Ein Gastbeitrag von unserem Lieblings-Daddy-Blogger: Daddy Cool 

… „Kannst Du bitte hier bleiben, bis ich eingeschlafen bin?“ Seit mein Sohn – heute viereinhalb Jahre alt – nicht mehr gestillt wird, bringe ich ihn abends zu Bett. Damals war er eineinhalb. Die Ausnahmen davon sind, wenn ich immer mal auf Dienstreisen bin, oder er bei seinen Großeltern übernachtet, was jedoch überaus selten der Fall ist.

Seit nunmehr gut drei Jahren haben er und ich also diese Zeit für uns allein. Bevor unser zweites Kind geboren wurde, hatte die Mama währenddessen Zeit für sich. Was in dem Fall zumeist bedeutete, den Haushalt zu schmeißen oder aber auch eine abendliche Schicht an der Nähmaschine – ihrer großen Leidenschaft – einzulegen. Seit eineinhalb Jahren bringt sie nunmehr zur gleichen Zeit den jüngsten Spross der Familie ins Bett und wir treffen uns anschließend, sobald die obere Etage komplett eingeschlummert ist, unten im Wohnzimmer.

In den letzten Monaten bin ich oftmals derjenige, der erst viel später nachkommt, während der sonntägliche Tatort schon läuft oder die halbe Kanne Abendtee bereits getrunken ist. Manchmal denke ich dann: „Lohnt es sich denn überhaupt noch, auf die Couch zu wechseln? Oder geh ich gleich ins Badezimmer und danach selbst ins Bett?“

Woran liegt das?

Unser Großer ist ein sehr aufgewecktes, neugieriges Kind. Er kann sich bestens allein beschäftigen. Aber: er möchte seine Ergebnisse eben auch so gern (mit-)teilen.

Es ist ihm wichtig, dass wir da sind. Dass wir Dinge sehen, die er selbst geschafft oder gar erschaffen hat. Dass er uns Fragen stellen und mit uns erzählen kann. Zumeist schöne, aber eben auch mal traurige Erlebnisse aus seinem kindlichen Alltag.

Wenn wir etwas unternehmen, ist er aufgeregt. Vorher und auch hinterher. Für den Rest des Tages, bis in den Abend hinein.

Am Wochenende haut´s ihn abends schnell um. Er macht seit eineinhalb Jahren keinen Mittagsschlaf mehr. Wir haben ihn das selbst entscheiden lassen. Dafür ersetzt er diesen auch gern mal durch eine mittägliche Ruhepause auf der Couch. Unser „Ausruhen“ wurde dadurch schon ein gemütliches Ritual für die ganze Familie.

In der Kita allerdings ist er die ganze Woche lang einer der besten Schläfer. Montags bis freitags tankt er dort von 12 bis 14 Uhr soviel Kraft, dass er am Abend zu Hause super gut drauf ist. Aber dadurch ist an manchen Tagen vor halb neun und gern auch mal danach an Schlaf nicht zu denken.

Spätestens halb acht liegen beide Kinder im Bett.

Jeder bekommt ein Buch vorgelesen und der Große und ich lassen gemeinsam den zurückliegenden Tag Revue passieren.

Danach geht das Licht aus.

Stille.

