Eine gute Geburtshilfe. Ein Thema, das so aktuell ist wie nie. Das Hebammenwesen braucht dringend eine Aufwertung. Denn damit eine gute Geburtshilfe auch in Zukunft gewährleistet ist, braucht es deutlich verbesserte Arbeitsbedingungen für Hebammen. Eine Umfrage des DHV (Deutscher Hebammen Verband) unter angestellten Hebammen zeigte steigende Arbeitsbelastungen durch eine Zunahme von fachfremden Tätigkeiten und gleichzeitigem Personalmangel. Eine gefährliche Sparpolitik in der Gesundheitswirtschaft, die massive Auswirkungen auf die Geburtshilfe hat. 

Ein persöhnlicher Bericht von Katharina.

Bereits mit sechzehn Jahren wusste ich: ich möchte Hebamme werden. Zum Gefallen meiner Eltern beendete ich noch meine schulische, eher mäßige Kariere mit dem Abitur und bewarb mich danach sofort an allen Hebammenschulen in Deutschland. 2004 lag die Bewerberrate für 15 freie Ausbildungsplätze bei ca. 2000 Bewerberinnen. So kam es auch, dass ich keinen Platz erhielt. Ich war sehr traurig und fing an ein 6 monatiges Praktikum in dem Kreißsaal zu machen, der 7 Jahre später mein heutiger Arbeitsplatz werden sollte. Durch das Praktikum bekam ich einen tollen Einblick in das Arbeitsumfeld einer Hebamme und erhielt wahnsinnigen Respekt vor der Arbeit mit schwangeren Frauen, vor allem unter der Geburt. Ich bewarb mich erneut. Über 60 Bewerbungen flogen durch ganz Deutschland und wieder keine positive Nachricht. Nur 3 Wartelistenplätze.

Was sollte ich tun. Ich musste mir eine Alternative überlegen und fing so 2005 die Ausbildung zur Gesundheit- und Kinderkrankenpflegerin an und beendete diese erfolgreich 2008. Während der Ausbildung durfte ich erneut 8 Wochen im Kreißsaal arbeiten und hatte als Schülerin noch mal weit mehr Aufgaben als die damalige Praktikantin. Die Ausbildung machte mir viel Freude, jedoch war der Wunsch Hebamme zu sein weiterhin in meinem Kopf. 2009 dann die Zusage. So wurde Hannover 3 Jahre lang meine Heimat auf Zeit und ich kann sagen, das war die schönste Zeit meines Lebens. Wir hatten eine tolle Klasse. 14 Frauen auf einem Haufen und eine lustiger und netter als die andere. Wir hatten alle dasselbe Ziel vor Augen und unterstützten uns in der doch teilweise harten Ausbildung.

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Seit 2012 arbeite ich Vollzeit in einem großen Krankenhaus in Düsseldorf. Im Jahr haben wir ca. 2000 Geburten. Freiberuflich gebe ich Kurse und betreue Wöchnerinnen nach der Geburt. Da ich selber 2015 Mama geworden bin, arbeite ich während meiner Elternzeit nur freiberuflich. Jeden Tag kommen neue Meldungen über die schlechte Lage unseres Berufstandes. Es ist so traurig zu erleben, wie wenig Respekt unsere harte Arbeit derzeit bekommt. Der Beruf der Hebamme ist einer der ältesten Frauenberufe der Welt und steht kurz davor auszusterben.

Wieso?! Frauen sollten das Recht haben für sich selber zu entscheiden, wo und wie sie ihr Kind gebären möchten. Ob zuhause, im Geburtshaus oder in einer Klinik. Hebammen unterstützen die Frauen bei der Wahl und begleiten die Frau durch die ganze Geburt. Jede Hebamme in Deutschland zahlt für eine Haftpflichtversicherung, die vor allem in unserem Beruf absolut wichtig ist.

  • 404€ waren das vor 15 Jahren,
  • 2017 zahlen alle Hebammen die Geburtshaus- und Hausgeburten anbieten möchten 6274€.

