Veliebt in dieses wundevolle Wesen, das meine Tochter ist. Und während ich tief versunken in Gedanken und voller Liebe zu ihr hinüberschaue, meldet sich meine andere Tochter. Sie hat Hunger. Und möchte gestillt werden. Und so sitzen wir wenige Sekunden später alle drei auf dem Boden. Mitten im Feld. Und während ich meinem kleinen frisch geschlüpften Baby beim Stillen in die Augen schaue und glückselig über den Kopf streichle, kann ich beobachten wie die andere versucht, neben mir den Marienkäfer zu essen.

Und jetzt zu der Frage aller Fragen. Zu der Frage, die alle so brennend interessiert, die bisher „nur“ ein Kind haben. Die Frage, die mir seit Geburt mit am häufigsten gestellt wurde und  Platz 2 nach „Ist das nicht wahnsinng anstrengend?“ belegt, ist folgende: Liebt man beide Kinder gleich?

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Ja, wie ist das nun mit der Liebe bei zwei Kindern? Ich bin ehrlich zu euch: Ich habe mir diesbezüglich im Vorfeld keine Gedanken gemacht. Nicht einmal beschlich mich die Sorgen, dass ich eine der beiden weniger lieben würde. Zu groß einfach die Freude über ein Geschwisterchen für Paulina. Ein weiterer Mensch in unsere Mitte. In unserer kleinen Familie, die bald um ein weiteres Mitglied reicher ist.

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Liebe ist unendlich. Immer anders. Nie gleich.

Die Zeit bis zur Entbindung flog nur so dahin. Läuft die zweite Schwangerschaft, doch tatsächlich oft einfach nur so nebenher. Insbesondere mit Kleinkind an der Hand. Zeit sich Sorgen zu machen, Bedenken und Ängsten Raum zu geben? Keine Chance. Vielleicht auch gut so? Entspannt und unvoreingenommen, den kleinen Menschen auf unserer Welt willkommen heißen und schauen was passiert. So hab ich es gehandhabt.

Und dann kam sie auch schon: Carolina. Und vom erste Moment an liebte ich sie. Genauso bedingungslos wie Paulina. Und ich wusste: Es wäre also total unnötig gewesen, sich im Vorfeld verrückt zu machen. Überhaupt auch nur einen einzigen Gedanken daran zu verschwenden, ob man sein zweites Kind auch genauso lieben kann. Ich hielt Carolina in meinem Arm und fühlte einfach nur eine überwältigende Liebe – genau wie bei meiner ersten Tochter. Denn man muss seine Liebe plötzlich nicht teilen, wenn ein zweites Kind kommt. Für jedes Kind hat man eine ganz spezielle und individuelle Liebe. Und diese wächst sogar mit jedem Tag.

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Es gibt genug Platz im Herzen, um all seine Kinder zu lieben

Und für all diejenigen, die mich nun fragen, ob ich beide Kinder gleich liebe, denen antworte ich mit einem klaren: Nein! Ich liebe Carolina nicht genauso wie Paulina. Aber ich liebe sie. Nur anders. Paulina und ich, wir kennen uns jetzt schon 20 Monate. Soviele emotionale Momente haben wir schon gemeinsam geteilt und durchlebt. Sie begleitete uns durch das Abenteuer Asien und teilt mit uns für ewig diese unglaublich tolle Erfahrung, diese wahnsinnig exotischen und aufregenden Momente.  Sie zeigte mir als Erste, was es heißt bedingungslos zu lieben. Lieben ohne etwas zu erwarten und mehr als man sich hätte vorstellen können dadurch zurück zu bekommen.

Meine ersten wackeligen Schritte als Mama machte ich mit ihr. Litt an ihr, erfreute mich an ihr und wuchs an ihr. 20 Monate lang prägt mich dieses Mädchen nun – jeden Tag aufs Neue. Die Geburt mit ihr: Der Moment, an dem ich zum ersten Mal Mama wurde und meine Urinstinke bewusst wahrnahm. Mit ihr das erste Mal an meine Grenzen gehend –  und darüber hinaus. Sie zeigte mir, wie wahnsinnig toll das Gefühl ist, dass man jemanden bis an sein Lebensende behüten möchte. Das man jede Sekunde beschützen möchte. Weil es so wertvoll ist. So unfassbar wertvoll. Meine Tochter – die mich mit so viel Glück segnete. Meine Tochter, die mich zum ersten Mal zur Mama machte.