Und dann…

„Papiiii?“

„Ja?“

„Bleibst Du noch hier, bis ich eingeschlafen bin?“

„Ja, mach ich.“

Ich setze mich also zu ihm, lese ein bisschen, denke darüber nach, was ich heute noch erledigen muss. Oft wünsche ich mir, ich wäre vorher schon mit dem Hund draußen gewesen (im nasskalten Winter noch mehr als im Sommer). Ich lausche, ob meine Frau schon auf dem Weg nach unten ist. Mache kurz Licht, damit der Senker doch noch einmal zur Toilette gehen kann. Wobei ich denke, dass es oftmals doch nur ein Vorwand ist, nochmal das Bett verlassen zu dürfen. Ich decke ihn wieder zu, beantworte mehrere tiefsinnige Fragen aus dem Feuerwehrbettchen. Erschlage ein, zwei Mücken, lausche wieder nach draußen, verlasse kurz den Raum. Um wenig später den Großen auf der Treppe wieder einzusammeln und mich damit zu entschuldigen, dass ich nur gaanz kurz mit der Mama geredet habe und er sich ja ohnehin keine Sorgen machen bräuchte. Wobei ich ja der Meinung bin, dass es wohl in der gesamten Geschichte der Menschheit noch nie vorkam, dass ein „du brauchst Dir keine Sorgen zu machen“ dafür sorgte, dass derjenige sich keine Sorgen mehr gemacht hat.

„Aber JETZT bleibst Du hier, ja?“

„Ja, Sohni.“

Irgendwann höre ich gleichmäßiges Atmen neben mir und erkenne im schwachen Nachtlicht, dass er eingeschlafen ist. Ich gehe nach unten, hole mir eine Runde Mitleid ab und frage mich, ob das für immer so gehen soll. Die Ich-Zeiten auch zukünftig derart gering ausfallen werden.

Und die Antwort haut mir direkt in die Magengrube. Obwohl ich sie ja eigentlich kenne.

„Natürlich nicht!“

Klar! Er wird wachsen und noch selbstständiger werden. Er wird mich irgendwann aus seinem Zimmer schicken oder wünschen, dass ich gefälligst anklopfe, bevor ich es betrete.

Er wird nicht auf ewig von mir in sein Bett getragen werden wollen. Er wird irgendwann nicht mehr mit mir in sein großes Tierbuch schauen und staunen, wie viele unterschiedliche Lebewesen es in Wald oder Meer gibt, welche Nahrung sie jeweils am liebsten futtern oder wie ihre Babys genannt werden. Er wird mich irgendwann nicht mehr fragen, ob ich bleibe.

Und eben aus diesen Gründen werde ich wohl so lange, wie er mich nicht ausdrücklich hinausschickt, genau diese Dinge tun.

Auch, weil ich es ihm einmal versprochen habe. Dass ich bleibe. Und er soll sich darauf verlassen können. Und egal, wie fertig und müde ich an manchen Tagen selbst bin. Wie gern ich mich auch mal nur um mich kümmern will. Wenn ich darüber nachdenke, wie schnell die vergangenen vier Jahre und acht Monate an uns vorbei geflitzt sind und wie wenige Jahre wir unsere Kinder noch in den Schlaf begleiten dürfen, dann bin ich sofort wieder geradegerückt und kann über die eine oder andere „Alibi-Frage“ aus dem Feuerwehrbettchen nur schmunzeln.

Weil ich mir wünsche, dass ich noch ganz viele davon beantworten darf.

Morgen.

Oder übermorgen.

Nur nicht mehr heute. Denn jetzt ist Ich-Zeit.

Gute Nacht.

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Hi ich bin Teresa. Studierte Medienmanagerin und leidenschaftliche Redakteurin. Meine Modeaffinität hat mich aber auch zwischenzeitlich mal die Branche wechseln lassen und so war ich zuletzt als Shopmanagerin bei Inditex tätig. Aktuell lebe ich aber ganz nach dem Motto: „Mein Alltag ist ihre Kindheit“. Ich versuche jeden Tag zu einem kleinen Abenteuer für uns zu machen. Mit einem tollen Mann an meiner Seite, einer wundervollen Tochter, die im Mai 2017 zur großen Schwester upgegradet wird, gestalten wir unseren Alltag so bunt wie möglich. So reisen wir gerne, ob durch Asien oder Europa. Und versuchen einfach immer wieder unseren persönlichen Interessen treu zu bleiben und sie gemeinsam auch zukünftig mit unseren Kindern zu vereinbaren. Kinder machen unser Leben nämlich nur noch lebenswerter: wir müssen es nur zulassen.