Eine betreute Geburt, egal zu welcher Tages und Nachtzeit für die die Hebamme im Regelfall 24/h täglich über 14 Tage erreichbar ist wird mit ca.1000€ Brutto vergütet.

Leider entscheiden sich aber nur noch wenige Frauen für außerklinische Geburten, oder dürfen wegen auferlegter Kriterien (Beckenendlage, Schwangerschaftsdiabetes, Zustand nach Kaiserschnitt etc. ) nicht in ein Geburtshaus gehen oder zuhause bleiben. Es ist also kaum möglich für eine freiberufliche Hebamme gewinnbringend zu arbeiten.

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Das man als Hebamme nicht reich wird, das ist uns allen klar, bevor wir die Ausbildung beginnen. Es geht aber schlichtweg einfach um eine gerechte und angemessen Entlohnung. Was ist denn das Leben von Mutter und Kind wert? Wir übernehmen die volle Verantwortung für 2 Menschenleben unter der Geburt und da fragt man sich doch immer häufiger, ob das den Herrschaften der Politik und den Krankenkassen (meistens selber Eltern, die auch irgendwann mal eine Hebamme gebraucht haben)so bewusst ist.

Daher müssen immer mehr Frauen in Krankenhäusern entbinden und die Geburtenzahlen in den großen Kliniken steigen. Leider steigt dagegen nicht die Zahl der Angestellten Hebammen und so betreuen wir im Kreißsaal teilweise 2-4 Frauen gleichzeitig! Die Kaiserschnittrate steigt stetig. Die Operation wirft mehr Geld für das Krankenhaus ab, als eine spontane Geburt. Allein das macht uns wütend. Bei einer Schnittentbindung betreuen wir die Frauen in der Regel 2 Stunden. Bei einer spontanen Geburt sind wir teilweise 8 Stunden oder länger dabei. Wir geben Atemanleitung, massieren, unterstützen und helfen den Frauen durch die Geburt um an Ende bei einen der schönsten Momente im Leben dabei zu sein. Stattdessen rennen wir von Raum zu Raum, fragen kurz nach dem Wohlbefinden, hoffen auf eine schnelle Geburt ohne Komplikationen, da wir den Raum möglichst schnell wieder brauchen, für die nächste Frau die derzeit noch draußen warten muss! So soll es nicht sein. Nicht für die Frau und nicht für uns Hebammen.

Die individuelle Hilfe die wir leisten ist zurzeit nur noch bedingt möglich und droht komplett auszusterben. Frauen haben teilweise keine Hebamme mehr für die Wochenbettbetreuung und rufen manchmal 20-30 Hebammen an, bis sie eine finden, die nicht schon über Monate hinaus ausgebucht ist. Wir hoffen inständig auf eine schnelle Hilfe und eine gerechte Entlohnung unserer wertvollen Arbeit

Mehr über Kathi erfährst du hier.

Hi ich bin Teresa. Studierte Medienmanagerin und leidenschaftliche Redakteurin. Meine Modeaffinität hat mich aber auch zwischenzeitlich mal die Branche wechseln lassen und so war ich zuletzt als Shopmanagerin bei Inditex tätig. Aktuell lebe ich aber ganz nach dem Motto: „Mein Alltag ist ihre Kindheit“. Ich versuche jeden Tag zu einem kleinen Abenteuer für uns zu machen. Mit einem tollen Mann an meiner Seite, einer wundervollen Tochter, die im Mai 2017 zur großen Schwester upgegradet wird, gestalten wir unseren Alltag so bunt wie möglich. So reisen wir gerne, ob durch Asien oder Europa. Und versuchen einfach immer wieder unseren persönlichen Interessen treu zu bleiben und sie gemeinsam auch zukünftig mit unseren Kindern zu vereinbaren. Kinder machen unser Leben nämlich nur noch lebenswerter: wir müssen es nur zulassen.