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Und jetzt liegt dieser kleine Wonneproppen neben mir. Gerade mal 8 Wochen alt und aus meinem Leben nie wieder weg zu denken. Für sie würde ich alles tun. Und dieselben überwältigenden Gefühle, wie bei meinem ersten Kind überrollten mich auch hier. Und es fühlte sich einfach so normal und so gut an, mit ihr nach Hause, zu ihrer Schwester zu fahren, die sie ebenfalls mit so viel Liebe empfing.

Kein schlechtes Gewissen

Doch wie geht es nun weiter? Bekommen beide Kinder zukünftig auch gleich viel Liebe ab von mir? Sollte ich mich je schuldig fühlen, wenn ich plötzlich spontane, liebevolle Gefühlsaufwallung gegenüber nur einem der Kinder bekomme. Das andere Geschwisterkind dann extrafest drücken? Die Küsschen gleich abzählen und die Schokolade mit der Briefwaage aufteilen?

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Völliger Quatsch. Weder hab ich meine Kinder immer gleich lieb, noch müssen sie mich gleich lieb haben. Auch hört meine Liebe nicht auf – auch wenn eines meiner Kinder mich mal in einer etwas schwierigeren Phase schier wahnsinnig macht. Und ist es nicht normal, dass wir nicht alle unsere Kinder „gleich“ lieben? Das wir zu jedem eine andere, ganz besondere und wertvolle Verbindung haben. Unterschiedliche Erinnerungen mit jedem Kind geschaffen haben. Erinnerungen, die aber gleichermaßen mit Liebe gefüllt sind?  Ist es nicht normal, dass sich die Mama auch mal, der frechen Räubertochter mit den witzigen Ideen näher verbunden fühlt, weil sie selbst als Kind so war? Der Papa, der sich eher mal in dem ruhigen, ernsthaften Wesen, die ihre ganz eigene Art hat, die Welt zu betrachten wieder findet?

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Ich denke, das Ganze so zu betrachten, mach das Miteinander leichter. Vielleicht ähnenlt mein Humor mehr der meiner ersten Tochter, dafür kann ich mich mit der anderen ohne viele Worte verständigen. So zu denken bringt eine Leichtigkeit in die Beziehung und lassen die Gefühle von Liebe und Nähe einfach fließen.

Eure Teresa

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12 Comments

  • Reply
    Saranda
    6. Juli 2017 at 12:30

    Ich musste grad echt heulen bei dem tollen Beitrag. Ich finde du hast sooo soooo recht ❤️ Danke für die ehrlichen worte ❤️ Da ich aktuell schwanger bin hat mich das auch ein wenig beschäftigt ☺️

    • Reply
      Teresa
      10. Juli 2017 at 13:43

      Danke schön. Es gibt wohl kein schöneres Komliment als dieses 🙂

  • Reply
    Luise
    6. Juli 2017 at 14:00

    So ein schöner und ehrlicher Beitrag. Vielen Dank dafür!

    • Reply
      Teresa
      10. Juli 2017 at 13:42

      Vielen lieben Dank !

  • Reply
    Janina
    6. Juli 2017 at 14:01

    Ein ganz wundervoller Beitrag ❤
    Genau so stelle ich mir das Leben zu viert vor.

    • Reply
      Teresa
      10. Juli 2017 at 13:42

      Ih danke dir liebe Janina 🙂

  • Reply
    Natalie
    6. Juli 2017 at 14:12

    Ach, so schön geschrieben!! Und wie immer so ehrlich ❤️. Und für mich als Erstlingsmama sehr interessant zu lesen.

    • Reply
      Teresa
      10. Juli 2017 at 13:42

      Danke schön liebe Natalie

  • Reply
    Jasmin
    7. Juli 2017 at 09:15

    So wundervoll und ehrlich verfasst. Ich liebe die Leichtigkeit und den doch so hohen Wertgehalt deiner Texte 🙂

    • Reply
      Teresa
      10. Juli 2017 at 13:41

      Wow, danke, dass du meine Texte so liest wie ich es mir wünsche 🙂 Danke schön

  • Reply
    Vanessa
    7. Juli 2017 at 16:14

    Liebe Teresa,

    ich hab noch keine Kinder, fühle mich noch zu jung dafür und weiß auch gar nicht, ob ich mal welche so wirklich doll möchte.
    Aber wie du über die Liebe zu einem Kind schreibst, bringt mich echt zum heulen weil das echt so unglaublich und schön klingt. Das wollte ich dir nur mal so sagen.

    Liebste Grüße, Vanessa

    • Reply
      Teresa
      10. Juli 2017 at 13:41

      Liebe Vanessa,
      vielen lieben Dank. Das ist wohl das größte Komliment, das man bekommen kann. Danke schön 🙂

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